Vittorio Tiralongo war erst 24 Jahre jung, als er am Abend des 3. Septembers 1964 aus der Carabinieri-Kaserne Mühlbach gelockt und von einem Schützen aus einem gegenüberliegenden Haus tödlich getroffen wurde. 42 Jahre später hat Staatspräsident Sergio Mattarella dem Carabiniere posthum die goldene Medaille als „Opfer des Terrorismus“ zuerkannt. Übergeben hat sie die Regierungskommissärin am Dienstag anlässlich der Feiern zum Tag der Republik in Trient an Tiralongos Tochter Dina und deren Mutter, die beide im Trentino wohnen.<BR /><BR />Groß ist die Freude über die Ehrung bei den Fratelli d’Italia. Trotz strömenden Regens organisierten sie eine kleine Feier vor dem Denkmal von Salvo D’Aquisto in der Bozner Gilmstraße, an der neben Dina Tiralongo auch Landesrat Marco Galateo und der regionale Koordinator der FdI, Alessandro Urzì, teilnahmen. „D’Aquisto war ein junger Carabiniere, der sein Leben opferte, um Zivilisten vor der Erschießung durch die Nationalsozialisten zu retten – und auch Tiralongo war Carabiniere“, so Urzì. Viele Jahre habe die „sezessionistische Propaganda“ Tiralongos Opfer verschleiern wollen. Der Ehrung sei aber eine eingehende Prüfung durch die Ämter des Staatspräsidenten vorangegangen.<h3> STF: „Tiralongo politisch missbraucht“</h3>Ganz anders sieht es die Süd-Tiroler Freiheit. „Die Ehrung ist doppelt tragisch. Erst musste die Familie den Verlust hinnehmen. Jetzt wird die Figur Tiralongo politisch missbraucht“, sagt Sven Knoll. Er spricht von „Geschichtsfälschung“. Der Mord an Tiralongo sei nie aufgeklärt worden. Mehrere Zeugen hätten bestätigt, dass die „Pusterer Buam“ mit der Tat nichts zu tun hatten. Schon 2009 habe der diensthabende Carabiniere Bruno Budroni im Bayerischen Rundfunk erklärt, Tiralongo sei im Zuge eines Streites von einem Vorgesetzten erschossen worden. Andere Zeitzeugen sprachen von einer Ehrenfehde aus Sizilien, so der ehemalige Bürgermeister von Mühlwald, August Aschbacher.<BR /><BR /> Immer laut Knoll hätten sich die im Exil lebenden und mittlerweile verstorbenen Pusterer Buam vor Jahren sogar zu einem DNA-Test bereit erklärt. Der Todesschütze hatte sich im Nebenhaus an der Fensterscheibe verletzt, durch die er schoss und ein blutiges Taschentuch zurückgelassen. Dieses sei aber aus der Asservatenkammer in Mailand „verschwunden“.