Es betrifft zehntausende Bücher, die an deutschen Universitätsbibliotheken teilweise nicht mehr ausleihbar waren oder immer noch sind. Dabei handelt es sich um Bücher aus dem 19. Jahrhundert, die einen grünen Einband oder Buchschnitt haben und damit giftiges und krebserregendes Arsen enthalten könnten. Wenngleich es von einigen Unis und vom Deutschen Bibliotheksverband bereits Entwarnungen gibt, falls man sachgerecht mit den Büchern umgehe, stellt sich die Frage, wie die heimische Bibliothekswelt auf dieses Thema reagiert.<h3> Südtirol: Eigene Servicestelle</h3>Die fachliche Betreuung historischer Buchbestände aus Südtirol (natürlich auch aus dem 19. Jh.) hat vor nunmehr zwei Jahren die Landesbibliothek Dr. Friedrich Teßmann in Bozen übernommen. Zu diesem Zwecke wurde die „Servicestelle Betreuung Historische Bibliotheken“ eingerichtet, die beim Bibliotheksverband Südtirol angesiedelt ist.<BR /><BR />Deren Leiterin, Angelika Pedron hat einen umfassenden Überblick über die Buchbestände aus dem 19. Jahrhundert und betont: „Die Bestände an Büchern aus dieser Zeit sind in Südtirol relativ groß – man denke nur an die Bücher aus den Klosterbibliotheken von Neustift, Marienberg, dem Franziskanerkloster in Bozen und der Diözesanbibliothek Brixen.“ Außerdem, so Pedron, gebe es auch teils unerfasste historische Buchbestände von Schlössern, Pfarrbibliotheken und auch privaten Bibliotheken.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1027416_image" /></div> <BR />Spricht man also über Buchbestände aus dem 19. Jh., gehen diese sicher in die Zehntausende. Wie viele dieser Bücher arsenbelastet sind, ist freilich unklar. Denn, auch wenn solche Bücher eine grüne Pigmentierung hätten – vom Deckel über den Buchspiegel bis hin zum Buchschnitt – sei nicht automatisch Arsen enthalten. Eine Prüfung sei dann eine Kosten-Nutzen-Frage.<h3> Angelika Pedron: „Unproblematisch, wenn …“</h3>Die Expertin empfiehlt aber – wie zahlreiche Kollegen aus Deutschland – eine pragmatische Herangehensweise an die Thematik: „Das sind Buchbestände, die in der Regel nicht öffentlich zugänglich sind. Es sind außerdem nur wenige, die de facto ein potenziell belastetes Buch – bei einer Einsichtnahme – in die Hand nehmen und Kontakt haben. Und wenn man nicht gerade Stunden vor dem Buch verbringt und die Finger ableckt, um zu blättern, dann ist es unproblematisch.“<h3> Diese Vorsichtsmaßnahmen gelten bei Verdachtsfällen</h3>Allerdings verweist auch Angelika Pedron auf Vorsichtsmaßnahmen im Umgang mit problematischen Büchern: „Nehmen wir an, ich habe ein verdächtiges Buch mit grünem Buchschnitt. Dann benutze ich Einweghandschuhe, Mundschutz – idealerweise eine FFP2-Maske, die wir ja alle schon kennen –, und versuche, mir nicht mit den Fingern an die Augen oder die Nase zu fassen. Nach der Nutzung des Buches sollte man den Raum lüften und die Arbeitsfläche mit Einwegtüchern abwischen.“<BR /><BR />Diese Empfehlungen decken sich auch mit den Handreichungen des Deutschen Bibliotheksverbandes, die extra für den Umgang mit historischen Büchern mit arsenhaltigen Pigmenten verfasst wurde.<BR /><BR /><BR /><BR /><i>Info</i><h3> Belastung mit Arsen: Mehrere deutsche Universitäten sperren Buchbestände</h3>In Deutschland haben unlängst mehrere Universitätsbibliotheken den Zugang zu Teilen ihrer historischen Bücher aus dem 19. Jahrhundert gesperrt – etwa jene in Bielefeld, Siegen, Düsseldorf, Kaiserslautern oder Saarbrücken. Warum? Es gibt neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zu grünen Farbstoffen, die im 19. Jahrhundert u.a. zur Färbung von Einbänden verwendet wurden. Das sogenannte „Schweinfurter Grün“ war eine im 19. Jahrhundert beliebte Farbe, die jedoch giftiges und krebserregendes Arsen enthält. Die toxische Substanz wurde damals eingesetzt, um die Bücher vor Parasiten zu schützen.<BR /><BR />So wurde in den genannten Universitätsbibliotheken vorerst der Zugang zu „verdächtigen“ Büchern mit grünen Einbänden, Titelschildern, Buchschnitten usw. untersagt. Darüber berichteten zahlreiche Medien; z.B. „Spiegel.de“, „Welt.de“, „WDR“ und „NDR“. Von einigen Bibliotheken gab es in der Zwischenzeit Entwarnung. Zu einer möglichen Gefährdung könne es nur kommen, „wenn die Bände mit Grünschnitt angefasst und zum Umblättern der Seiten die Finger mit der Zunge angefeuchtet werden“, erklärte etwa die Universitätsbibliothek Bielefeld. Im Übrigen würden solche Bücher kaum ausgeliehen. Auch der Deutsche Bibliotheksverband betonte, die Farbe sei bei sachgerechtem Gebrauch (z.B. Handschuhe und Maske) unbedenklich. Es sei aber keine gute Idee „ein solches Buch abzulecken“.