Dienstag, 24. November 2020

Gewalt: 580 Frauen haben im Jahr 2019 Hilfe gesucht

Das ASTAT führt jährlich eine vertiefende Befragung betreffend die Einrichtungen für die Opfer von Gewalt gegen Frauen mittels eines Ad-hoc-Fragebogens durch. In Südtirol (Bozen, Meran, Brixen und Bruneck) gibt es 5 geschützte Einrichtungen (Frauenhäuser) und 4 Kontaktstellen gegen Gewalt. 580 Frauen, die im Jahr 2019 Opfer von Gewalt wurden, haben sich an diese Einrichtungen gewandt. Die Zahl der Fälle ist über die Jahre stabil geblieben.

580 Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, haben im Jahr 2019 bei entsprechenden Einrichtungen um Hilfe gesucht.
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580 Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, haben im Jahr 2019 bei entsprechenden Einrichtungen um Hilfe gesucht. - Foto: © "Verein für die Solidarität unter Frauen, gegen Gewalt"
In den 5 Frauenhäusern stehen 38 Wohnungen zur Verfügung: Diese sind den Frauen in Gewaltsituationen vorbehalten, aber es stehen gegebenenfalls auch einige Zimmer für die Kinder dieser Frauen bereit. In etwa 65 Prozent der Fälle sind Kinder vorhanden, es handelt sich also um Fälle von „miterlebter Gewalt“.

Der Aufenthalt im Frauenhaus dauert häufig nur wenige Monate, aber es gibt auch Fälle von längeren Aufenthalten.

Die Aufenthaltsdauer hängt auch von der Herkunft der Frauen ab. Ausländische Frauen ohne soziales Netzwerk in Form von Verwandten und Freunden benötigen stärker einen „Zufluchtsort“. Für die inländischen
Frauen reicht häufig die Unterstützung der Kontaktstellen gegen Gewalt. Die Grafik zeigt die prozentuelle Verteilung der Frauen auf die Einrichtungen nach Staatsbürgerschaft: Der Anteil der inländischen Staatsbürgerinnen ist bei den Kontaktstellen höher (59 Prozent) als bei den Frauenhäusern (38 Prozent).

Die Frauen, die Opfer von Gewalt wurden und sich an die Dienste wenden, fallen überwiegend in die zentralen Altersklassen. Bei einer Analyse der Zeitreihe lässt sich jedoch eine Zunahme des Anteils der jüngsten Frauen feststellen.

Die Gewalt (bzw. jene Formen von Gewalt, welche die Frauen am häufigsten dazu bringen, sich an eine Einrichtung zu wenden) tritt fast immer innerhalb der Familie auf. In fast 2 Drittel der Fälle (59 Prozent) ist der
Täter derjenige, der mit der Frau zusammenlebt (Ehemann oder Lebensgefährte). In weiteren 23 Prozent der Fälle ist es der frühere Partner. Selten ist ein Freund oder Bekannter der Täter (6 Prozent).

Die Zahl der Väter, die ihre Töchter misshandeln, nimmt zu. Sehr selten sind die Täter Unbekannte. Es ist verständlich, dass in letzterem Fall diese Stellen eher nicht aufgesucht werden.

Die Gewalt tritt häufig gleichzeitig in mehreren Formen auf (bei der Frage nach der Art der Gewalt hat jede Frau meist 2 Antworten angegeben). Die psychische Gewalt überwiegt, obwohl diese am schwierigsten zu erkennen ist, und wird in 7 von z10 Fällen angegeben. Sehr häufig tritt auch körperliche Gewalt auf.

In 54 Prozent der Fälle besitzt der Gewalttäter die italienische Staatsbürgerschaft.

Der Lockdown im Frühjahr 2020

Im Laufe des Jahres 2019 wurden 135 Frauen in den Frauenhäusern des Südtiroler Netzwerks gegen Gewalt an Frauen aufgenommen, das heißt etwa 11 pro Monat. Während des Gesundheitsnotstands aufgrund der Coronapandemie im Frühjahr 2020 wurden in etwa gleich viele misshandelte Frauen aufgenommen, wobei im April ein leichter Anstieg verzeichnet wurde.

stol

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