„Wir brauchen endlich autonome Aufnahme- und Organisationsämter für Südtirol“, so Longo. Obwohl das Land seit Jahren brav Zahlmeister spielt, werde fast alles andernorts entschieden.<BR /><BR />Antonella Longo, Vorsitzende der Postgewerkschaft (FIALP-CISAL) reicht es. Obwohl das Land mit der Post eine mit elf Mio. Euro dotierte Vereinbarung getroffen hat, um kleine Postämter in Südtirol abzusichern und den Postdienst sechs Tage die Woche zu garantieren, krankt der Dienst an allen Ecken und Enden und vor allem an Personalmangel. Chronisch unterbesetzt ist man lange, jetzt aber sei man „am Anschlag“, betont Longo.<h3> <h3> Geschönte Statistik: Viel weniger im Dienst</h3></h3>410 Briefträger sollten in Südtirol für die Postzustellung sorgen; davon 370 effektive und 40 als Reserve. „Laut Post haben wir eine Besetzung zwischen 86 und 88 Prozent, doch davon sind wir in der täglichen Arbeit weit entfernt“, so Longo. Grundlage der Statistik seien die Aufnahmen laut Stellenplan. Im Dienst seien aufgrund von Mutterschaften, Unfällen und Krankheiten aber viel weniger Mitarbeiter.<BR /><BR />Den Einwand, niedere Löhne seien Hauptgrund für fehlendes Personal, greift laut Longo zu kurz. 1.400 Euro netto im Monat als Briefträger sind zwar nicht berauschend. Ausgezahlt werden aber 14 Monatsgehälter plus 100 Euro Essensgutschein im Monat und eine steuerfreie Jahresprämie von 1.700 Euro. Das sei „gar nicht so schlecht.“<h3> <h3> Neues Arbeitszeitmodell vergrault die Südtiroler </h3></h3>Oder besser gesagt, war nicht so schlecht, bis die Post auch in Südtirol den Arbeitsbeginn für die Postzustellung nach hinten verlegte. Begannen die „Posteler“ früher um 7 Uhr morgens und hatten gegen 13 Uhr Dienstschluss, so startet der Dienst jetzt am Vormittag und geht bis 16 Uhr. <BR /><BR />Das hat viele Südtiroler, die in den Dörfern als Briefträger im Einsatz waren, in andere Jobs getrieben, denn sich nachmittags um Familie oder Hof zu kümmern, spielt sich nicht mehr. Zudem könne die Post nicht bis 13 Uhr zugestellt werden, wie in der Konvention zwischen Land und Post vorgesehen, wenn man erst um 10 Uhr loslegt. „Wir müssen deshalb dringend zurück zum alten Modell“, ist Longo überzeugt.<h3> Auf Bewerbungen zu lange keine Antwort aus Rom </h3>Der Ausgleich über Arbeitskräfte von auswärts funktioniere nur begrenzt. Mitarbeiter aus dem Süden kennen die Örtlichkeiten nicht. Sie können befristet für ein Jahr angestellt werden, dann brauchen sie den Zweisprachigkeitsnachweis. „Nach drei Jahren können sie aber um Überstellung in ihre Heimatorte ansuchen und viele sind wieder weg – auch weil Leben und Mieten hier viel kosten“, sagt Longo.<BR /><BR />In der Peripherie halte man sich mit Überstunden noch einigermaßen über Wasser. „Katastrophal“ sei die Lage aber in den Städten und vor allem in Bozen. Die Decke sei überall zu kurz. Mutterschaften werden über Reservebriefträger ausgeglichen, die dann aber Urlaube nicht mehr abdecken können. „Ich habe kürzlich zwei der letzten deutschen Briefträgerinnen in Bozen verloren. Erprobte Frauen mit 30 Dienstjahren.“<BR /><BR />Neben einem Zurück zu den alten Arbeitszeiten fordert Longo dringend ein „wirkliches“ Amt für die Personalaufnahme in Südtirol. „Diese muss schneller gehen“, so Longo. Derzeit laufen alle Bewerbungen über eine Internet-Plattform, die in Rom bearbeitet wird. „Ich weiß von sieben Bewerbungen von Südtirolern mit Zweisprachigkeitsnachweis, die seit Monaten nicht zur schriftlichen Prüfung eingeladen wurden“, so Longo. <h3> In Mestre entscheidet, wer Südtirol nicht kennt</h3>Und: Südtirol Post brauche ein eigenes Organisationsamt, das sich um die Zustellung kümmert. Der Postdirektor sei nur für die Postämter zuständig, der Personalchef nicht für die Zustellung. „Die Entscheidungen fallen in Mestre und Verona“, sagt Longo. Das sei verheerend. „Südtirol mit seiner Autonomie darf nicht von Funktionären verwaltet werden, die sich mit den örtlichen Gegebenheiten nicht auskennen“, meint Longo.<BR /><BR />Beispiele für die Auswirkungen gebe es viele. „Winterreifen für die Fahrzeuge der Briefträger sind jedes Jahr ein Kampf.“ Feste Winterschuhe für die oft verschneiten und eisigen Wege? Fehlanzeige. „Die haben wir nicht“, so Longo.