Montag, 26. Oktober 2015

Gerechtigkeit für eine Hexe: „Auch in Südtirol denkbar“

Heute zweifelt niemand mehr daran, dass die Hexenverfolgung Unrecht war. Warum die Opfer also nicht rehabilitieren? Eine Trentiner Gemeinde will einen Prozess gegen eine vermeintliche Hexe gerichtlich neu aufrollen. Das wäre auch für Südtirol denkbar, meinen die Grünen.

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Foto: © shutterstock

Vor fast 300 Jahren wurde Maria Bertoletti Toldini di Pilcante als Hexe verurteilt, enthauptet und verbrannt. Jetzt will die Gemeinde Brentonico ihren Fall gerichtlich neu aufrollen lassen.

Damit sollten die Menschen daran erinnert werden, dass Hexenprozesse „wirkliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ waren, sagte der für Kultur zuständige Gemeinderat Quinto Canali. Der Ort östlich des Gardasees habe einen Historiker beauftragt, Beweismaterial zu sammeln, um es dem Berufungsgericht in der Provinzhauptstadt Trient vorzulegen.

Zur Zeit der Hinrichtung am 14. März 1716 gehörte Brentonico zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Hexenprozesse seien dort vor zivilen Gerichten geführt worden, erklärte Canali – und nicht von der katholischen Inquisition, wie in anderen Teilen des Landes. Er habe Zusicherungen des Gerichts in Trient, dass es sich des Falles wirklich annehmen werde. Natürlich handle es sich nur um einen symbolischen Akt.

Südtiroler Grüne mit Sympathie für die Idee

Die Grünen hierzulande folgen die Initiative in Brentonico mit „Interesse und Sympathie“. Wie der Landtagsabgeordnete Hans Heiss im Gespräch mit STOL erzählt, habe man sich bereits alle nötigen Unterlagen beschafft. Nun wolle man beobachten, wie das Ganze rechtlich über die Bühne gehe.

„Auf jeden Fall wäre das eine interessante Form der Rehabilitierung“, sagt Heiss. „Im Gebiet Tirols gab es im 16. und 17. Jahrhundert doch einige Frauen, die als Hexen zu Unrecht verbrannt wurden.“ Heiss erinnert dabei an die „Pachlerzottl“ im Sarntal, an Anna Jobstin in Völs und vermeintliche Hexen in den ladinischen Tälern.

Die Kosten, die mit dem Wiederaufrollen der Prozesse verbunden wären, nennt Heiss „überschaubar“. Er könne sich sehr gut vorstellen, dass Rechtsanwälte in dieser Angelegenheit freiwillig tätig werden würden. Zudem könnte das Land einen Teil zuschießen. „Der Beirat für Chancengleichheit könnte in der Rehabilitation der Frauen schon eine Aufgabe sehen“, meint Heiss.

stol/apa/dpa

stol