Unklar bleibt weiterhin, auf welchem Weg das Gift in den Körper der Opfer gelangt sein könnte. Eine Aufnahme über Nahrung gilt nach Einschätzung der Ermittler als unwahrscheinlich, da Rizin bei Hitze zerstört werden kann und geschmacklich kaum unbemerkt bleibt. Auch eine Inhalation wird aufgrund der Symptome als eher ausgeschlossen. Die Substanz könnte nach bisherigem Ermittlungsstand in Wasser gelöst worden sein, das während eines gemeinsamen Abendessens getrunken wurde. <BR /><BR />Antonella Di Vita und ihre Tochter Sara könnten demnach am Abend des 23. Dezember gemeinsam mit dem 55-jährigen Familienvater Gianni Di Vita aus Gläsern getrunken haben, in denen sich das Gift befand. Während der Vater überlebte, starben Mutter und Tochter kurze Zeit später. Die älteste Tochter der Familie, die 19-jährige Alice Di Vita, war zum Zeitpunkt des Essens nicht zu Hause. <BR /><BR />Die Staatsanwaltschaft von Larino ermittelt wegen des Verdachts auf vorsätzlichen Doppelmord. Parallel dazu wurden neue Untersuchungen beim Antigiftzentrum in Pavia in Auftrag gegeben. Das dortige Speziallabor der Stiftung Maugeri hatte nach eigenen Angaben rund 1.240 mögliche toxische Substanzen ausgeschlossen, bevor es Hinweise auf Rizin in den Proben von Mutter und Tochter feststellte. Bei dem Treffen der Ermittler mit dem Leiter des Zentrums, Carlo Locatelli, ging es nach Angaben der Behörden insbesondere um die zeitliche Einordnung der Vergiftung sowie die Auswertung der klinischen Verläufe.<BR /><BR />Die Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von einem sogenannten „On-off-Todeseffekt“. Rizin zerstört die Energieproduktion der Zellen und kann innerhalb von 48 bis 72 Stunden zum Tod führen. <BR />Im Rahmen der Ermittlungen wurden elektronische Geräte der Familie sichergestellt und ausgewertet, darunter ein Mobiltelefon der Tochter. Dabei werden unter anderem Kommunikationsverläufe, Standortdaten und medizinische Kontakte analysiert. Die Untersuchungen dauern an.