von Elmar Pichler Rolle<BR /><BR />Fast 11.000 Fahrzeuge sind zuletzt durchschnittlich pro Tag aufs oder über das Grödner Joch gefahren. Nachdem man seit Jahren nach einer Lösung für eine Verkehrsberuhigung gesucht hat, scheint man in den Gemeinden in Gröden und im Gadertal nun fündig geworden zu sein.<BR /><BR />Monatelang hatte eine Arbeitsgruppe an der Erstellung eines Konzeptes gearbeitet, um den vor allem in den Sommermonaten überbordenden Motorverkehr auf den Dolomitenpässen zu reduzieren. In diesem Arbeitskreis sind alle relevanten Gruppen vertreten, Touristiker inklusive. Auch alle Grödner und Gadertaler Gemeinden sind eingebunden oder wurden informiert. Der Gemeinderat Wolkenstein hat als erster einen entsprechenden Beschluss verabschiedet, nun folgen Corvara, St. Christina, St. Ulrich, Kastelruth und Lajen sowie Abtei, Wengen, St. Martin in Thurn und Enneberg.<BR /><BR />Nach der Willensbekundung der Gemeinderäte – an der es keine Zweifel zu geben scheint – ist Bozen am Zug. Weil es sich um eine Landesstraße handelt, muss nämlich die Landesregierung den Beschluss zur temporären Einführung einer verkehrsberuhigten Zone am Grödner Joch fassen. <BR /><BR />Die Maßnahme käme einer Zeitenwende auf den Dolomitenpässen gleich. Die verkehrsberuhigte Zone würde auf Grödner Seite bei der Abzweigung zum Grödner Joch beginnen. Freie Fahrt hätten ab dieser Stelle nur die in den genannten Gemeinden ansässigen Bürgerinnen und Bürger sowie all jene, die aus berechtigten Gründen – zum Beispiel beruflich bedingt – eine Fahrgenehmigung erhalten könnten.<h3>Maßnahme als Zeitenwende</h3>Der Motorverkehr – Pkw, Lkw und Motorräder – soll ab 2027 von Mitte Mai bis Mitte Oktober untersagt werden.<BR /><BR />Am Grödner Joch soll es rund 150 Stellflächen für Autos und Motorräder geben, die gegen Bezahlung vorgemerkt werden können. Wer einen solchen Platz reserviert hat, darf bis auf das Joch oder übers Joch fahren. Vom Verbot ausgenommen wären auch die Gäste der drei Gastlokale am Joch, die allerdings über relativ wenige private Parkmöglichkeiten verfügen.<BR /><BR />Die Busdienste sollen hingegen ausgebaut werden, und zwar im 15- oder 20-Minuten-Takt. Auch sollen die Aufstiegsanlagen auf Grödner Seite (die zwei Dantercepies-Lifte) sowie auf Gadertaler Seite (zuletzt der Frara-Lift) ins öffentliche Tarifsystem eingebunden werden.<BR /><BR />Als Auffangparkplätze sollen auf Grödner Seite jene in Pontives und bei Plan De Gralba fungieren. Hinweise auf das Fahrverbot sollen schon ab Waidbruck eingerichtet werden.<BR /><BR />Ab 1. September dieses Jahres und bis 31. Oktober ist ein Probelauf geplant. 2027 soll die verkehrsberuhigte Zone dann für die vom Staatsgesetz maximal zugelassene Dauer von fünf Monaten greifen, und zwar von Mitte Mai bis Mitte Oktober.<h3>Das Sellajoch soll folgen</h3>Freie Fahrt gibt es auf das Sellajoch. Noch. Aus der Arbeitsgruppe ist zu hören, dass die Gespräche mit den angrenzenden Gemeinden in der Autonomen Provinz Trient an einem guten Punkt sind, sodass ab 2027 die gleiche Maßnahme am Sellajoch greifen könnte. Eine derartige Abstimmung über die Landesgrenzen hinweg erscheint zwingend notwendig.<BR /><BR />Die Grödner und Gadertaler Gemeinden wollen die Maßnahme jetzt unbedingt umsetzen und rechnen fest mit einer Zustimmung der Landesregierung sowie möglicherweise auch der staatlichen Behörden. In diesen und den nächsten Wochen wird in der Arbeitsgruppe weiter an der Lösung vieler Detailprobleme gearbeitet, aber die Weichen sind gestellt.