„Etwa Dreiviertel der Fensterstürze von Kindern ereignen sich zwischen März und August – in den warmen Monaten“, weiß der Notfallmediziner. Im Juli 2025 war in Bozen ein drei Jahre alter Bub aus neun Metern in die Tiefe gestürzt und dabei schwer verletzt worden. Dr. Daniel Hölbling Patscheider weist im Interview auf eine Gefahr hin, die besonders oft unterschätzt wird. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1287681_image" /></div> <BR /><BR /><b>Welche Kinder sind besonders gefährdet?</b><BR />Dr. Daniel Hölbling Patscheider: Kinder im Alter zwischen einem Jahr und fünf Jahren. Sie sind motorisch oft bereits extrem fit, können klettern und kraxeln, aber die Gefahr noch nicht einschätzen. Die Buben sind risikofreudiger als die Mädchen und somit gefährdeter – das zeigen alle Studien. Verletzungen bei Stürzen aus dem dritten oder vierten Stock sind oft tödlich. Aber auch Stürze aus dem ersten oder zweiten Stock können tödlich enden. Glücklicherweise sind aber auch Stürze aus höheren Stockwerken überlebbar. Allerdings ist die Geschwindigkeit bei einem Sturz beispielsweise vom vierten Stock bereits sehr hoch – 50 bis fast 90 km/h. <BR /><BR /><b>Wann kommt es am häufigsten zu Fensterstürzen von Kindern?</b><BR />Dr. Hölbling Patscheider: Die Stürze ereignen sich häufig um die Mittags- und Abendzeit. Da sind die Kinder oft unbeaufsichtigt – auch nur für kurze Zeit, weil die Eltern da das Mittag- oder Abendessen vorbereiten oder mit Aufräumarbeiten beschäftigt sind – und die Kinder sind dann unbeobachtet.<BR /><BR /><b>Wo ereignen sich die meisten Stürze?</b><BR />Dr. Hölbling Patscheider: Viele Stürze gehen von Kinderzimmern aus. Es reicht, ein Kind 20 bis 40 Sekunden lang unbeaufsichtigt zu lassen. Wenn Eltern schnell mal zum Telefon oder in die Küche gehen, kann es bereits passieren.<BR /><BR /><b>Welche Folgen haben solche Fensterstürze?</b><BR />Dr. Hölbling Patscheider: In den meisten Fällen ist mit schweren Verletzungen zu rechnen. Kinder stürzen anders als Erwachsene: Ihr Kopf ist – im Verhältnis zum Körper eines Erwachsenen – größer und schwerer, sodass sie meist nach vorne überkippen und dann mit dem Kopf und dem Brustkorb als Erstes aufschlagen. Dadurch kommt es zu schweren Kopf- und Brustkorbverletzungen. Haupttodesursache bei solchen Stürzen ist deshalb laut einer Studie aus Berlin ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Erwachsene kommen hingegen bei solchen Stürzen bzw. Sprüngen meist zuerst mit den Beinen auf, weshalb schwere Bein-, Becken-, Wirbelsäulen- und Bauchverletzungen führend sind.<BR /><BR /><b>Sind Fensterstürze oder Balkonstürze häufiger?</b><BR />Dr. Hölbling Patscheider: Fensterstürze. Balkone müssen laut Gesetz entsprechend hoch gebaut werden, damit die Kinder nicht darüberklettern können. Aufpassen muss man auf mögliche Steighilfen – sowohl auf dem Balkon als auch in den Zimmern wie lose Stühle und Bänke.<BR /><BR /><b>Was kann man zur Sicherung präventiv unternehmen?</b><BR />Dr. Hölbling Patscheider: Wichtig ist bei jeder Fenstersicherung, dass sie altersentsprechend ist. Ideal sind versperrbare Fenster. Man kann Fenstersicherungen auch nachrüsten – sollte aber immer auf die Qualität achten. Eine weitere Möglichkeit der Prävention sind Metallgitter bei den Fenstern. An dieser Stelle muss man betonen: Fliegengitter am Fenster bieten keinen ausreichenden Schutz – dort brechen die Kinder durch. Möbel neben dem Fenster zu positionieren, ist auch nicht ratsam. Wichtig ist auch, dass man nichts, was die Kinder interessieren könnte, aufs Fensterbrett stellt: Das ist eine zusätzliche Motivation fürs Kind, hinaufsteigen zu wollen <BR /><BR />Int.: Stephan Pfeifhofer