Dienstag, 07. April 2020

Junger Südtiroler mit extremem Covid-19-Verlauf: „Lunge zu 100 Prozent befallen“

Im Interview mit STOL schildert ein junges Paar aus dem Überetsch ihre ganz persönlichen und erschreckenden Erfahrungen mit Covid-19. Der Mann, ein knapp 30-jähriger Südtiroler, gesund und fit, hatte sich Mitte März mit dem Coronavirus infiziert. Was zunächst mit Rückenschmerzen begann, artete in einen 100-prozentigen Befall der Lunge aus, an der Intensivstation schlitterte er nur haarscharf vorbei. Gut geht es dem jungen Mann immer noch nicht. „Die Krankheit ist extrem heimtückisch. Die Leute müssen endlich verstehen, wie ernst die Lage ist“, betont das Paar aus Eppan.

Der junge Mann schlitterte nur haarscharf an der Intensivstation vorbei.
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Der junge Mann schlitterte nur haarscharf an der Intensivstation vorbei. - Foto: © @tirol kliniken
Begonnen hatte alles relativ harmlos Mitte März. Der junge Mann, der an keinerlei Vorerkrankung leidet und auch sonst ziemlich fit ist, klagte über simple Kreuzschmerzen. Da schöpften er und seine Partnerin noch keinen Verdacht.

Einige Tage später kam leichtes Fieber von 37,2 Grad hinzu, der Mann hatte zudem auch Kopf- und Augenschmerzen. Die Sorgen wurden größer, dass sich der Überetscher, der Kontakt mit einem Covid-19-Patienten hatte, infiziert hatte. Allerdings hatte er weder Husten, das als eines der Hauptsymptome für eine Infektion mit dem Virus gilt, noch hohes Fieber.

Erst als sich dann auch noch seine Lunge „komisch“ anfühlte er Schwindelgefühle hatte und Geruchs- und Geschmackssinn gleich null waren, schrillten alle Alarmglocken.

Covid-19 kam schleichend und hintertückisch

Die Partnerin war sich spätestens da sicher, auch weil es ihrem Freund immer schlechter ging, hohes Fieber, Schüttelfrost und Atemnot hatte, dass sie handeln muss und alarmierte die Notrufnummer 112. Abgeholt wurde er von einem der speziellen Covid-19 Task-Force-Rettungswagen des Landesrettungsvereins Weißes Kreuz.

Im Bozner Krankenhaus wurde der 30-Jährige verschiedenen Untersuchungen unterzogen. Es wurde ihm Blut abgenommen, ein Lungenröntgen, Lungen-Ultraschall und ein Lungen-CT durchgeführt. Letzteres offenbarte ein schreckliches Bild.

„Die Lunge, die ja aus 2 Lungenflügeln und unzähligen Verästelungen besteht, war zu 100 Prozent befallen. Es gab keine einzige freie Stelle“, so die Partnerin des Patienten.

„Derartiges Lungenbild noch nie gesehen“

„Die Ärzte rechneten jeden Moment damit, dass seine Lunge kollabiert und er intubiert werden müsse. Sie hatten ein derartiges Lungenbild noch nie gesehen.“

Wie durch ein Wunder hielt die Lunge des Überetschers stand, haarscharf schlitterte er an der Intensivstation, Intubation und künstlichen Beatmung vorbei. Der Zustand des jungen Mannes verbesserte sich etwas. Nach 3 Tagen wurde er nach Hause entlassen, befindet sich derzeit in häuslicher Isolation.

Betreut wird er von seiner Freundin, die fundierte medizinische Kenntnisse hat. Behandelt wurde und wird er derzeit mit einem Medikament namens Plaquenil 200, das normalerweise zur Malaria-Prophylaxe dient.

„Ihm geht es immer noch schlecht, der kurze Weg ins Bad etwa ist ein wahrer Kraftakt. Die Lunge ist stark beeinträchtigt. Wir hoffen, er übersteht die heimtückische Krankheit ohne bleibende Schäden“, so die Frau aus Eppan.

Eindringlicher Appell

Und richtet abschließend einen eindringlichen Appell an alle: „Es ist uns wichtig zu sagen, dass es eben nicht nur die Älteren trifft, sondern, wie unser Beispiel zeigt, auch die Jungen. Die Krankheit ist heimtückisch, kommt schleichend und schlägt hart zu. Bitte schaut auf Euch und bleibt zu Hause! Für uns alle.“

Hier der Facebook-Post der beiden jungen Überetscher

Es trifft lai di öltern, gschwächten leit mit vorerkronkungen, hobn si gsog, als junger gsunder mensch muasch dir koane gedanken mochn, isch iberoll gstonden und a wenns gregsch, in den bisches locker des merksch fost net, hot men gmoant! Ober kemmen isches ondersch! Gsog hobn si donn, so a lungenbild hobn si no nia gsegn, kannt sein, dass si jeden moment kollabiert, negster schritt intubation und intensivstation! Tjo, no net gonz 30 johr jung, gsund, fitt, keinerlei gesundheitliche probleme in jeglicher hinsicht, und decht häng mein leben af oan mol am seidenen foden! Wia konn so epes sein?? I woas net wia, lai DASS!!
Desswegn, bitte passts af enk und enkere lieben auf, holtets enk an di regeln und jammerts net wenns gsund seits u amol a poor tog fa enkern no so longen leben derhoam bleiben miasts! Es konn viel schlimmer kemmen und„s erst zem zu schätzen isch folsch! Präventiv vorbeugen und amol net ols dergegn tian, susch passiern no mehr tragödien und irgendwenn triffts an jeden der donn jemand kennt der davon betroffen isch!
Bleibs gsund und derhoam! An jeden gegenüber!!


Anmerkung der Redaktion: Das Paar wollte anonym bleiben, diesem Wunsch ist die Redaktion natürlich nachgekommen.

vs