Mittwoch, 29. April 2020

Gleichstellungsrätin: Mobbing auch 2019 Topthema

2019 war für die Gleichstellungsrätin - als Anlaufstelle für Diskriminierungen am Arbeitsplatz aufgrund des Geschlechts - ein arbeitsintensives Jahr. Die Beratungen sind gegenüber dem Vorjahr um 73 Prozent gestiegen, im Vergleich zum Jahr 2014, als die Anlaufstelle beim Landtag angesiedelt wurde, um mehr als 400 Prozent.

Mobbing am Arbeitsplatz ist in Südtirol immer noch ein Problem.
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Mobbing am Arbeitsplatz ist in Südtirol immer noch ein Problem.
„Dies ist ein Hinweis, dass wir bekannter werden, aber auch, dass die Netzwerke funktionieren“, so Gleichstellungsrätin Michela Morandini am Mittwoch.

Seit 2017 ist das Büro der Gleichstellungsrätin auch Geschäftsstelle des Südtiroler Monitoringausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderungen.

73 Prozent mehr Beratungen als im Vorjahr

Über das ganze Jahr verteilt hatte die Gleichstellungsrätin über 2500 Kontakte. Insgesamt wurden 560 Fälle bearbeitet, davon 529 konkrete Beratungsprozesse. Im Vorjahr waren es 305 Fälle, was einen Anstieg zum Vorjahr um 73 Prozent bedeutet.

Der Großteil waren Beratungen über einen längeren Zeitraum hinweg (43 Prozent), 25 Prozent waren Informationsgespräche und 31 Prozent Mediationen. „Die Zahl an Mediationen zwischen Arbeitnehmerseite und Arbeitgeberseite steigt von Jahr zu Jahr an, im Vorjahr waren es 26 Prozent“, heißt es im Tätigkeitsbericht.



Mobbing weiterhin „Topthema“


Die Themen blieben dabei jedoch die gleichen: Mit 30 Prozent war Mobbing auch 2019 das „Topthema“, gefolgt von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf (22 Prozent) und mit dem damit zusammenhängenden Thema der Kündigung von Müttern innerhalb des ersten Lebensjahres des Kindes (18 Prozent).

Weitere Themen waren Übergriffe und Stalking am Arbeitsplatz, Abbruch von Arbeitsverhältnissen, Veränderungen des Aufgabenprofils, Gehalt, Karriereentwicklung, Versetzungen und Zugang zu Fort- und Weiterbildungen.

„Die Themen, mit denen sich die Personen an mich wenden, spiegeln die Realität in der Arbeitswelt“ wider, so die Gleichstellungsrätin.

„Mutterschaft wird oft mit Ausfall gleichgesetzt“

Zum Thema der Vereinbarkeit von Familie und Beruf waren es vor allem Frauen, die sich an die Gleichstellungsrätin gewandt haben. „Solange Frauen die Hauptverantwortlichen für die Fürsorgearbeit sind, zahlen sie einen hohen Preis. Die Mutterschaft scheint dabei immer noch der höchste Diskriminierungsfaktor zu sein. Mutterschaft wird häufig mit Ausfall gleichgesetzt“, so Morandini.

Darauf weist die hohe Zahl der Kündigungen innerhalb des ersten Lebensjahres hin. 2019 waren es 847 Frauen im Gegensatz zu den 619 Frauen im Jahre 2012. Der am meisten angegebene Grund ist immer noch die Unmöglichkeit der Vereinbarkeit Familie und Beruf.

stol

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