„Schreiben war immer schon irgendwie da“, erinnert sich die Schriftstellerin und Autorin Greta Maria Pichler. Für Pichler bedeutet Schreiben „Orientierung durch Formulierung“; Liebesbriefe sieht sie als „zarte Form des Widerstands, sie setzen auf Aufmerksamkeit und Differenzierung statt auf Verrohung und Verallgemeinerung.“ Im Interview verrät sie, warum wir alle mehr „zarten Widerstand“ leisten sollten und was gegen Schreibblockaden hilft.<BR /><BR /><b>Wann haben Sie angefangen zu schreiben?</b><BR />Greta Maria Pichler: Ich kann keinen genauen Zeitpunkt benennen, ab dem das Schreiben eine besondere Rolle eingenommen hat. Es war immer schon irgendwie da. <BR /><b><BR />Woher schöpfen Sie beim Schreiben Ihre Inspiration?</b><BR />Pichler: Oft ist es die Sprache selbst, die mich zum Schreiben bringt. Aber auch das, was im Prozess passiert, Orientierung durch Formulierung. Impulsgeber für meine Texte ist eine Haltung der Aufmerksamkeit für Verschiebungen und Veränderungen und dafür, wie diese Denken und Wahrnehmung beeinflussen. <BR /><b><BR />Was tun gegen Schreibblockaden?</b><BR />Pichler: Ich fürchte, dass es dafür keine einheitliche Lösung gibt. Es hängt vom Text und von der Gesamtsituation ab. Manchmal hilft es zu lesen und abzuwarten, manchmal helfen Sport, Ablenkung oder Distanz.<BR /><b><BR />Im Jänner haben Sie im Rahmen der „Bücherwelten 2026“ einen Liebesbriefe-Workshop in Bozen gehalten -woher kam die Idee?</b><BR />Pichler: Ehrlich gesagt hatte Evelin Moschen von der Bibliothek Tessmann diese Idee, aber ich habe mich sehr über die Anfrage gefreut. Ich finde, dass sich die Textform Liebesbrief gut dazu eignet, zu untersuchen, wie durch Sprache Nähe und Beziehung hergestellt werden kann. Zugleich erfordert sie Festlegungen, z.B. auf Perspektive, Anlass, Intention, und bietet damit einen klaren Rahmen, um Schreibprozesse zu reflektieren und zu üben. Gleichzeitig birgt die Form ein Risiko, sich auf vertraute Schemata zu stützen und damit in oberflächliche oder klischeehafte Ausdrucksweisen abzurutschen. Also super Voraussetzungen für einen Schreibworkshop.<BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/how-to-liebesbriefe-in-zeiten-von-memes-emojis-ki" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Mehr über den Liebesbriefe-Workshop und wie wir gelungene Liebesbriefe verfassen, lesen Sie hier.</a><BR /><b>Warum sollten wir alle mehr Liebesbriefe schreiben?</b><BR />Pichler: Ich finde, dass es generell wichtig wäre, mehr zu schreiben, um über Sprache nachzudenken und sie bewusst und präzise zu gebrauchen. Liebesbriefe lassen sich dabei als zarte Form des Widerstands verstehen, in einer gewaltvollen Zeit setzen sie auf Aufmerksamkeit und Differenzierung statt auf Verrohung und Verallgemeinerung.<BR /><BR /><b>Was macht einen gelungenen Liebesbrief dann aus?</b><BR />Pichler: Was einen gelungenen Liebesbrief ausmacht, ist sehr subjektiv. Für mich ist es ein Text, dem es gelingt, über Sprache Nähe herzustellen, ohne in klischeehafte Oberflächlichkeiten abzurutschen.<BR /><BR /><b>Was halten Sie vom Valentinstag?</b><BR />Pichler: Nicht sehr viel (Kommerzialisierung, Rollenklischees, sozialer Druck…), aber immerhin ist es für manche Menschen eine Erinnerung oder ein Anlass, Zuneigung zu zeigen.<BR /><BR /><b>Buchempfehlung?</b><BR />Pichler: Kiki Beach von Verena Stauffer (Kookbooks 2025)<BR /><BR /><BR /><b>Zur Person:<BR /></b>Geboren 1996 in Bozen, studierte Greta Maria Pichler Philosophie und Sprachkunst in Wien. Pichler war Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift JENNY, arbeitet heute bei „ZeLT“, dem Europäischen Zentrum für Literatur und Übersetzung und als Autorin. Die Texte der Schriftstellerin erschienen in Anthologien, Zeitschriften und im Radio – einige auch in mehreren Sprachen. 2022 gewann sie den Jurypreis beim 30. Open Mike, 2024 erschien ihr Debüt „Salzwasser“ (Mattes & Seitz Berlin).