„Der Ort, an dem ich mein ganzes Berufsleben verbracht habe, ist zerstört“, sagt er.<BR /><BR />Angesichts des Hergangs sei es ein Wunder, dass außer einem Leichtverletzten nur Sachschaden zu beklagen sei. „Es ist schon ein eigenartiges Gefühl, zu wissen, dass wir nicht mehr da drinnen arbeiten können“, räumt Bisignano ein. Seine Toga, seine Bücher, Bilder, Erinnerungsstücke, Fallakten – glücklicherweise am Einsturztag nur wenige – sind unter dem Abbruchmaterial im Atrium begraben worden. „Für Sentimentalitäten bleibt aber keine Zeit: Höchste Priorität hat jetzt die würdige Unterbringung der Kollegen und Mitarbeiter und die Wiederaufnahme unserer Tätigkeit“, betont Bisignano.<BR /><BR />Bis Dienstag Vormittag hatte die Staatsanwaltschaft noch keinen Zugang zu ihren digitalen Unterlagen, am Nachmittag wurde ein IT-Techniker des Ministeriums erwartet, „das uns sehr unterstützt“, hebt Bozens Chef-Ermittler hervor. Er hat vorerst im Finanzgebäude ein provisorisches Büro bezogen. Am Mittwoch werden Verantwortliche vom Land, Landesgerichtspräsidentin Francesca Bortolotti und Bisignano gemeinsam die Angebote an Ausweichimmobilien prüfen, die bis gestern über die Vergabestelle des Landes eingegangen sind.<BR /><BR />Während der Großteil der Belegschaft des Landesgerichtes ins Oberlandesgericht gezogen ist, braucht die Staatsanwaltschaft 45 Büros, um „angemessen untergebracht zu sein und arbeiten zu können: Auf wenig Platz zusammengepfercht zu sein geht nicht. Ich würde durchaus in Kauf nehmen, wenn die Staatsanwaltschaft auf zwei Gebäude aufgeteilt werden müsste – gut erreichbar für den Bürger auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln“, so Bisignano. Es gehe ja nicht um eine Übergangslösung von wenigen Wochen oder Monaten. Wie Landesrat Christian Bianchi schätzt er, dass es rund sechs Jahre dauern dürfte, bis das Gerichtsgebäude wieder bezugsfertig sein wird. <BR /><BR />Dringende Verhandlungen werden vorerst im Oberlandes- bzw. Jugendgericht durchgeführt, Verhöre direkt im Gefängnis. Bereits Mittwoch wird ein Eildekret aus Rom erwartet, mit dem nicht dringende Verfahren in Bozen bis zum 30. September ausgesetzt werden – die Verjährungsfrist wird damit eingefroren. <BR /><BR />Das Gerichtsgebäude ist indes beschlagnahmt. Die Seitenflügel sind laut Gutachter der Staatsanwaltschaft zwar nicht einsturzgefährdet, wurden aber beschädigt. Damit die restlichen Computer, Akten und Möbel gefahrlos herausgeholt werden können, sollen schon bald an kritischen Stellen Beschleunigungssensoren angebracht werden, die Bewegungen im Mauerwerk und Vibrationen messen.