<b>Frau Nagler, viele Menschen dürften zwar eine Vorstellung von Biodiversität haben, aber nicht mit dem Begriff Umwelt-DNA vertraut sein. Was hat es damit auf sich?</b><BR />Magdalena Nagler: Hier geht es einfach darum, Umweltproben wie z.B. von Böden, Gewässern oder auch der Luft zu entnehmen, um dann die dort enthaltene DNA zu extrahieren und sich genauer anzuschauen. Anhand von spezifischer Amplifizierung von besonderen Genom-Regionen lassen sich dann bestimmte Tier-, Pflanzen- und Mikrobengruppen nachweisen und gegebenenfalls auch quantifizieren. <BR /><BR /><b>Wozu soll das gut sein?</b><BR />Nagler: Diese Methodik hat sehr viele Vorteile, wenn es darum geht, ökologische Rückschlüsse zu ziehen bzw. die Biodiversität zu ermitteln. Man kann dadurch das oftmals aufwendige Sammeln und Zählen von Tieren oder Pflanzen minimieren, man spart sich Zeit und Kosten und darüber hinaus handelt es sich um eine standardisierbare Methode. Sie lässt sich also für Vergleichszwecke auf unterschiedliche Gegebenheiten anwenden. Oder um es im Wissenschaftsjargon zu sagen: Die taxonomische Detailtiefe profitiert von dem Verfahren in erheblichem Maße.<BR /><BR /><b>Von was für Arten ist hier die Rede?</b><BR />Nagler: Das können größere Bodentiere sein, etwa Käfer und Regenwürmer im Boden, Fische oder Fliegenlarven im Wasser oder Pilze und Mikroorganismen in allen möglichen Umweltproben. Ganz generell gesprochen lassen solche DNA-Umweltproben ökologische Rückschlüsse auf das untersuchte Habitat zu. Allerdings ist die Kombination mit der herkömmlichen Art der Erhebung von Arten weiterhin nötig und sinnvoll, weil man damit reelle Vergleichswerte hat. Denn ein noch schwieriges Unterfangen bei der Analyse der Umwelt-DNA ist die Trennung von intrazellulärer DNA, die tatsächlich von lebenden Zellen stammt, und von extrazellulärer DNA. Letztere kann entweder von toten Zellen stammen oder wird von Zellen aktiv ausgeschieden. Darauf gilt es natürlich zu achten, denn diese extrazelluläre DNA kann unter bestimmten Bedingungen lange überdauern und dann auch von Arten stammen, die in dem untersuchten Habitat gar nicht mehr vorhanden sind. Durch das gezielte Waschen der Proben werden diese beiden Fraktionen getrennt und dann untersucht. <BR /><BR /><b>Ist gerade das ein Nachteil dieser modernen Methode?</b><BR />Nagler: Ja, die Problematik der Kontamination von Proben bzw. von falsch-positiven Ergebnissen besteht. Dadurch bedarf es eben anfangs einer Verifizierung der Methode in dem untersuchten Habitat durch den Vergleich mit tatsächlichen Artzahlen. So kann man falsch-positive Ergebnisse reduzieren und zu einem akkurateren Ergebnis kommen. <BR /><BR /><b>In welchen Gegenden erfolgen diese Analysen?</b><BR />Nagler: Derzeit widme ich mich an der EURAC zusammen mit der Bodenökologin Julia Seeber dem Projekt „ALSORES“. Dabei untersuchen wir Wiesen- und Weideflächen auf einer Höhenlage von 1500 Metern sowie auf 2500 Metern. Unter anderem waren wir in Jenesien, dem Sarntal und auf dem Tschöggelberg unterwegs, ermöglicht wird mir diese Arbeit durch ein „Marie-Curie“-Forschungsstipendium der EU. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="938809_image" /></div> <BR /><BR /><b>Was erforscht ihr bei diesem Projekt?</b><BR />Nagler: Dabei geht es um Bodentiere wie Käfer, Würmer und Insektenlarven sowie deren Interaktion mit Mikroorganismen und der daraus resultierenden Bodenatmung, d.h. dem Ausstoß von CO<sub>2</sub>, welcher durch die Mikroben und die Tiere zustande kommt. Hierbei werden wir sowohl händisch die Bodentiere bestimmen als auch Mikroben und Tiere in den unterschiedlichen DNA-Typen nachweisen und dann die Ergebnisse abgleichen. Auf diese Weise können wir interessante ökologische Rückschlüsse auf die Arten und ihre Interaktionen gewinnen und wir können Aussagen darüber treffen, welche Arten besonders bedeutend für den <BR />CO<sub>2</sub>-Ausstoß unserer Wiesen und Weiden sind. Daneben werden die Ergebnisse auch Hinweise zu der Entwicklung der jeweiligen Habitate geben. <BR /><BR /><b>Wie wichtig ist diese Art der Forschung?</b><BR />Nagler: Dank der Entwicklungen auf diesem Forschungsgebiet können die Prozesse und Vorgänge auf dem Gebiet der Biodiversität viel genauer abgebildet werden. Wir bekommen ein besseres Bild über unsere Umwelt, wir können Problematiken, aber auch Chancen besser erkennen und aufgrund der Erkenntnisse handeln.