Alperia-Generaldirektor Luis Amort erklärt, welche Pläne das Unternehmen verfolgt.<BR /><BR /><BR /><b>Herr Amort, der Müllverbrennungsofen kann den Bedarf des Bozner Fernwärmenetzes nicht komplett abdecken. Welche Pläne hat die Alperia für den Ausbau der Produktion?</b><BR /><BR />Luis Amort: Alperia wird bei der Fernwärme in Zukunft auf nachhaltige Technologien setzen, um die CO₂-Emissionen kontinuierlich zu reduzieren. Damit setzen wir die Vorgaben des Landes aus dem Klimaplan Südtirol 2040 für eine nachhaltige Strom- und Wärmeproduktion um. Im Zuge der Überarbeitung des Strategieplanes im vergangenen Jahr haben wir mit der Bozner Stadtverwaltung über das Thema gesprochen. Die Gemeinde unterstützt uns als Gesellschafterin bei der Umsetzung zweier zentraler Ziele unseres Zehnjahresplans. Bis 2035 möchten wir auf mindestens 50 Prozent der technisch anschließbaren Haushalte kommen und dabei wollen wir weg von fossilen Energieträgern.<BR /><BR /><b>Wie will Alperia diese Ziele konkret erreichen?</b><BR /><BR />Amort: Wir haben zusammen mit der EURAC eine Analyse gemacht und uns in anderen Städten umgeschaut. Das Ergebnis der Studie ist einerseits, dass der Umstieg auf nachhaltige Technologien möglich ist, und andererseits, dass dabei nicht eine einzige Technologie zum Einsatz kommt, sondern ein Mix: Biomasse, eine große Wärmepumpe, die als Wärmequelle das gereinigte Abwasser der Kläranlage nutzt, das ja schon eine bestimmte Basistemperatur hat, und die Verwertung von Bau- und Altholz aus Südtirol.<BR /><BR /><b>Kann der Bedarf allein mit Altholz aus Südtirol abgedeckt werden?</b><BR /><BR />Amort: Wir könnten laut Schätzungen bis zu 80 Prozent des lokal anfallenden Bauholzes lokal verwerten. Der Vorteil ist doppelt. Derzeit gilt Bauholz aus der Bauwirtschaft, dem Handwerk und der Industrie als Sondermüll, der nicht verbrannt werden darf und außer Land geführt wird, was weder sinnvoll noch nachhaltig ist. Daraus Wärme zu produzieren, bedeutet eine Win-win-Situation. Diese drei Technologien in Summe würden die Produktion von Fernwärme für den Ausbau des Netzes ermöglichen. Wir haben die Studie der Gemeinde Bozen und der Landesverwaltung vorgestellt und beide unterstützen das Konzept, das wir in unseren Strategieplan aufgenommen haben. Die Vorbereitungsphase ist bereits abgeschlossen. Derzeit geht es um logistische Fragen für die dafür nötigen Grundstücke.<BR /><BR /><b>Es geht also nicht um eine Anlage, sondern um drei Anlagen für drei Technologien an drei Standorten?</b><BR /><BR />Amort: Ja, die Biomasse-Anlage als kleinste Einheit soll auf einem Grundstück in unserem Besitz in Bozen Süd Platz finden. Die große Wärmepumpe würde in Verbindung mit der Kläranlage funktionieren, deswegen muss sie auch dort gebaut werden. Und die Verwertung von Altholz und Bauholz könnte auf einem Grundstück im Bereich der A22-Maustelle Bozen Süd entstehen. Der dortige Standort wäre logistisch gut gelegen, zugleich abseits von bewohntem Gebiet und somit die ideale Lösung. Derzeit arbeiten wir an den nächsten Schritten, zunächst an der Projektierung, um unsere Strategie umzusetzen.<BR /><BR /><b>Wie sieht der Zeitrahmen für die Umsetzung aus?</b><BR /><BR />Amort: Für Investitionen dieser Größenordnung muss man für Projektierung, Genehmigung und Umsetzung mit einem Zeitraum von fünf bis acht Jahren rechnen, wobei der Ausbau Schritt für Schritt erfolgt. 2035 sollen die Anlagen laufen und Wärme nachhaltig produzieren.<BR /><BR /><b>Wie hoch sind die geschätzten Kosten?</b><BR /><BR />Amort: Das können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, dafür ist es zu früh.