„Seit knapp zwei Jahren stehen wir nun auf dem Prüfstand, knapp zwei Jahre, die ungeschönt gezeigt haben, wer wir sind, woran wir glauben und wann wir an unsere Grenzen stoßen“, meint Irina Lino. <BR /><BR /><BR /><BR /><BR />Weihnachten… Worüber schreiben zu diesem ganz besonderen Fest in dieser so herausfordernden Zeit, das nicht schal, überheblich oder tendenziös klingt? Wie eintauchen in die leuchtende Tiefe der christlichen Heilsbotschaft, wenn rund um uns alles mehr und mehr aus dem Ruder zu laufen scheint? <BR /><BR />Aber… War es nicht damals auch so, zu Jesu Geburt? Oder noch viel schlimmer? Und gehört es nicht zu den Wesenszügen des Menschseins, zu wachsen – gerade in Schwierigkeiten? <BR /><BR />Das wäre ja leicht, in hellen Zeiten über die Dunkelheit zu sprechen, als wüsste man, wovon man redet. Sich auszumalen, wie man in dieser oder jener Situation reagieren, wie mit Schicksalsschlägen umgehen oder dem Tod begegnen würde. Solange man ihnen nicht gewahr wird, solange man sein Herz nicht feiner schleift in Glück UND Leid, solange die Seele nicht Flügel bekommt durch Läuterung und Einsicht, wird man NICHTS wissen – weder von der Kostbarkeit des Augenblicks noch der Verletzlichkeit des Glücks noch von Himmel und Hölle in uns selbst. <BR /><BR />Einschränkung und Verzicht… das sind wir nicht gewohnt. Dass Freiheit eine Verantwortung ist, dass Eigenverantwortung anstrengend und ermüdend sein kann, dass wir in der Pandemie Seiten an uns entdecken, die völlig neu sind… Wer hätte es uns beibringen sollen, uns Jüngeren, Begnadeten, die in goldenen Zeiten ohne Krieg und Hunger aufwachsen durften. <BR /><BR />Seit knapp zwei Jahren stehen wir nun auf dem Prüfstand, knapp zwei Jahre, die alles zum Vorschein gebracht – die ungeschönt gezeigt haben, wer wir sind, woran wir glauben, wann wir an unsere Grenzen stoßen und ob wir in der Lage sind, darüber hinauszuwachsen. Und wenn dann alle Masken gefallen sind, ist die Person, die uns aus dem Spiegel entgegenblickt, vielleicht fremd und nicht das, was wir sehen wollen.<BR /><BR /> Es macht nichts! Weil in jedem Erkennen der Schlüssel zur Veränderung liegt. Weil das Licht der Hoffnung umso heller brennt, je dunkler die Nacht ist und… weil es zu den Wesenszügen des Menschseins gehört, zu wachsen – über sich hinaus und zueinander hin. Gerade in schwierigen Zeiten wie diesen.<BR /><BR /><BR />ZUR PERSON<BR /><BR />In einer wöchentlichen Kolumne schreibt Irina Lino auf s+ über aktuelle Themen verschiedenster Art. Irina Lino ist 1967 in Klagenfurt geboren und seit 1987 Kulturjournalistin. Zahlreiche Beiträge in Büchern und Katalogen zu Kulturthemen; seit 2009 Kultur-Ressortleiterin der „Kronen Zeitung“ Kärnten sowie Kolumnistin.<BR /><BR />