Mittwoch, 10. April 2019

Geschlagen und gemobbt: Gewalt gegen Kinder nimmt zu

Sexualisierte, körperliche und psychische Gewalt gegen Kinder nimmt zu. Dieses traurige Fazit hat Südtirols Kinder- und Jugendanwältin Paula Maria Ladstätter am Mittwoch im Landtag in Bozen ziehen müssen. Als Sprachrohr für Heranwachsende stellte sie den Jahresbericht 2018 vor.

Immer wieder werden in Südtirol Kinder und Jugendliche Opfer von Gewalt.
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Immer wieder werden in Südtirol Kinder und Jugendliche Opfer von Gewalt. - Foto: © shutterstock

Da ist ein 14-jähriger Junge, der vom Vater regelmäßig Schläge bekommt, dessen Mutter sich aber hinter den Mann und nicht vor den Sohn stellt. Da ist ein Vater, der erfährt, dass seine frühere Lebensgefährtin die beiden gemeinsamen Söhne seit der Trennung gravierend ungleich behandelt. Da ist eine Mutter, die sich um ihre Tochter sorgt, weil diese in der Schule heftig gemobbt wird.

Nicht alle Kinder und Jugendlichen in Südtirol können in einem sicheren und geschützten Umfeld aufwachsen. Paula Maria Ladstätter betonte am Mittwoch im Landtag, dass alles getan werden müsse, dass kein Kind benachteiligt werde. Alle Minderjährigen hätten ein Recht auf Existenzsicherung und bestmögliche Entfaltungsmöglichkeiten. Sie sollten bei Entscheidungen, die sie betreffen, mitreden und ihre Meinung frei und ohne Angst äußern können.

Oft ist es mehr als nur ein einzelnes Problem

Im vergangenen Jahr 2018 hat die Kinder- und Jugendanwältin gemeinsam mit ihren zwei Mitarbeiterinnen und dem Mitarbeiter 1767 telefonische Beratungen gemacht, 192 Face-to-Face-Gespräche geführt, 184 Anfragen per Mail und 13 Anfragen über Social Media beantwortet.

Es ging um Kinder- und Jugendschutz, um Schulverweigerung, um Vernachlässigung, Ungleichbehandlung und altersgemäße Entwicklung von Kindern, um familiäre Konflikte, Trennung und Scheidung, um das Besuchsrecht eines Elternteils und Unterhaltszahlungen, um häusliche Gewalt, psychische, physische und sexualisierte Gewalt, um Probleme zwischen Eltern und Kindern, Fragen der Erziehung und Fremdunterbringung, um die Integration schwacher Schülerinnen und Schüler und von Kindern mit besonderen Bedürfnissen in Schule und Alltag, um Mobbing, Cybermobbing und Bullying in Schule und Freizeit.

In vielen Situationen wurden Mehrfachproblematiken sichtbar. Die Fälle sind meist komplex, die Bearbeitung gestaltet sich aufwändig und zieht sich oft über mehrere Jahre. „Es braucht Einzel- und Mediationsgespräche und laufend Treffen mit den zuständigen Netzwerkpartnerinnen und -partnern“, erklärte Paula Maria Ladstätter.

Schwieriges familiäres Umfeld häufigster Grund für Suizid

Im Anschluss hatten die politischen Vertreter im Landtag die Möglichkeit, der Kinder- und Jugendanwältin Fragen zu stellen. Dabei wurde unter anderem nach Gründen für die hohe Selbstmordrate gefragt, nach Schulphobie, Drogen- und Alkoholkonsum und Präventivmaßnahmen für die Familie.

Ein schwieriges familiäres Umfeld gehöre zu den häufigsten Gründen für Suizid unter Jugendlichen, antwortete Paula Maria Ladstätterauf eine Frage, die von mehreren Abgeordneten gestellt wurde. Auch Mobbing sei ein häufiger Grund. Sie betonte die Wichtigkeit einer Unterstützung für die Familien, auch schon vor der Geburt der Kinder, denn Partnerschaftskrisen, die auch die Kinder belasteten, könnten sehr früh auftreten.

Kinder mit Migrationshintergrund lebten oft im Spannungsfeld von 2 Kulturen, hier habe man öfters Unterstützung anfordern müssen.

Ladstätter rief dazu auf, nicht bei den Jugendlichen zu sparen, in Schule, Sanität oder anderen Bereichen, denn das werde zum Bumerang. Die Sozialdienste hätten oft schon mit der dritten Generation derselben Familie zu tun, das zeige, dass mehr am Umfeld gearbeitet werden müsse und dass die Dienste auch entsprechend ausgestattet werden müssten, damit die Mitarbeiter nicht abwandern.

In der Sanität sollte der pädiatrische Dienst auch am Wochenende zur Verfügung stehen, aber auch die Schule brauche Ressourcen, da sich die Probleme häuften. Auch Maßnahmen gegen die Kindesarmut seien notwendig. Sie wünsche sich, dass der Umbau in der Kinder- und Jugendanwaltschaft heuer erfolge, erklärte Ladstätter schließlich, und dass das Personal aufgestockt werde, auch mit einem Psychologen, was sich übrigens abzeichne.

Kontakt der Kinder- und Jugendanwältin

Die Kinder- und Jugendanwältin und ihr Team haben im vergangenen Jahr an 75 Netzwerk- und Arbeitsgruppentreffen teilgenommen. Dabei wurden Erfahrungen ausgetauscht, Themen und Strategien zum Kindeswohl erarbeitet, Vorbeugungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen entwickelt.

Für die Anliegen von Minderjährigen steht das Team der Kinder- und Jugendanwaltschaft telefonisch unter 0471 946 050, per WhatsApp (Tel. +39 331 1738847), per Mail an [email protected] und über Facebook zur Verfügung. 

stol

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