Dienstag, 27. August 2019

Gericht sieht Mitschuld des Opfers bei tödlicher Kuhattacke

Das Oberlandesgericht (OLG) Innsbruck hat der Berufung eines Bauern gegen das erstinstanzliche Urteil nach einer tödlichen Kuhattacke im Nordtiroler Pinnistal im Jahr 2014 teilweise recht gegeben. Die grundsätzliche Haftung des Bauern bleibe zwar aufrecht, erklärte Wigbert Zimmermann, Vizepräsident des OLG, am Dienstag. Das Opfer trage aber zu 50 Prozent eine Mitschuld.

Das Oberlandesgericht Innsbruck sprach im Fall einer tödlichen Kuh-Attacke im Nordtiroler Pinnistal auch dem Opfer Schuld zu. - Foto: shutterstock
Das Oberlandesgericht Innsbruck sprach im Fall einer tödlichen Kuh-Attacke im Nordtiroler Pinnistal auch dem Opfer Schuld zu. - Foto: shutterstock

Dies bedeutet, dass dem Ehemann und dem Sohn der Verstorbenen die berechtigten Ansprüche um 50 Prozent gekürzt werden. Dem Witwer stehen somit rund 54.000 Euro und eine monatliche Rente von 600 Euro zu. Der Sohn bekommt rund 24.000 Euro sowie eine monatliche Rente in der Höhe von 180 Euro. Alle Prozessparteien können die Entscheidung des Oberlandesgerichts binnen 4 Wochen anfechten.

Das Oberlandesgericht habe eine Mitschuld der deutschen Urlauberin festgestellt, da von Hundehaltern verlangt werden kann, dass sie über die mit dem Halten von Hunden typischerweise ausgehenden Gefahren Bescheid wissen, sagte der OLG-Vizepräsident und ergänzte: „Die Touristin hätte wissen müssen, dass Mutterkühe eine Gefahr für Hunde darstellen.“

„Die Verstorbene hatte Warnschilder nicht beachtet“

Zudem habe die Verstorbene die vom Landwirt angebrachten Warnschilder nicht beachtet und auch an die Anweisung des Warnschilds auf Distanz zu bleiben hielt sich die Frau nicht. „Sie ging im Abstand von nur einem bis zwei Meter an den Kühen vorbei“, erklärte Zimmermann. Diese Vorgehensweise der Deutschen sei als Sorglosigkeit zu werten und begründe damit ein maßgebliches Mitverschulden.

Trotzdem blieb die grundsätzliche Haftung des Landwirts aufrecht, da dem Bauer bewusst gewesen sei, dass seine Mutterkühe sensibel und aggressiv auf Hunde reagieren. Zudem habe der Landwirt auch gewusst, dass seine Kühe in diesem Jahr besonders aggressiv gewesen seien, begründete Zimmermann das Urteil. Deshalb sei das bloße Aufstellen eines Warnschildes nicht ausreichend gewesen. Der Landwirt hätte den neuralgischen Teil des Weges auf einer Länge von rund 500 Metern entlang seiner Weidefläche abzäunen müssen. Eine derartige Einzäunung wäre dem Bauern zumutbar gewesen, hielt das Gericht fest.

Von Kühen zu Tode getrampelt

Am 28. Juli 2014 war im Pinnistal, einem Seitental des Stubaitals, eine 45-jährige Deutsche, die mit ihren Hund unterwegs war, von Kühen plötzlich attackiert und zu Tode getrampelt worden. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit zwischen den Hinterbliebenen und dem Landwirt erging im Februar das erstinstanzliche Urteil im Zivilprozess. Demnach musste der Bauer dem Witwer und dem Sohn rund 180.000 Euro sowie eine monatliche Rente an die beiden in der Höhe von insgesamt rund 1.500 Euro zahlen. Der gesamte Streitwert des Prozesses lag bei rund 490.000 Euro. Die Staatsanwaltschaft hatte noch im Jahr 2014 die Ermittlungen gegen den Landwirt eingestellt.

apa

stol