Der Glaube an den Osterhasen gehört zu den magischen Momenten der Kindheit. Irgendwann aber kommt der Augenblick, in dem diese kleine Welt zerbricht – oft durch Eltern, ältere Geschwister oder einen allzu aufgeklärten Klassenkameraden. Als Erwachsene geben wir diese Magie Jahr für Jahr liebevoll weiter, obwohl wir selbst längst nicht mehr daran glauben.<BR /><BR />In der Wirtschaft ist für solches Wunschdenken kein Platz. Wer jetzt darauf hofft, dass die neue Inflationswelle an Südtirol vorbeizieht, glaubt im Grunde wieder an den Osterhasen.<BR /><BR />Erinnern Sie sich an 2022? Das Inflations-Trauma sitzt noch immer tief. Damals verteuerte sich das Leben im Land binnen eines Jahres um über zehn Prozent. Nun droht – befeuert durch die Eskalation im Nahen Osten – der nächste Belastungsschub. Auslöser ist erneut keine überhitzte Nachfrage, sondern ein klassischer Angebotsschock bei der Energie. Dessen Tragweite steht und fällt mit der Dauer der Krisenlage.<BR /><BR />Seit Ausbruch des Konflikts sind die Energiepreise massiv gestiegen und verharren auf hohem Niveau. Die Kosten spürt jeder beim Tanken, trotz über Ostern hinaus verlängertem Rabatt der Regierung. Doch was an den Zapfsäulen beginnt, endet dort nicht: Energie steht am Anfang nahezu jeder Wertschöpfungskette.<BR /><BR /><embed id="dtext86-74222412_quote" /><BR /><BR />Die eigentliche Welle rollt erst an. In den kommenden Monaten könnten sich die Kosten durch Transport, Produktion und Handel arbeiten. Verstärkt wird dies durch den sogenannten Basiseffekt: Weil die Energiepreise vor einem Jahr vergleichsweise moderat waren, lässt der statistische Vergleich die Dynamik zusätzlich stärker erscheinen.<BR /><BR />Zur Jahresmitte könnte Südtirol den Höhepunkt dieser Entwicklung erreichen. Inflationsraten von drei bis vier Prozent sind realistisch – in einem Land, das strukturell ohnehin zu höheren Preisen neigt als das restliche Italien. Das einzige Gegenbild wäre eine spürbar nachlassende Nachfrage, also eine schrumpfende Wirtschaft. Doch das wäre die deutlich schlechtere Option.<BR /><BR />Ein ernstes Problem des Teuerungs-Comebacks: Viele Haushalte gehen geschwächt in diese Phase. Die Kaufkraft hat sich von der letzten Welle nicht vollständig erholt. Und selbst wenn sich die Märkte entspannen, wirkt das bekannte „Feder-Prinzip“: Preise schnellen nach oben, sinken aber nur zögerlich.<BR /><BR />Panik hilft nicht – Klarheit schon. Die Mechanismen sind bekannt, die Entwicklung absehbar. Wie hoch die Rechnung ausfällt, ist offen. Dass sie kommt, nicht. Und überraschend ist sie diesmal auch nicht.<BR /><BR /> <a href="mailto:rainer.hilpold@athesia.it" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">rainer.hilpold@athesia.it</a>