<b>Herr Schmidt, arbeiten Sie Vollzeit?</b><BR />Johannes Schmidt: Ich würden sagen Vollzeit-Plus. Ich arbeite mit meinen beiden Geschwistern in unserem Bäckereibetrieb „Schmiedl“ und bin für die Produktentwicklung, die Qualitätssicherung und für das Produktionspersonal zuständig. Ich bin sozusagen das Gesicht nach außen. Mein Arbeitstag beginnt um fünf Uhr morgens in der Backstube und dann geht’s im Büro weiter. <BR /><BR /><b>Ihre Frau arbeitet auch Vollzeit.</b>..<BR />Schmidt: Auch sie, würde ich sagen, Vollzeit-Plus. Sie ist aber stärker gefordert und es gibt einen ganz großen Unterschied. Ich habe die Wochenenden frei, das kann man bei ihr nicht sagen.<BR /><BR /><b>Wie geht sich da Zeit für die Betreuung von Emma aus?</b><BR />Schmidt: Ich habe in ihrem ersten Lebensjahr Teilzeit gearbeitet. Es ging mir da nicht darum,dass ich eine Windel wechseln kann. Ich wollte miterleben und sehen wie Emma wächst, wie sie sich entwickelt, wie sie lernt. Das wollte ich nicht missen und mir auch nicht nehmen lassen. Das war und bleibt für mich extrem wichtig. Ich möchte nicht nur stiller Zuschauer sein. Spätestens jetzt, da sie einen halben Tag bei der Tagesmutter ist, sehe ich sie einen halben Tag nicht. Und so versuche ich jeden Moment zu nutzen. Natürlich geht das im eigenen Betrieb leichter, nicht den Faden zur Firma zu verlieren.<BR /><BR /><b>Wie war das bei Ihnen daheim als Sie Kind waren?</b><BR />Schmidt: Ganz klassisch. Mein Vater arbeitete Vollzeit im Betrieb und meine Mutter Teilzeit als Oberschullehrerin. Es war für ihn auch viel schwieriger sich Zeit für uns freizuschaufeln. Was ich aber krass finde, wenn ich meinen Tati jetzt hernehme, wie viel Zeit er sich für Emma nimmt. Opa und Emma sind ein Herz und eine Seele, ein Team und er blüht auf. Wenn Emma einmal die Woche bei meinen Eltern übernachtet, dann kommt zuerst das Frühstück mit Emma und der Rest der Welt kann warten. Prinzipiell finde ich, dass sich in Sachen Vaterschaft extrem viel getan hat.<BR /><BR /><b>Inwiefern?</b><BR />Schmidt: Früher war es viel verpönter in Vaterschaft zu gehen. Es galt die klassische Arbeitsaufteilung: Der Mann bringt das Geld heim und die Frau kümmert sich um Haushalt und Kinder. Mittlerweile hat sich das Lohngefüge etwas angepasst. Es gibt einige Frauen, die mehr verdienen als der Mann. Vom Finanziellen her ist also der alte Modus nicht mehr gerechtfertigt. Und ich erwachte es als zeitgemäß, wenn der Mann seinen Part macht. Da geht es nicht um ein „Ich-helfe-der-Frau“, sondern um ein gemeinsames Stemmen der Familie. Gemeinsames Kind, gemeinsame Aufgabe.<BR /><BR /><b>Wer hat denn die kurzen Nächte mit Emma übernommen?</b><BR />Schmidt: Die Nächte habe großteils ich gemacht, Nachtdienst gehört zu meinem Beruf. In der Nacht aufzustehen ist immer unangenehm, das hat mit Überwindung zu tun. Über sechs Stunden Schlaf komme ich nie, oft sind es auch nur vier.<BR /><BR /><b>Was ist das Herausfordendste mit einem Kleinkind?</b><BR />Schmidt: Die Planbarkeit. Als Eltern muss man so oft improvisieren. Unser großes Glück ist, dass wir meine Eltern und eine Tante als Backup haben. Kathas Eltern sind noch voll im Beruf eingespannt. Und zur Not kann ich Emma mit ins Büro nehmen, so wie sie Katha mitnimmt, wenn und wo es geht.<BR /><BR /><b>Hat Ihre Selbständigkeit im Vatersein einen Vorteil?</b><BR />Schmidt: Ja, ich kann mit meiner Arbeitszeit jonglieren, zur Not Arbeit nach hinten verschieben. Ist jemand beispielsweise im Angestellten-Verhältnis, geht das natürlich nicht. Andererseits gibt es bei uns die Krankschreibung nicht.<BR /><BR /><b>Sie sind mit ein paar anderen Vätern Testimonial der Forum Prävention-Kampagne „Vater Kind gewinnt“ zum „Equal Care Day“. Warum?</b><BR />Schmidt: Weil ich es wunderbar finde, einen Bezug zu den eigenen Kindern zu haben, weil ich Väter animieren und auffordern möchte, den eigenen Part in der Familie zu übernehmen. Denn leider Gottes sind die Aufgaben immer noch einseitig aufgeteilt. Das heißt aber nicht, dass man alles strikt durch zwei dividiert. Ich meine: Jeder muss seinen Teil leisten, damit es funktioniert. Und wenn ich lieber koche, dann übernehme ich das eben. Das, was Frauen früher geleistet haben – Haushalt, Kinder usw. –, wurde extrem unterbewertet. Zusätzlich gingen ihnen die Rentenjahre durch die Lappen und sie sind in ihren Karrieren nicht weitergekommen. Dies hat, wie wir alle wissen, große Nachteile im Alter.<BR /><BR /><b>Hat Ihr Vatersein, den Blickwinkel als Arbeitgeber verändert?</b><BR />Schmidt: Auf jeden Fall. Man versteht die Notwendigkeiten von Eltern viel besser.<BR /><b><BR />Was ist das Um und Auf in einer Beziehung mit Kindern?</b><BR />Schmidt: Man muss zusammenschauen, sich gegenseitig den Rücken stärken und frei halten. Es gilt den Ausgleich zu suchen, Demokratie zu leben. Die ist natürlich komplexer als eine Diktatur, wo der eine nach der Pfeife des anderen tanzen muss. Aber viel besser für alle.<BR /><BR /><b>Was gilt es familienpolitisch ändern?</b><BR />Schmidt: Dass es beispielsweise eine Elternzeit gibt, die nicht aufgeteilt ist auf Mutterschaft und Vaterschaft. Beide sollen frei entscheiden können, wer wie viel der Elternzeit in Anspruch nimmt. Überhaupt muss die Gesellschaft Elternschaft fördern, da brauchen wir nur die Überalterung anzuschauen. Und überall braucht es Nachwuchs.<BR /><BR /><b>Ganz privat: Was war das schönste Kompliment Ihrer kleinen Emma?</b><BR />Schmidt: Das war vor rund einem Jahr. Wir schliefen beide im Bett. Plötzlich wachte Emma auf und weckte mich, drückt mir ein Bussi auf die Wange und sagte „I hon di fescht lieb, Papi“. Das kam so aus dem Out of the blue und hat mich überwältigt.<BR /><BR /><b>Meist ist es so, dass es heißt: ,Das ist die Frau von...‘ Sie sind „der Mann von...“. Wie ist das als „First Husband“?</b><BR />Schmidt: Ich bin immer der gleiche Johannes, vorher und jetzt. Ich habe Katha kennengelernt, da sagte sie noch, dass sie mit Politik nichts zu tun haben wolle (lacht). Der Rest hat sich dann ergeben und ich fühle mich wohl genau dort, wo ich bin.