Freitag, 29. Juli 2016

Glauben an das Gute im Menschen: Südtiroler vertrauen am meisten

Anlässlich des internationalen Tages der Freundschaft am 30. Juli hat das Landesinstitut für Statistik Astat die zwischenmenschlichen Beziehungen der Südtiroler beleuchtet. Dabei geht es vor allem um Freundschaft und Vertrauen.

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Foto: © shutterstock

Mehr als drei Viertel der Südtiroler geben in der Studie an, einen oder mehrere Freunde zu haben, auf die sie im Notfall zählen können. In den meisten Fällen befinden sich diese Personen oder Familien in der Nachbarschaft.

Auf gute Nachbarschaft

"Außerdem haben 61,1 Prozent der Südtiroler angegeben, dass sie außer den Eltern, Kindern, Geschwistern, Großeltern und Enkeln auch andere Verwandte haben, die für sie da sind und die ihnen besonders wichtig sind", erklären die Experten des Astat.

Auf ihre Nachbarn können sich die Südtiroler besonders verlassen: In dörflichen Gemeinden geben 16,7 Prozent der Bevölkerung an, dass sie nicht auf ihre Nachbarn zählen können, während es in den Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohnern 33,7 Prozent sind. Der Unterschied nimmt weiter zu, wenn berücksichtigt wird, ob bei Bedarf durch mehrere Personen oder Familien Hilfe geleistet wird.

Auf gute Freunde

Ein Fünftel der Südtiroler Bevölkerung sieht die Freunde in der Freizeit einmal wöchentlich, fast ein Drittel mehrmals pro Woche. Immerhin 17 Prozent sehen ihre Freunde täglich.

Die Südtiroler Werte entsprechen weitgehend den gesamtstaatlichen Durchschnitten. Eine Ausnahme sind die mehrmaligen Treffen während der Woche, die in Südtirol häufiger vorkommen als in Italien insgesamt. Wie oft sich jemand mit seinen Freunden trifft, hängt mit dem Alter der Person zusammen.

Mit steigendem Alter sinkt der Anteil derjenigen, die ihre Freunde mindestens einmal pro Woche sehen, während der Anteil derjenigen steigt, die sie mindestens mehrmals im Monat treffen. "Dies bedeutet aber nicht generell einen Rückgang der Kontakte und Freundschaften, da beispielsweise keine Informationen über die Dauer der zusammen verbrachten Zeit oder die Intensität der Freundschaft erhoben wurden", erklären die Experten.

Vertrauensselige Südtiroler

Fast ein Drittel der Südtiroler vertrauen ihren Nächsten, während 67,9 Prozent denken, dass man „sehr vorsichtig“ sein müsse. Damit liegen die Südtiroler ganz oben in der Liste des gesamtstaatlichen zwischenmenschlichen Vertrauens: Italienweit vertrauen 19,9 Prozent der Personen ihren Mitmenschen, während 80,1 Prozent misstrauisch sind.

Wie die Grafik zeigt, verzeichnet Südtirol den höchsten Wert unter den Regionen Italiens, dicht gefolgt vom Trentino und Aostatal. Sizilien bildet mit 12,7 Prozent das Schlusslicht der Rangordnung.

Ordnungshüter in Südtirol genießen großes Vertrauen

In der Studie wurde außerdem erhoben, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Befragten erwarten, dass Nachbarn, Ordnungskräfte oder völlig Fremde eine verlorene Geldtasche mit dem darin enthaltenen Geld zurückbringen würden. 

Demnach sind 90,4 Prozent der Südtiroler Bevölkerung sehr bzw. ziemlich sicher, dass die Ordnungskräfte eine gefundene Geldtasche zurückgeben würden, und 86,6 Prozent vertrauen auch bei ihren Nachbarn darauf.

Dass ein völlig Fremder die Geldtasche zurückbringen würde, glauben hingegen 17,3 Prozent. 

Wie schon der Wert zum allgemeinen Vertrauen in die Mitmenschen, ist auch der Anteil der Südtiroler, die ihren Nachbarn vertrauen, um einiges höher als auf gesamtstaatlicher Ebene (86,6 Prozent gegenüber 69,4 Prozent). Über dem nationalen Durchschnitt liegt auch das Vertrauen in das positive Verhalten von Unbekannten. Besonders interessant ist auch der Wert des „höchsten Vertrauens“: Südtirol ist das einzige Gebiet in Italien, in denen der Anteil der Personen, die den Nachbarn größtes Vertrauen schenken, fast gleich hoch ist wie der Anteil derjenigen, die den Ordnungskräften sehr stark vertrauen.

Viele leisten Gesellschaft, die meisten machen jedoch nichts

Auf die Frage, welche unbezahlten Unterstützungen die Südtiroler in den vergangenen vier Wochen für nicht zusammenlebende Personen (verwandt und nicht verwandt) geleistet haben, ist die Antwort bei den meisten (immerhin 56,4 Prozent): Keine. 

In Bezug auf die Annahme, dass die Umgebung die Art und Häufigkeit der angebotenen Hilfe beeinflussen könnte, gibt es keine signifikanten Unterschiede zwischen Stadt und Land. Einzige Ausnahme ist das „jemandem Gesellschaft leisten“, das in den Dörfern viel stärker gelebt wird als in den Städten.

Lediglich jeder fünfte Südtiroler hat Zeit mit Verwandten und Bekannten verbracht. Es folgen die Kinderbetreuung (10,2 Prozent) und Hilfe bei der Hausarbeit (9,2 Prozent). Die letzten beiden Formen zeigen deutlich, dass etwa ein Drittel der Bevölkerung Hilfe und Unterstützung im Haushalt und Familienleben geben.

stol/liz

stol