An der Tour nahmen 16 Landesschützen (später Kaiserschützen) unter der Leitung von Oberleutnant Richard Löschner und dem Kommandanten der Sperre Gomagoi, Werner Günthner, und zwei Angehörige der Festungsbesatzung teil.<BR /><BR />Der Aufstieg begann gegen 7 Uhr morgens, obwohl Bergführer aus Trafoi wegen ungünstiger Schneeverhältnisse und Föhnwetters eindringlich gewarnt hatten. Gegen Mittag erreichte die Gruppe die Edelweißhütte, von wo aus der Aufstieg nach einer kurzen Pause gegen 14 Uhr fortgesetzt wurde. Am Nachmittag befand sich die Spitze der Gruppe etwa 100 Meter unterhalb der Tabarettascharte auf einer steilen Schneehalde unter der Tabarettaspitze, als sich plötzlich oberhalb eine Schneeschicht löste. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich daraus eine große Lawine, die mit hoher Geschwindigkeit auf die darunter aufsteigende Mannschaft zuraste.<BR /><BR />Oberleutnant Löschner versuchte noch mit Signalpfiffen vor der Gefahr zu warnen, doch angesichts der Geschwindigkeit der herabstürzenden Schneemassen war ein Ausweichen nicht mehr möglich. Fast augenblicklich wurde der Großteil der Gruppe von der Lawine erfasst und unter dem Schnee begraben. Kurz darauf löste sich oberhalb eine zweite Lawine, die weitere Schneemassen nach unten riss und viele der bereits Verschütteten noch tiefer unter sich begrub. Wie „Der Tiroler“ am 10. März 1914 in großer Aufmachung schreibt, hatte die Lawine eine Ausdehnung von 600 Meter Länge und 200 Meter Breite. Die Tiefe der übereinandergehäuften Schneemassen betrug demnach acht Meter. <BR /><BR />Der überlebende Leutnant Gaidos schrie noch: „Nach rechts abfahren!“, und tat genau das und konnte sich durch dieses Ausweichmanöver an der Oberfläche halten. Eine zweite Lawine verschüttete ihn zwar erneut, doch gelang es ihm, sich selbst zu befreien. Kurz darauf arbeitete sich auch der Schütze Scalet aus dem Schnee heraus. Gemeinsam gelang es den beiden Überlebenden, mehrere Kameraden auszugraben, darunter auch Oberleutnant Löschner, der jedoch bereits tot war. <BR /><BR />Die übrigen Verschütteten wurden später von Rettungsmannschaften geborgen, nachdem der Trafoier Bergführer Thoma, der das Unglück von der gegenüberliegenden Tartscher Alm aus beobachtet hatte, Alarm geschlagen hatte.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1284138_image" /></div> <BR /><BR />Insgesamt 14 der 19 Teilnehmer kamen bei der Katastrophe ums Leben. „Das größte Lawinenunglück, das je Skiläufer in den Alpen betroffen hat, war jenes am Ortler am 4. März 1914. Von 19 Teilnehmern einer militärischen Übungsfahrt wurden dort 14 getötet“, heißt es im Jahrgang 1919 der Zeitschrift des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins u.a. zur Lawinenkatastrophe am Ortler. <BR /><BR /> Das Unglück löste weit über Tirol hinaus große Bestürzung aus. Sogar Kaiser Wilhelm II. übermittelte Kaiser Franz Joseph ein Beileidstelegramm, in dem er seine Anteilnahme am Tod der Tiroler Landesschützen wie folgt ausdrückte: „Das betrübende Lawinenunglück in der Ortlergruppe erfüllt mich mit aufrichtiger Trauer! Die Offiziere und Mannschaften der Tiroler Landesschützen, welche in Erfüllung ihrer Pflicht ihr Leben in so erschütternder Weise verloren, können der herzlichsten Teilnahme ihrer deutschen Kameraden sicher sein. Wilhelm.“<BR /><BR />Am 9. März 1914 wurden die Opfer unter großer Beteiligung von Militär und Bevölkerung auf dem Friedhof von Trafoi in einem gemeinsamen Grab beigesetzt. Ein Gedenkstein erinnert bis heute an das Ereignis.<BR /><BR />Die Lawinenkatastrophe am Ortler gilt als das größte bekannte Lawinenunglück, das je eine Gruppe von Skiläufern in den Alpen getroffen hat. Nur wenig später sollte der Erste Weltkrieg ausbrechen, in dessen Verlauf der „weiße Tod“ im Hochgebirge der Ortlerfront noch weit mehr Opfer forderte.