Das Landesinstitut für Statistik (Astat) zeichnet in seiner Erhebung zum Glücksspielverhalten in Südtirol für das Jahr 2026 ein vielschichtiges Bild. Rund 278.000 Personen im Alter von 16 bis 76 Jahren, was 69 Prozent der Bevölkerung entspricht, haben in ihrem Leben mindestens einmal ein Glücksspiel ausprobiert. Im vergangenen Jahr gaben 37 Prozent an, aktiv gespielt zu haben. <BR /><BR />Während die große Mehrheit von 63 Prozent in den letzten zwölf Monaten gar nicht spielte und 32 Prozent als unproblematisch eingestuft werden, fallen fünf Prozent der Befragten unter die Kategorie der exzessiv Spielenden. <BR /><BR />Diese Gruppe teilt sich auf in drei Prozent problematisch und zwei Prozent pathologisch Spielende. Im Vergleich zum Jahr 2016 zeigt sich ein Anstieg der Risikofälle von vier auf fünf Prozent, welcher primär auf das geänderte Verhalten der männlichen Spieler zurückzuführen ist.<h3> Risikoprofil: Jung, männlich, städtisch</h3>Die Daten offenbaren deutliche soziodemografische Unterschiede innerhalb der Bevölkerung. Unter den Männern stieg der Anteil exzessiv Spielender von sechs Prozent im Jahr 2016 auf aktuell sieben Prozent an, wohingegen dieser Wert bei den Frauen konstant bei drei Prozent liegt.<BR /><BR />Besonders gefährdet zeigen sich junge Erwachsene im Alter von 21 bis 30 Jahren. In dieser Altersklasse verzichten lediglich 56 Prozent vollständig auf das Glücksspiel, während der Anteil exzessiver Spieler mit neun Prozent den Höchstwert aller Altersgruppen erreicht. Zum Vergleich liegt dieser Wert bei den Über-50-Jährigen bei lediglich drei Prozent.<BR /><BR />Darüber hinaus erfasst die Statistik bei ausländischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern mit acht Prozent sowie bei Personen mit nicht-landesüblichen Muttersprachen mit neun Prozent überdurchschnittlich hohe Problemwerte. Auch die familiäre Lebenssituation spielt eine Rolle, da Alleinlebende und Alleinerziehende häufiger ein risikoreiches Spielverhalten aufweisen als Paare. <BR /><BR />Geografisch verzeichnet die Landeshauptstadt Bozen die höchsten Werte an problematischem Spielverhalten.<h3>Rubbellos in der Bar versus Spekulation im Netz</h3>Eine vollständige Verdrängung des physischen Glücksspiels durch das Internet findet laut Astat nicht statt, vielmehr lässt sich eine klare Polarisierung des Marktes beobachten. <BR /><BR />Rubbellose bleiben mit rund 230.000 Nutzerinnen und Nutzern das am weitesten verbreitete Angebot und werden fast ausschließlich analog in Bars, Supermärkten oder Trafiken erworben. Auch Lotto und SuperEnalotto sind fest im physischen Verkaufsstellennetz verankert und weisen mit etwa 10.000 Personen die größte Gruppe regelmäßig Spielender auf, die mindestens einmal pro Woche tippen.<BR /><BR />Demgegenüber stehen digitale Trends wie Börsenspekulationen und Online-Trading, die nahezu ausnahmslos im Netz stattfinden, was 28.600 reine Online-Nutzer gegenüber lediglich 7.400 physisch Agierenden belegen. Ähnlich verhält es sich bei Gewinn-Apps und Videospielen mit Geldpreisen, während Sportwetten als Bindeglied fungieren und sowohl vor Ort im Wettbüro als auch digital genutzt werden.<h3> Dreifach höheres Pathologie-Risiko auf Online-Plattformen</h3>Insgesamt nutzt der Großteil der Bevölkerung nach wie vor physische Angebote. Rund 110.000 Südtiroler spielen an öffentlich zugänglichen Orten, während etwa 34.000 Personen Online-Angebote in Anspruch nehmen. Obwohl das Online-Glücksspiel gemessen an den absoluten Zahlen eine kleinere Nutzerschaft erreicht, birgt es ein drastisch höheres Suchtrisiko.<BR /><BR />Während an physischen Verkaufsstellen 90 Prozent der Spielenden unproblematisch agieren, sinkt dieser Wert online auf 77 Prozent. Der Anteil pathologischer Spieler liegt im Internet bei sieben Prozent und ist damit mehr als dreimal so hoch wie an physischen Verkaufsstellen mit zwei Prozent. In absoluten Zahlen betrifft das exzessive Spielverhalten online rund 7.600 Personen und an traditionellen Verkaufsstellen etwa 10.600 Personen.<h3> Welche Motive hinter dem Spiel stecken</h3>Die finanzielle Wahrnehmung verändert sich drastisch mit der Intensität des Spielverhaltens. Während 57 Prozent der unproblematischen Spieler angeben, unterm Strich weder gewonnen noch verloren zu haben, berichten 57 Prozent der pathologischen Spieler von klaren finanziellen Verlusten, und nur noch sieben Prozent dieser Gruppe geben an, Gewinne zu erzielen.<BR /><BR />Ein zentraler psychologischer Treiber ist die Emotionsregulation, da 37 Prozent der pathologischen Spieler einräumten, durch das Spiel schwierige Emotionen und psychischen Druck zu verarbeiten. Begünstigt wird der Einstieg zudem durch die geografische Verfügbarkeit, da sich für 39 Prozent der Südtiroler Bevölkerung die nächste Spielgelegenheit weniger als zehn Gehminuten von der eigenen Haustür entfernt befindet.<BR /><BR /><b> <a href="https://assets-eu-01.kc-usercontent.com/b5376750-8076-01cf-17d2-d343e29778a7/54d58e8e-f009-46b7-8b87-f659974199f2/mit43_2026.pdf" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Hier können Sie die gesamte Studie nachlesen.</a></b>