Freitag, 26. Juli 2019

Großangriff der Tigermücke

Explosionsartig hat sich die Tigermücke in den vergangenen Wochen vermehrt: In Bozen wurden gleich bei mehreren Fallen über 1000 Eier gezählt, auch in Leifers und in Auer wurde die 1000er-Marke geknackt.

Die Eiablagewerte in Südtirol sind so hoch wie noch nie.
Badge Local
Die Eiablagewerte in Südtirol sind so hoch wie noch nie. - Foto: © D

Noch nie wurden in Südtirol gleich mehrere so hohe Eiablagewerte gemessen, teilt Alberta Stenico, Leiterin des Biologischen Landeslabors in Leifers, auf Anfrage mit. Gemessen wurde die Eiablage im Zeitraum zwischen 4. und 18. Juli. „Bis Mitte Juni war es noch relativ ruhig“, sagt Stenico. Danach war die Ausbreitung aufgrund der steigenden Temperaturen geradezu rasant.

Interessant: In Bozen wurden nicht nur sehr hohe Zahlen erhoben: In einigen Fallen wurden weniger als 100 Eier abgelegt; 81, 70, 46 und 6. Das zeigt: An diesen Orten funktioniert die Prävention, sagt Stenico. Und: Die Prävention werde dort nicht nur von der öffentlichen Hand, sondern auch von Privaten durchgeführt.

Eiablage wird in Bozen an 50 Stellen gemessen

In Bozen wird die Eiablage an über 50 Stellen gemessen. Der Mittelwert in der Landeshauptstadt liege nun bei über 300 Eiern pro Ablagestelle. Zum Vergleich: 2017 lag die mittlere Anzahl der Eier pro Falle in Südtirol bei 105.
Eine hohe Verbreitung der Tigermücke wurde von 4. bis 18. Juli auch in Meran festgestellt. Im Raum Brixen und überhaupt im Eisacktal sind die kleinen getigerten Plagegeister hingegen noch eher spärlich unterwegs. Was aber nicht heißt, dass es die Tigermücke in Brixen nicht gäbe. 2 positive Eiablage-Ergebnisse scheinen auch dort auf. Die Verbreitung der Tigermücke im Vinschgau und im Pustertal wird noch nicht erhoben, sagt Stenico.

Mücke sehr aggressiv

Zwar stammt die Tigermücke aus den Tropen, aus Südostasien, sie hat sich inzwischen in Italien aber den Temperaturen angepasst. In Italien ist ihr Auftreten erstmals 1990 nachgewiesen worden. Seit 2010 ist sie in Bozen „heimisch“, seit 2013 wird ihre Ausbreitung in Südtirol erhoben.

Die Mücke gilt als besonders aggressiv. Gern greift sie Menschen an und durchsticht locker auch Kleidungsstücke. Der Stich gilt als besonders schmerzhaft. Und zudem ist das getigerte Insekt nicht ganz ungefährlich. 2007 war es in Ravenna zu einer Chikungunya-Epidemie gekommen, wobei die Tigermücke nachgewiesenerweise der Überträger war. Tigermücken können auch das Dengue-Fieber und das West-Nil-Fieber übertragen; Voraussetzung dafür ist, dass sie einen Menschen mit dieser Krankheit gestochen haben. Die Flugweite der Mücke ist gering – weniger als 200 Meter.

Typisches Aussehen

Die Asiatische Tigermücke ist vorwiegend schwarz; an Beinen, Palpen (Mundtaster) und Bauch ist sie von weißen Schuppen bedeckt. Tigermücken sind etwas kleiner als gewöhnliche Mücken, zwischen 4 und 8 Millimeter groß, sie sind gestreift, tagaktiv und leben im Freien. Zudem ist das kleine Biest sehr treffsicher.

Je wärmer es ist, desto schneller läuft der Generationszyklus der Tigermücke ab. Nur das Weibchen sticht: Es braucht Blut, damit es Eier produzieren kann. Die Asiatische Tigermücke zählt zu den 100 sich weltweit am schnellsten verbreitenden Tieren. Während ihres Lebens kann sie bis über 300 Eier ablegen.

D/hof

stol