Es gehe nicht mehr nur um den Schutz der Gletscher, sondern um die Zukunft ganzer Regionen - von den Alpen bis in die Po-Ebene.<BR />„Berge und Ebenen teilen dasselbe Schicksal“, sagte Vanda Bonardo, nationale Alpen-Verantwortliche der Umweltorganisation Legambiente und Präsidentin des VerbansCipra Italia. Notwendig sei deshalb „eine europäische Struktur, die nicht nur die Gletscher berücksichtigt, sondern auch die damit verbundenen Ressourcen, angefangen beim Wasser“. Denn Wasser sei keine unerschöpfliche Reserve. „Die Klimakrise und die Wasserkrise müssen mit strukturellen Maßnahmen zur Eindämmung und Anpassung angegangen werden“, sagte Bonardo. „Man kann nicht ständig nur den Notfällen hinterherlaufen.“<BR /><BR />Wie dramatisch sich das Klima verändert, zeigen auch die Daten aus dem Piemont. „Wir hatten den wärmsten Sommer in der gesamten Messreihe in Piemont - mit 3,2 Grad über dem Durchschnitt“, sagte Secondo Barbero, Generaldirektor der regionalen Umweltagentur Arpa Piemonte. Die Gletscher seien dabei „einer der deutlichsten Indikatoren für die derzeitige Klimakrise“. Ihr Rückzug ist nicht nur ein Problem für Bergsteiger oder die alpine Landschaft. Gletscher und die angrenzenden Hochgebirgsregionen spielen eine wichtige Rolle im Wasserhaushalt. Was heute in großer Höhe geschieht, kann deshalb morgen in den Tälern und Städten spürbar werden.<BR /><BR />Gleichzeitig warnt Marco Giardino, Vizepräsident der Stiftung „Fondazione Glaciologica Italiana“ und Professor an der Universität Turin, davor, den Blick ausschließlich auf die Gefahren zu richten. <BR /><BR />„Wissenschaftliche Daten zeigen, dass es in großer Höhe nicht nur Risiken gibt, sondern auch wichtige Ressourcen in der Gletscher- und Periglaziallandschaft“, sagte er. Die Botschaft der Forscher und Umweltschützer soll deshalb trotz der alarmierenden Entwicklung nicht allein eine Warnung sein. „Unsere Botschaft ist eine der Hoffnung und der Aufmerksamkeit für die Berge, die Ebene und die Gemeinschaft“, sagte Giardino.<BR /><BR />Entscheidend sei nun, die Veränderungen besser zu verstehen und dauerhaft zu beobachten. „Diese Prozesse zu verstehen und zu überwachen, ist von grundlegender Bedeutung, um die Fähigkeiten der alpinen Regionen zur Vorsorge und Anpassung zu verbessern“, sagte Barbero.