<b>von Florian Mair</b><BR /><BR /><b> Herr Torggler, wie kam es zu dieser Entdeckung?</b><BR />Armin Torggler: Wir haben 2025 im Ahrntal das Steinhauser Archiv geordnet, das Betriebsarchiv des Kupferbergwerks Prettau. Dabei fanden wir eine kleine Anzahl an Dokumenten, die sich auf dieses Bergwerk im Seebertal beziehen. Es sind die bisher einzigen Dokumente darüber. Anhand dieser wenigen Quellen können wir im Groben die Geschichte nachzeichnen. Davor wusste man nichts darüber. Diese Entdeckung ist sehr bedeutend, weil im Raum Passeier und Ridnaun keine weiteren abbauwürdigen Kupfervererzungen bekannt sind.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1360557_image" /></div> <BR /><BR /><b>Waren Sie schon vor Ort?</b><BR />Torggler: Ja, vor etwa zwei Wochen – mit Vertretern des Museums Hinterpasseier, Ortskundigen und dem Mineralogen Paolo Ferretti vom Naturmuseum Trient. Er nahm Proben und bestätigte, dass es sich bei den Vererzungen um Kupferkies handelt.<BR /><BR /><b>Wissen Sie, ab wann im Seebertal gearbeitet wurde?</b><BR />Torggler: Es ging sicher vor 1521 mit dem Abbau los. Ich denke, dass die Vererzungen um 1500 entdeckt wurden. In dieser Zeit hatten sich die Gletscher weit zurückgebildet. Deshalb kam wohl die Erzader zutage. 1722 verkaufte der in Bozen tätige Zollschreiber Simon Gamper ein Drittel des Bergwerks an Franz Andreas Freiherr von Sternbach, der damals in Sterzing residierte. Er war Teil des Ahrner Handels, des Unternehmens, das das Kupferbergwerk Prettau betrieb. Zur Sicherheit schickte er vor seinem Einstieg Experten für Begutachtungen und Vermessungen ins Seebertal. Wir wissen deshalb, dass es damals drei Hauptstollen gab und dass das Bergwerk sehr lukrativ war. 1722/23 hat es etwa 170 Tonnen Erz – rund 80 Kubikmeter – abgeworfen. Für die damaligen Verhältnisse war es also ein mittleres Bergwerk. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1360560_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wie ging es dann weiter?</b><BR />Torggler: Von Sternbach musste für die Sommersaison – abgebaut wurde nur in der warmen Jahreszeit – ein Drittel der Knappen zur Verfügung stellen. Diese kamen aus Prettau. Dass Knappen innerhalb desselben Unternehmens über eine so weite Strecke Arbeitsplatz wechselten, ist bislang für kein anderes Bergwerk im Land belegt. Bis zum Beginn der 1790er-Jahre wurde im Seebertal der Bergbau aufrechterhalten. Dann kam er im Zusammenhang mit den Napoleonischen Kriegen zum Erliegen, weil Schießpulver, Lebensmittel und Transporttiere für die Armeen benötigt wurden. Auch das Bergwerk am Schneeberg war davon betroffen.<BR /><BR /><b>Und dann interessierte das Bergwerk im Seebertal niemanden mehr?</b><BR />Torggler: Ab 1814 wurde am Schneeberg wieder gearbeitet. Für die Wiederinbetriebnahme der kleinen und mittleren Werke war der Aufwand jedoch zu groß, da diese verwahrlost waren. Es gab eingedrungenes Wasser und auch eingestürzte Stollen.<BR /><b><BR />Was ist vom Bergwerk im Seebertal noch erhalten? </b><BR />Torggler: Wir haben vor etwa zwei Wochen einen Stollen besucht. Einen zweiten konnten wir aufgrund eines Unwetters nicht begehen. Erhalten sind auch Überreste einer Kaue und einer Bergbausiedlung samt Schmiede. Weiters fanden wir die Ruine einer von drei Waschanlagen für Erze. Alles ist stark verwachsen, wir haben aber erste Vermessungen durchgeführt. Wir als Landesmuseum werden mit dem Museum Hinterpasseier nach weiteren Dokumenten suchen. Und den oberen Stollen, den wir nicht begehen konnten, möchten wir 2027 besuchen. Was man dann aus der Entdeckung macht, liegt schlussendlich beim Hinterpasseirer Museumsverein. <BR /><BR /><b>Sind die Ruinen und Stollen vor der Entdeckung nicht aufgefallen? Gibt es weitere Werke?</b><BR />Torggler: Natürlich wusste man, dass es im Seebertal irgendwelche Löcher gibt. Vor allem in den Kreisen der Mineraliensammler war das bekannt. Sie sind aber wie Pilzesammler, die gute Plätze nicht verraten. Und bei den Ruinen meinte man, dass es Überreste von Almhütten sein könnten. Wir gehen auch davon aus, dass es in Hinterpasseier weitere Bergwerke gibt, etwa im Timmelstal. Dafür gibt es einige konkrete Hinweise.