Dienstag, 11. Dezember 2018

Geschirr, Gewehre, Granaten: Gletscher geben Kriegsmaterial frei

Die Gletscher im Trentino sind wegen der Hitzewellen der vergangenen Jahre stark geschmolzen und haben Gegenstände aus Kriegszeiten freigegeben. Dutzende Bergsteiger, die sich auf die Suche nach Gegenständen aus dem Ersten Weltkrieg gemacht hatten, fanden verrostetes Geschirr, Bergschuhe, Gewehre und Granaten.

Der Scheinwerfer mit Holzstativwurde auf der Spitze Vedretta di Lares im Adamello-Massiv gefunden. - Foto: Ausstellung Cosa videro quegli occhi
Der Scheinwerfer mit Holzstativwurde auf der Spitze Vedretta di Lares im Adamello-Massiv gefunden. - Foto: Ausstellung Cosa videro quegli occhi

100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde im Trentino auch ein tragbarer Scheinwerfer des habsburgischen Heeres entdeckt, berichteten lokale Medien. Der Fund ist einer umfangreichen Kampagne zur Verwertung des Kriegsmaterials zu verdanken, das durch die Gletscherschmelze im Trentino auftaucht. Die Aktion wurde vom Trentiner Denkmalschutz und Försterkorps koordiniert.

Scheinwerfer mit Holzstativ

Der Scheinwerfer mit Holzstativ, der mit sechs Bleibatterien funktionierte und in den Schützengräbern im Gebirge genutzt wurde, gilt für die damalige Zeit als besonders modern und kostspielig, berichteten Experten. Das 28 Kilo schwere Gerät wurde auf der Spitze Vedretta di Lares im Adamello-Massiv gefunden.

Förster hatten im August 2017 einen Mann beobachtet, der das Holzstativ fand und für sich behalten wollte. Das Stativ wurde beschlagnahmt. Nach weiterer Suche von den Behörden wurde der Scheinwerfer gefunden und restauriert. Er wird bis zum 30. Dezember in der Ex-Tabakmanufaktur in der Trentiner Stadt Rovereto im Rahmen einer Schau zum Ersten Weltkrieg mit dem Titel „Was diese Augen sahen“ (Cosa videro quegli occhi) ausgestellt.

Plünderung von Kriegsmaterial verboten

Die Denkmalbehörden des Trentino warnen vor der Plünderung von Kriegsmaterial aus dem Ersten Weltkrieg, das aus den schmelzenden Gletschern auftaucht. Dieses sei Erbgut der Menschheit und dürfe nicht einfach mitgenommen werden. Die Polizei versucht, die Entwendung von Überresten aus der Kriegszeit zu verhindern, allerdings mit wenig Erfolg. Noch nie war es so leicht wie jetzt, Utensilien der Soldaten zu finden.

Auch Leichen tauchen wegen der Gletscherschmelze auf. Die Überreste zweier Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg waren 2016 im Adamello-Massiv im Trentino auf einer Höhe von 2.910 Metern aufgefunden worden. Experten vermuten, dass es sich um österreichisch-ungarische Heeresangehörige handelt.

apa/stol

stol