Donnerstag, 18. Februar 2021

„Good News aus Ischgl“: Immunität nach Corona-Erkrankung relativ stabil

Die erworbene Immunität nach einer durchgemachten Corona-Infektion dürfte relativ stabil sein. Dies ergab eine am Donnerstag präsentierte Studie der Medizinischen Universität Innsbruck. Nachdem bereits im April die Einwohner des als Corona-Hotspot geltenden Nordtiroler Wintersportorts Ischgl auf Antikörper getestet wurden, zeigte sich in der Folgestudie vom November, dass bei rund 90 Prozent jener, die damals Antikörper aufwiesen, noch immer Immunität nachgewiesen werden kann.

Bei knapp 90 Prozent von den im April 2020 seropositiv Getesteten konnten auch im November Antikörper detektiert werden, erklärte Studienleiterin Wegene Borena.
Bei knapp 90 Prozent von den im April 2020 seropositiv Getesteten konnten auch im November Antikörper detektiert werden, erklärte Studienleiterin Wegene Borena. - Foto: © shutterstock
„Good News aus Ischgl“, kommentierte Wolfgang Fleischhacker, Rektor der Med-Uni, das Ergebnis der Studie. Dass die Immunität anhalte sei „sehr ermutigend“. Für die 801 Probanden der Folgestudie konnte im April 2020 eine Seroprävalenz (Nachweis spezifischer Antikörper, Anm.) von 51,4 Prozent nachgewiesen werden, im November 2020 lag die Häufigkeit Sars-CoV-2 spezifischer Antikörper nach einer Covid-19-Infektion noch immer bei 45,4 Prozent. Das heißt, dass bei knapp 90 Prozent von den im April 2020 seropositiv Getesteten auch im November Antikörper detektiert werden konnten, erklärte Studienleiterin Wegene Borena.

Die Teilnehmerquote sei, wie auch schon im April, sehr hoch gewesen, berichtete Borena. Vor allem jene, bei denen in der Basisstudie im April Antikörper nachgewiesen wurden, seien zur Studie erschienen. Im Gegensatz zum April habe man im November nur Erwachsene untersucht. Mehrere Testverfahren wurden für die Antikörperuntersuchung herangezogen. Wie bereits bei der Basisstudie wurden unterschiedliche kommerzielle Antikörpertests verwendet. Ein Teil der Proben wurde zusätzlich in einem Neutralisierungstest auch auf neutralisierende Antikörper hin untersucht, um die kommerziellen Antikörpertests zu überprüfen.

Nicht nur virusspezifische Antikörper, auch spezifische Immunzellen, sogenannte T-Zellen, können das Virus bekämpfen, erklärte Studienleiterin Borena. Bei 93 Proben wurde deshalb zusätzlich eine Untersuchung vorgenommen, die das Vorhandensein dieser spezifischen Immunzellen nachweist. Die T-Zellen, auch Killerzellen genannt, seien in der Lage, virusinfizierte Zellen zu erkennen und abzuräumen, beschrieb Virologin Dorothee von Laer den Vorgang. Aus den Ergebnissen könne man schließen, dass rund 70 Prozent der Probanden auch zelluläre Immunität aufwiesen, berichtete Borena. T-Zellen würden die Schwere der Krankheitsverläufe entscheidend mitbestimmen.

„Trotz leichtem Rückgang der Antikörperkonzentration im Vergleich zur ersten Studie können wir damit von einer relativ stabilen Immunität sprechen“, schlussfolgerte Borena. Im November wurden die Teilnehmer auch zu ihren Symptomen befragt. Eine erste Analyse ließe den Schluss zu, dass das Ausmaß der beschriebenen Symptome mit der Antikörperpersistenz korreliert, berichteten die beiden Medizinerinnen.

Die Nachfolgestudie ermöglichte es, zusätzlich zu biologischen Daten erstmals auch den Verlauf der Neuinfektionen in einer gleichbleibenden Population vergleichend zu beobachten. Ischgl wurde während der zweiten Welle im Herbst mit anderen Orten in Tirol und Österreich verglichen. Dabei habe sich gezeigt, dass Ischgl in der zweiten Welle weitestgehend verschont wurde, sagte von Laer. Während in den Vergleichsorten „Inzidenzen von 400 bis 500 verzeichnet wurden“, waren es in Ischgl nur „ein paar positive PCR-Ergebnisse Anfang November“. Die Neuinfektionsrate lag in Ischgl in diesem Zeitraum bei unter einem Prozent.

Von Herdenimmunität könne aber dennoch nicht ausgegangen werden, meinte von Laer. Für das Impfen würde dies jedoch bedeuten, dass eine Durchimpfungsrate von 40 bis 45 Prozent schon einen gewissen Schutz bieten könnte, zeigte sich die Medizinerin hoffnungsvoll. Bisher sei von Durchimpfungsraten zwischen 70 und 80 Prozent die Rede gewesen, verwies von Laer auf andere Expertenmeinungen.

„Der Ischgler Schutzwall beginnt zu bröseln“, meinte von Laer allerdings, als sie auf die in Tirol präsente Südafrika-Mutante zu sprechen kam. Was die am Vortag bekannt gewordenen sechs Reinfektionen mit dem südafrikanischen Coronavirus von bereits vom herkömmlichen Coronavirus Genesener betraf, so zeigte sich von Laer recht entspannt: „Für Virologen ist eine solche Entwicklung nichts Neues“. Nun müsse die Impfung angepasst werden. Denkbar sei, dass der Impfstoff saisonal angepasst werde, „wie bei der Grippe“, meinte die Virologin. „Wichtig ist, dass Mutationen nicht Oberhand bekommen, bevor diese Anpassung des Impfstoffes erfolgt“, mahnte von Laer zur Vorsicht. Sie rechne mit einem angepassten Impfstoff bis Herbst.

„Vielleicht gelingt es uns durch die gewonnenen Erkenntnisse Ischgl etwas positiver zu konnotieren“, hoffte Rektor Fleischhacker. „Ischgl - ein Fall der Hoffnung macht auf Rückkehr zur Normalität“, stimmte von Laer in den Chor des Optimismus mit ein.

apa/stol

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