Freitag, 22. November 2019

Gewalt gegen Frauen wird nicht weniger

Die Häufigkeit der Gewalt gegen Frauen in Südtirol ist ähnlich hoch wie im letzten Jahr. Die Gewalttätigkeiten, die meist im familiären Umfeld stattfinden, gehen weder zurück noch ändern sich ihre Merkmale: Die Opfer sind häufig zwischen 30 und 49 Jahre alt, der Täter ist zumeist der aktuelle oder ehemalige Partner und die Gewalt zeigt sich vor allem als psychologische oder körperliche Gewalt.

Fast immer findet Gewalt gegen Frauen im familiären Umfeld statt.
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Fast immer findet Gewalt gegen Frauen im familiären Umfeld statt. - Foto: © shutterstock

Jedes Jahr führt das Landesinstitut für Statistik ASTAT im Rahmen der Erhebung der sozialen Einrichtungen eine vertiefende Befragung der Einrichtungen für die Opfer von Gewalt an Frauen mittels eines Ad-hoc-Formblattes durch.

In Südtirol (Bozen, Meran, Brixen und Bruneck) gibt es 5 geschützte Einrichtungen und 4 Kontaktstellen gegen Gewalt. 604 Frauen, die im Jahr 2018 Opfer von Gewalt wurden, haben sich an diese Einrichtungen gewandt.

In den 5 Frauenhäusern stehen 38 Wohnungen zur Verfügung: Diese sind den Frauen in Gewaltsituationen vorbehalten, aber es stehen auch einige Zimmer für die Kinder dieser Frauen bereit. In etwa 70 Prozent der Fälle sind Kinder vorhanden, es handelt sich somit also „miterlebte Gewalt“. Der Aufenthalt im Frauenhaus dauert häufig nur wenige Monate, doch mitunter bleiben Frauen auch länger dort.

Aufenthaltsdauer auch von Herkunft abhängig

Die Aufenthaltsdauer hängt auch von der Herkunft der Frauen ab. Ausländische Frauen ohne soziales Netzwerk in Form von Verwandten und Freunden benötigen eher einen „Zufluchtsort“. Für die inländischen Frauen reicht häufig die Unterstützung der Kontaktstellen gegen Gewalt.



Die Frauen, die Opfer von Gewalt wurden und sich an die Dienste wenden, fallen überwiegend in die zentralen Altersklassen. Es darf dabei nicht vergessen werden, dass das Heiratsalter respektive das Alter der ersten Lebensgemeinschaft deutlich gestiegen ist: Da fast immer der Ehemann, der Lebensgefährte oder der ehemalige Partner der Täter ist, ist der Anteil der unter 30-jähriger Opfer mit etwa einem Viertel gering.



Andere Gründe können sein, dass die Frau zögert, ehe sie Hilfe sucht oder die Gewalterfahrungen nicht in der ersten Zeit der Paarbeziehung gemacht werden. Unter diesem Gesichtspunkt gab es keine signifikanten Veränderungen gegenüber 2017.

Täter nur in Einzelfällen Unbekannte

Die Gewalt tritt fast immer innerhalb der Familie auf. In 64 Prozent der Fälle ist der Ehemann oder Lebensgefährte der Täter. In weiteren 20 Prozent ist es der frühere Partner. In nur 5 Prozent der Fälle ist ein Freund oder Bekannter der Täter, etwas häufiger ein Verwandter mit 8 Prozent. In Einzelfällen sind die Täter Unbekannte. Es ist außerdem verständlich, dass in letzterem Fall eher nicht diese Stellen aufgesucht werden.



Die Gewalt tritt häufig gleichzeitig in mehreren Formen auf. Bei der Frage nach der Art der Gewalt hat jede Frau meist 2 Antworten angegeben. Die psychologische Gewalt überwiegt, obwohl sie am schwierigsten auszumachen ist, und wird in 5 von 6 Fällen angegeben. Sehr häufig tritt auch körperliche Gewalt auf.




stol