Mittwoch, 22. August 2018

Großbritannien jagt den „UK Cat Killer“

Es klingt wie eine Geschichte aus einem Psycho-Thriller. Seit knapp drei Jahren soll der „UK Cat Killer“ mehr als 500 Tiere in England getötet und verstümmelt haben. Die meisten von ihnen sind Katzen, aber auch Füchse und Kaninchen wurden in der Nähe ihrer Besitzer, häufig bei Schulen, Kindergärten und Spielplätzen, gefunden.

Manche Menschen vermuten, dass es keinen Täter gibt und das ein Fuchs für die toten Katzen verantwortlich ist.
Manche Menschen vermuten, dass es keinen Täter gibt und das ein Fuchs für die toten Katzen verantwortlich ist. - Foto: © shutterstock

10.000 Pfund (rund 11.150 Euro) Belohnung sind auf den „Mörder“ ausgesetzt. Polizei und Tierschutzorganisationen versuchen gemeinsam, ihn zu schnappen. Die zivile und durchaus umstrittene Speerspitze der Ermittlungen: ein tierverrücktes Paar aus dem Süden Londons.

Privates Tierheim mit vielen Tieren

Tony Jenkins und Boudicca Rising haben 2014 ein privates Tierheim gründeten. Gerettete Tiere, für die sie keine Abnehmer finden, füttern sie zu Hause durch. Mittlerweile sind es über 30 Katzen, 2 Hunde und eine Rennmaus. Ihre Facebook-Seite zählt über 26.000 „Gefällt mir“-Angaben und sie sind in England bekannt als diejenigen, die den Katzenmörder schnappen wollen.

Seit 2015 auf der Suche nach dem Täter

Ihre Jagd begann am 22. September 2015, als Rising und Jenkins angerufen wurden, um sich einen kopf- und schwanzlosen Katzenkadaver in ihrem Stadtteil Croydon anzuschauen. „Uns war schnell klar, dass das kein Fuchs gewesen sein kann“, sagt Rising. In den folgenden Wochen mussten sie zu immer weiteren Fällen ausrücken.

Tiere wurden von der selben Person getötet

Nach Berichten über den „Croydon Cat Killer“ in der Lokalpresse und einer Petition mit 50.000 Unterschriften ließ sich die Londoner Polizei von Gerichtsmedizinern bestätigen, dass die ersten 23 Tierkadaver sehr wahrscheinlich von derselben Person nach demselben Muster getötet wurden: Tod durch stumpfe Gewalteinwirkung, anschließende Verstümmelung mit einem Messer. Chefermittler Andy Collin führte schließlich unter dem Codenamen „Takahe“ ein 15-köpfiges Team von Beamten an, das dem Spuk ein Ende machen sollte, und arbeitete eng mit den Tierschützern von SNARL zusammen.

Täter könnte auch Menschen angreifen

Doch in den folgenden Monaten wurden immer mehr tote Katzen über die Londoner Stadtgrenzen hinaus in ganz Südengland und sogar bis hoch nach Manchester gefunden. Aus dem „Croydon Cat Killer“ wurde der „UK Cat Killer“. Als Kriminalpsychologen erklärten, dass sich der Täter irgendwann langweilen und auch Menschen angreifen könnte, denn viele bekannte Serienmörder haben mit dem Töten von Tieren begonnen, war die Hysterie perfekt. Die Polizei sieht aber „keine Hinweise auf ein Risiko für menschliches Leben“, wie eine Anfrage ergab.

Polizei gibt den Fall ab

Mehr als zweieinhalb Jahre und mehr als 500 tote Tiere später gab Chef-Ermittler Andy Collin im Juni unerwartet die Leitung des Falls ab. Ohne ihren wichtigsten Kontakt bei der Polizei sind Jenkins und Rising wieder auf sich allein gestellt. Der wachsenden Zahl von toten Tieren kommen sie kaum noch hinterher. Die Köpfe und Kadaver der Katzen, die sie keinen Besitzern zuordnen können, verstaut Jenkins in der heimischen Gefriertruhe. Das Pärchen ist gesundheitlich angeschlagen, verschuldet und auf Spenden angewiesen, um die Miete und alltägliche Kosten für sich selbst und ihre zahlreichen Haustiere zu bezahlen. „Wir sind fix und fertig“, sagt Rising.

Es könnte gar keinen Täter geben

Den Einsatz des Paares betrachten manche Experten kritisch. Tatsächlich könnte es sein, dass es den psychopathischen Täter gar nicht gibt. Das behaupteten zuletzt einige Experten wie der Umweltforscher Stephen Harris (Universität Bristol). Im britischen Wissenschaftsmagazin „New Scientist“ zog Harris Parallelen zum Fall „Operation Obelisk“ von 1998, bei dem die Polizei nach Funden Dutzender toter Katzen einen Massenmörder mit gestörter Sexualität suchte. Der Fall wurde ein Jahr später eingestellt, nachdem Harris festgestellt hatte, dass Füchse für den Tod der Tiere verantwortlich waren.

Rising und Jenkins geben nicht auf

Rising und Jenkins wollen von solchen Theorien nichts wissen. Sie glauben, dass der Täter oder die Tätergruppe in einer Branche arbeitet, in der man viel mit dem Auto unterwegs ist. „Das erklärt die willkürlich anmutenden Tatorte überall im Land“, so Rising. Wie genau sie den Killer fangen wollen, verraten die beiden nicht. Fast täglich sammelt Jenkins in seinem alten Auto tote Katzen ein.
Was muss eigentlich geschehen, damit die beiden Tiernarren den Fall aufgeben? „Nichts“, sagt Rising. „Wir kriegen ihn.“

apa/dpa

stol