<BR />„Der Anteil an Personen mit krankhaftem Spielverhalten ist im Internet dreimal so hoch wie beim traditionellen Glücksspiel“, unterstrich Manuel Oberkalmsteiner vom Forum Prävention.<BR /><BR />Um entsprechende Maßnahmen gegen das Glücksspiel zu setzen, muss man das Verhalten der Spielenden kennen. Die letzte Erhebung zum Glücksspiel in Südtirol liegt jedoch bereits zehn Jahre zurück. „Seit 2016 hat sich nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Formen des Glücksspiels verändert“, erklärte Landesrat Dr. Hubert Messner. Es sei also höchste Zeit gewesen, eine neue Erhebung durchzuführen. <BR /><BR />Die jüngsten ASTAT-Daten liefern nun ein genaues Bild über das Spielverhalten der Südtirolerinnen und Südtiroler. Auf den ersten Blick lässt sich eine positive Entwicklung erkennen: Die Zahl der Spielenden ist in den letzten zehn Jahren zurückgegangen. Knapp 40 Prozent der Südtiroler geben an, im Vorjahr mindestens einmal gezockt zu haben. Im Gegensatz dazu steht die Zahl an Personen mit riskantem Spielverhalten, die seit 2016 gestiegen ist: Fünf Prozent aller Südtiroler weisen ein problematisches oder sogar krankhaftes Spielverhalten auf. Der Anstieg ist vor allem auf die männlichen Spieler zurückzuführen.<h3> Glücksspielindustrie setzt auf maximales Suchtpotenzial</h3>Dr. Bettina Meraner, geschäftsführende Primarin des Dienstes für Abhängigkeitserkrankungen, erinnerte daran, dass die Glücksspielindustrie ihre Spiele laufend und gezielt anpasst, um das Suchtpotenzial zu maximieren. Vor allem das Internet bietet der Industrie die perfekte Plattform, um diese Mechanismen in Echtzeit zu optimieren.<BR /><BR /> „Viele der Kontrollmaßnahmen greifen beim Online-Glücksspiel nicht oder können einfach umgangen werden“, bemängelte Dr. Meraner. Der Großteil der Südtiroler spielt nach wie vor an öffentlichen Plätzen, doch mit 23 Prozent machen mittlerweile auch die Online-Spieler einen beachtlichen Teil aus. <BR /><BR /> Laut Glücksspiel-Experte Manuel Oberkalmsteiner tendieren Menschen im Netz dazu, mehr Geld auszugeben und intensiver zu spielen als beim traditionellen Glücksspiel. „Der Anteil der Personen mit Glücksspiel-Problemen ist online dreimal so hoch“, sagte Oberkalmsteiner. <h3> Sensibilisierungsarbeit enorm wichtig</h3>Zu den Risikogruppen zählen besonders Menschen in prekären Lebenssituationen oder mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Laut ASTAT spielen 70 Prozent der Südtiroler, um Geld zu verdienen. „Dies zeigt, dass wir weiterhin an der Sensibilisierungsarbeit festhalten und sie sogar ausbauen müssen: etwa um den Bereich, wie man richtig mit Geld umgeht“, so Oberkalmsteiner. <BR /><BR />Vor allem sei es wichtig, bereits bei den jungen Generationen anzusetzen. 37 Prozent der Befragten geben nämlich an, bereits vor dem 20. Lebensjahr ihre erste Erfahrung mit Glücksspiel gemacht zu haben. Und: Problematisches Spielverhalten tritt bei jungen Erwachsenen häufiger auf.<BR /><BR />Paolo Belletati, Psychotherapeut im Ambulatorium Hands, fügte indes hinzu, dass eine Glücksspielsucht niemals bloß die betroffene Person belastet. Ob Familie oder Freunde: „Hinter jedem Spielsüchtigen stehen zwischen sieben und zehn Menschen im nahen Umfeld, die unter der Abhängigkeit des Betroffenen mitleiden.“<h3> Auch Online-Trading birgt Gefahr</h3><b>Frau Dr. Meraner, wird der Markt für das Online-Glücksspiel weiterhin wachsen?<BR /></b>Dr. Bettina Meraner: Davon ist auszugehen, da sich das Glücksspiel im Netz nur schwierig regeln und kontrollieren lässt. Wir haben nun den Vergleich der letzten zehn Jahre vorliegen. 2016 war das Online-Glücksspiel lediglich ein Randphänomen. Damals haben nur rund zwei Prozent der Bevölkerung online gespielt. Mittlerweile sind es zehn Prozent. Unter den Spielenden geben 23 Prozent an, online zu zocken.<BR /><BR /><b>Warum ist Glücksspiel im Netz gefährlicher als die traditionellen Varianten?<BR /></b>Dr. Meraner: Das Online-Glücksspiel ist viel leichter zugänglich. Man kann sowohl vom Laptop als auch vom Smartphone einsteigen – und einen digitalen Begleiter trägt heutzutage jeder bei sich. Spielende erhalten online viel schneller das Ergebnis und – im Falle eines Gewinns – ein positives Feedback. Daher macht es noch süchtiger. Mit Vorsicht zu genießen ist übrigens auch das Online-Trading mit Kryptowährungen & Co. <BR /><BR /><b>Kann man hier von Glücksspiel sprechen?<BR /></b>Dr. Meraner: Online-Trading befindet sich an der Grenze zum Glücksspiel. Den Nutzern wird vermittelt, dass sie mit Kompetenz eine höhere Leistung erreichen können – dabei handelt es sich um einen Trugschluss. Der Markt ist so kompliziert, dass keiner die Entwicklungen sicher vorhersagen kann. Auch hier sind vielfach junge Erwachsene betroffen, die darauf hoffen, das schnelle Geld zu verdienen oder Karriere zu machen. <BR /><BR /><i>* Geschäftsführende Primarin des Dienstes für Abhängigkeitserkrankungen</i>