Donnerstag, 09. August 2018

Gemeinsamer Angriff auf den Wolf

500 gerissene Nutztiere und Entschädigungen in Höhe von einer Million Euro – dies sind die Schäden, die Wölfe allein im Vorjahr in der Toskana angerichtet haben. Dagegen nimmt sich die Zahl der Wolfsrisse in Südtirol und im Trentino verschwindend klein aus. Nun wollen alle 3 Länder gemeinsam dem Wolf den Kampf ansagen.

Nicht nur in Südtirol und im  Trentino bereitet der Wolf Kopfzerbrechen. Auch in der Toskana richtet er enorme Schäden an.
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Nicht nur in Südtirol und im Trentino bereitet der Wolf Kopfzerbrechen. Auch in der Toskana richtet er enorme Schäden an. - Foto: © shutterstock

Bislang standen Südtirol und das Trentino in Rom im Kampf gegen den Wolf bzw. für ein Wolfsmanagement samt Möglichkeit einer Entnahme so ziemlich alleine da.

Nun bekommen die beiden Länder aber kräftige Unterstützung. Bei einem Treffen am Pordoi-Joch hat Marco Remaschi, Landwirtschaftsassessor der Toskana, mit seinen Amtskollegen Arnold Schuler (Südtirol) und Michele Dallapiccola (Trentino) vereinbart, künftig gemeinsam gegen den Wolf aufzutreten.

Mit 110 Wolfsrudeln und rund 1000 Tieren ist die Toskana jene Region Italiens, die am meisten mit dem Wolf zu kämpfen hat. Allein im Vorjahr wurden für Schäden durch Wolfsrisse eine Million Euro ausgezahlt. „Dabei wurde diese Summe sogar gedeckelt, und lange nicht allen Bauern wurden die entstandenen Schäden bezahlt“, berichtet Schuler nach dem Treffen.

Um das Problem einzudämmen, hatte man es in der Toskana mit der Entnahme von 20 Wölfen versucht. Außer hohen Kosten und einem enormen Aufwand habe dies aber überhaupt nichts gebracht, sagt Remaschi. Aus dem Grund will nun auch die Toskana ein eigenes Wolfsgesetz nach Südtiroler Vorbild erlassen. Wie berichtet, hatte das Land zum Schutz der Bergwirtschaft die Möglichkeit einer Entnahme von Tieren vorgesehen – auf Anordnung des Landeshauptmannes und nach Rücksprache mit Italiens oberster Umweltbehörde (ISPRA).

Umweltminister Sergio Costa (5-Sterne-Bewegung) hat bereits angekündigt, das Gesetz vor dem Verfassungsgericht anfechten zu wollen. „Passiert ist bislang noch nichts. Und sollte es auch dazu kommen, stehen unsere Chancen nicht schlecht“, ist Schuler überzeugt. Das Gesetz ist zwar in Kraft, aber es fehlen noch die nötigen Durchführungsbestimmungen. „Wir müssen noch die Bedingungen festlegen, unter welchen eine Entnahme angeordnet werden kann“, so Schuler. Bis klar ist, ob das Landesgesetz rechtlich auch wirklich in Ordnung ist, dürfte wohl rund ein Jahr vergehen.

So lange kann und will man nicht warten – weder in Südtirol noch in der Toskana. „Wir haben vereinbart, in einem gemeinsamen Schreiben auf die rasche Verabschiedung des noch immer ausstehenden Wolfsplans zu drängen“, sagt Schuler. Gemeinsam auftreten will man auch der EU gegenüber. Bei einem Treffen am 4. September in Brüssel will man in der Landwirtschaftskommission die Einführung regionaler Regelungen der Habitat-Richtlinie fordern.

Auf Südtirols Almen ist laut Schuler die Zahl der Wolfsrisse im bisherigen Sommer im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig. „Das will aber nichts heißen, denn die derzeitige Situation ist erst der Anfang“, ist er überzeugt. „Richtig Probleme bekommen werden wir in den kommenden Jahren samt den langfristigen Folgen, dass die Almen nicht mehr bewirtschaftet werden und zuwachsen.“

Laut Landesamt für Jagd und Fischerei gab es im Juli 4 verschiedene Nachweise von Wölfen in Südtirol. Am 22. Juli wurden im Schlerngebiet 3 Schafe von einem Wolf gerissen, tags darauf 2 Schafe in St. Pankraz/ Ulten auf der Falkomaialm. Dazu kommen noch 2 Aufnahmen durch eine Fotofalle in St. Felix am Nonsberg. Dabei handelt es sich immer um Tiere, die aus dem benachbarten Trentino kommen. Hierzulande heimisch geworden zu sein, scheint noch keines der Tiere.

em/D

stol