Samstag, 07. Juli 2018

Gouverneur in Thailand: Guter Zeitpunkt für Rettungsversuch

Im Höhlen-Drama von Thailand wäre nach offizieller Einschätzung jetzt ein Rettungsversuch möglich.

Im Höhlen-Drama von Thailand wäre nach offizieller Einschätzung ein Rettungsversuch möglich.
Im Höhlen-Drama von Thailand wäre nach offizieller Einschätzung ein Rettungsversuch möglich. - Foto: © APA/AFP

Die Beratungen und Vorbereitungen, ob und wann versucht werde, die Jungfußballer aus der Höhle zu holen, seien aber noch im Gange, sagte der Provinzgouverneur und Leiter des Rettungseinsatzes, Narongsak Osotthanakorn, am Samstagabend Ortszeit. Der Wasserstand unter der Erde und der Gesundheitszustand der Eingeschlossenen seien „sehr geeignet“.

Hundert Rettungsschächte gebohrt

Einsatzkräfte in Thailand haben mehr als hundert Rettungsschächte in die Tiefe gebohrt, um die seit zwei Wochen in einer überschwemmten Höhle festsitzenden Buben auf diesem Weg zu befreien. Bei den Bohrungen seien die zwölf Fußball-Kinder und ihr Trainer bisher aber nicht erreicht worden, wie der Leiter der Rettungsaktion, Narongsak Osottanakorn, am Samstag sagte.

Die Bohrungen durch den Berg seien bis zu 400 Meter tief, sagte Osottanakorn. Der genaue Standort der Buben in etwa 600 Metern Tiefe sei aber noch nicht gefunden worden, fügte er hinzu.

Zum Tauchen zu schwach

Die Kinder im Alter von 11 bis 16 seien zu geschwächt, um aus der kilometerlangen Tham-Luang-Höhle ins Freie zu tauchen. Keiner von ihnen verfügt über Taucherfahrung, einige können nicht einmal schwimmen. Für den strapaziösen Weg durch die dunkle, verwinkelte und teils sehr enge Höhle brauchen selbst Elite-Einheiten der Marine fünf bis sechs Stunden. Ein Taucher der Militäreinheit Navy Seal kam bei der Rettungsaktion am Freitag ums Leben. (STOL hat berichtet)

Die Rettung der seit zwei Wochen festsitzenden Jugendlichen wird immer mehr zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Zwar kündigten die Behörden an, das Risiko bei der geplanten Bergungsaktion so niedrig wie möglich zu halten. Allerdings sollte es am Samstag regnen und das Wochenende über zu teils heftigen Niederschlägen kommen.

Hygienische Umstände erbärmlich

Auch die hygienischen Umstände in der Höhle sind erbärmlich: Jeder aus der Gruppe muss sich auf engstem Raum erleichtern, Bakterien, Viren und Pilze können sich leicht ausbreiten. Laut der Zeitung „The Nation“ zeigen zwei der Jugendlichen und ihr Trainer schon Anzeichen für eine Infektion.

Sollte der Himmel über Chiang Rai seine Schleusen öffnen, bliebe für andere Szenarien auch gar keine Zeit mehr: Im Wettlauf mit dem Monsun-Regen wären die Wasserpumpen zur Senkung des Pegels chancenlos, die Bohrung des 600 Meter langen Rettungsschachts würde zu lange dauern, und auch die Suche nach einem alternativen Höhlenzugang blieb bisher erfolglos.

Die zwölf Jungen und ihr Fußballtrainer sind seit 23. Juni in der überfluteten Höhle in der Provinz Chiang Rai eingeschlossen. Sie sitzen an einer trockenen Stelle etwa vier Kilometer im Höhleninneren fest.

Sauerstoffmangel und schlechte Wetteraussichten erhöhen den Druck auf die Retter.

In den nächsten Tagen soll es wieder heftige Regenfälle geben. Am Aufenthaltsort der Gruppe ist der Sauerstoffgehalt in der Luft von 21 Prozent auf 15 Prozent abgesunken, wie Narongsak bereits vor zwei Tagen bekannt gegeben hatte.

Briefe an die Familien

Die seit zwei Wochen in einer thailändischen Höhle festsitzenden Jugendlichen haben sich, wie berichtete, in einem bewegenden Brief an ihre mitbangenden Familien gewandt. „Macht euch keine Sorgen, wir sind alle stark” - so steht es auf einem handbeschriebenen Zettel, den ein Rettungstaucher den seit Tagen vor dem Höhleneingang campierenden Angehörigen übermittelte.

Foto: Apa/Afp

apa/dpa/stol

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