„Auch in Zukunft wird er erhalten bleiben“, betont Ethnologe Johannes Ortner anlässlich des heutigen Welttages der Muttersprache.<BR /><BR /><BR />Es war der Schweizer Sprachwissenschaftler Heinrich Morf, der um das Jahr 1900 eine Theorie aufstellte: Die Dialekte im deutschen Sprachraum würden allesamt verschwinden. Grund zu dieser Annahme war, dass sich das Hochdeutsche damals rasant zur Standardsprache entwickelte – sei es in der Schule, in Zeitungen oder als Amtssprache. Damals eine berechtigte Sorge, doch mehr als hundert Jahre später ist klar: Die Dialekte sind widerstandsfähiger, als es der Sprachwissenschaftler jemals gedacht hätte. So auch der Südtiroler Dialekt, der noch heute in seinen vielen Formen besteht.<BR /><BR />Ethnologe Johannes Ortner zeigt sich daher optimistisch: „Der Südtiroler Dialekt wird auch in Zukunft erhalten bleiben.“ Die Grundstruktur bleibt dieselbe, aber der Dialekt befindet sich in einem stetigen Wandel. Das hat auch zur Folge, dass gewisse Begriffe seltener werden. Etwa die beiden Paradewörter im Südtiroler Dialekt: „Ertig“ für Dienstag und „Pfinstig“ für Donnerstag. „Die Begriffe hört man heutzutage hauptsächlich in den Tälern“, sagt Ortner. Auch die Gurke wird kaum mehr als „Gimmerling“ bezeichnet, „Zachern“ für Tränen ist längst veraltet. Hallo ist gängiger als „Griaß Gott“, „Pfiat Gott“ wurde durch Tschüss ersetzt.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1279626_image" /></div> <BR /><BR />Vor allem bei jungen Südtirolern beobachtet der Experte einen „übergeordneten“ Südtiroler Dialekt, keinen talspezifischen. Zudem werden in der Jugendsprache – so wie im gesamten deutschen Sprachraum – gewisse Wörter durch englische Begriffe ersetzt. So ist das „roschtn“ heutzutage vielmehr zum „chillen“ geworden. <h3> Bis zu 30 verschiedene Dialekte in Südtirol </h3>Ihre Eigenheiten blieben den verschiedenen Formen des Südtiroler Dialekts jedenfalls bis heute erhalten. Er besteht aus einer Handvoll Hauptgruppen, wie dem Pusterer oder Vinschger Dialekt. „Unterscheidet man nach Feinheiten, gibt es in Südtirol bis zu 30 verschiedene Formen“, erzählt Ortner. Es gibt ältere und jüngere. Allesamt stammen sie aus dem Südbairischen – genauso wie alle Tiroler Dialekte. Durch die Isolierung in den Tälern haben sich über Jahrhunderte hinweg die Unterschiede auch in Südtirol selbst gebildet. <BR /><BR />Was im Pustertal die „Gitsche“ ist, nennt man im Vinschgau das „Madl“. Im Eisacktal enden weibliche Substantive meist auf „a“, also wird die Sonne zur „Sunna“. Diesen Feinheiten ist es zu verdanken, dass Südtiroler selbst recht problemlos unterscheiden können, wer woher kommt. „Für Außenstehende klingen die verschiedenen Formen hingegen zu ähnlich“, weiß Ortner. <BR /><BR />Ebenso interessant: Meist, ohne es zu merken, passen die Südtiroler ihren Dialekt dem Bereich des Landes an, in den sie hinziehen. Zieht man aus dem Tal in die Stadt, legt man seinen ursprünglichen Dialekt ab. <BR /><BR />„Wieder zurück im Tal, wechselt man unbewusst mindestens genauso schnell wieder zurück in die heimatlichen Sprachgefilde“, sagt Ortner.