Mittwoch, 04. März 2020

Gewalt an Mädchen wird laut UNICEF häufig akzeptiert

Gewalt an Mädchen wird häufig akzeptiert. Das geht aus einem neuen Bericht von UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, hervor. So gab es trotz Fortschritten bei der Bildung kaum positive Entwicklungen bei der Gestaltung eines gleichberechtigten, weniger gewalttätigen Umfelds für Mädchen, informierten UNICEF, Plan International und UN Women.

UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore.
UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. - Foto: © APA (AFP/Archiv) / ASHRAF SHAZLY
Der Bericht, der vor der 64. Sitzung der Kommission zur Lage der Frauen veröffentlicht wurde, stellt fest, dass die Zahl der Mädchen, die nicht in die Schule gehen, in den vergangenen 2 Jahrzehnten um 79 Millionen gesunken ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass Mädchen die Sekundarstufe besuchen, ist in den vergangenen 10 Jahren gestiegen. „Der Zugang zu Bildung ist nicht genug – wir müssen auch das Verhalten und die Einstellung der Menschen gegenüber Mädchen ändern. Wahre Gleichheit wird es nur geben, wenn alle Mädchen vor Gewalt sicher sind, ihre Rechte frei ausüben können und in der Lage sind, gleiche Chancen im Leben zu genießen“, betonte UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore.

Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist nach wie vor weit verbreitet. Im Jahr 2016 machten Frauen und Mädchen beispielsweise 70 Prozent aller offiziellen Opfer von Menschenhandel weltweit aus – meistens für den Zweck sexueller Ausbeutung. Darüber hinaus wurden eine ungeheure Zahl, rund 13 Millionen, im Alter zwischen 15 und 19 Jahren vergewaltigt.

Mädchen sind heute in jedem Bereich – sowohl online als auch im Klassenzimmer, zu Hause und in der Gemeinde – einem alarmierenden Risiko von Gewalt ausgesetzt, so die UNICEF. Dies führt zu physischen, psychischen und sozialen Folgen. Der Bericht stellt fest, dass Praktiken wie Kinderheirat und weibliche Genitalverstümmelung (FGM) weiterhin das Leben und die Möglichkeiten von Millionen von Mädchen weltweit zerstören und gefährden. Jedes Jahr werden 12 Millionen Mädchen im Kindesalter verheiratet und vier Millionen sind von FGM bedroht. Weltweit rechtfertigen Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren das Schlagen von Ehefrauen ebenso häufig wie gleichaltrige Buben.

Im Bericht wird auch festgehalten, dass Selbstmord derzeit die zweithäufigste Todesursache bei jugendlichen Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren darstellt. Mehr Tote gibt es durch Komplikationen in der Schwangerschaft. Mädchen sind nach wie vor einem hohen Risiko sexuell übertragbarer Infektionen, einschließlich HIV, ausgesetzt. 970.000 Heranwachsende im Alter von 10 bis 19 Jahren leben heute mit HIV, verglichen mit 740.000 Mädchen im Jahr 1995. Noch immer sind Mädchen in diesem Alter für etwa 3 von 4 Neuinfektionen unter Jugendlichen weltweit verantwortlich.

apa