Seit den frühen Morgenstunden läuft eine groß angelegte Operation, die von der Direktion für Antimafia und Antiterrorismus der Staatsanwaltschaft Trient koordiniert wird und sich über Italien hinaus auf Österreich, Deutschland und Kroatien erstreckt. <BR /><BR />Insgesamt stehen laut Staatsanwaltschaft 19 Personen und drei Unternehmen unter Verdacht. Ihnen werden unter anderem grenzüberschreitender illegaler Abfallhandel sowie Betrug im Handel vorgeworfen. Der Vorverhandlungsrichter am Landesgericht Trient ordnete Untersuchungshaft gegen zwölf der Beschuldigten an.<h3> Grillbriketts, Bodenverbesserer für die Landwirtschaft, Zusatzstoffe für Beton</h3>Im Mittelpunkt der Ermittlungen, die bereits 2022 von der Umwelt-Einheit der Carabinieri in Trient aufgenommen wurden, steht ein mutmaßlicher illegaler, grenzüberschreitender Abfallhandel, der in Südtirol und anderen europäischen Ländern aktiv gewesen sein soll. <h3> Zwölf Personen verhaftet</h3>Nach Angaben der Ermittler hätten die Beschuldigten eine sogenannte „schwarze Lieferkette“ rund um Rückstände aus Pyrovergasungsprozessen aufgebaut. Das heißt: Sie sollen hochgradig giftige Materialien verarbeitet und anschließend als vermeintlich nachhaltige Produkte wieder auf den Markt gebracht haben. <h3> Auch Fernheizwerk von Laas im Vinschgau soll betroffen sein</h3>Dazu zählen unter anderem Grillbriketts, Bodenverbesserer für die Landwirtschaft, Zusatzstoffe für Beton sowie CO-Zertifikate, die für den Handel bestimmt waren. Insgesamt wurden zwölf Personen inhaftiert: fünf aus Südtirol, darunter zwei Führungskräfte der Landesagentur für Umwelt in Bozen, drei österreichische Staatsbürger, zwei deutsche und zwei kroatische Staatsbürger.<BR /><BR />Betroffen soll auch das Fernheizwerk von Laas im Vinschgau sein. Es soll unter Zwangsverwaltung gestellt worden sein.<BR /><BR />Im Verlauf der vierjährigen Ermittlungen führten die Behörden Inspektionen und Beschlagnahmungen in Südtirol, Venetien, der Lombardei sowie in Österreich, Kroatien und Deutschland durch. Zudem wurden Transporte ins Ausland kontrolliert.<h3> Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Landesumweltagentur</h3>Den Ermittlungen zufolge kam Führungskräften und Beamten der Landesumweltagentur in Bozen eine Schlüsselrolle bei der Absicherung, Vertuschung und Begünstigung der illegalen Machenschaften zu. Durch bewusstes Wegsehen, aber auch durch aktives Eingreifen sollen sie den illegalen Abfallhandel regelrecht legitimiert haben – etwa durch das Ausstellen gefälliger Gutachten, das Verschleppen von Sanktionen, konkrete Tipps zur Umgehung von Verboten oder die gezielte Manipulation von Kontrollen vor Ort.<BR /><BR />Die Ermittlungen hätten zudem gezeigt, dass versucht worden sei, günstige rechtliche Auslegungen zugunsten der Anlagenbetreiber zu fördern und Verwaltungsakte zu nutzen, um Ermittlungen zu verzögern oder zu behindern. Außerdem habe es laut Staatsanwaltschaft Druck auf Techniker gegeben, die mit Kontrollen beauftragt waren, damit diese keine Unterlagen an gesamtstaatliche Behörden weiterleiten, welche den Abfallcharakter der Aschen bestätigt hätten.<BR /><BR />Das System habe den beiden beteiligten italienischen Unternehmen laut Ermittlungen rechtswidrige Gewinne in Höhe von mehreren hunderttausend Euro verschafft. <BR /><BR />An den Untersuchungen beteiligten sich Europol, Eurojust sowie das europäische Amt für Betrugsbekämpfung OLAF. In Italien wurden zudem das Umwelt- und Gesundheitsministerium sowie das Oberste Gesundheitsinstitut eingeschaltet. Die Zollbehörde unterstützte Untersuchungen und Analysen von Warenlieferungen. An der weiterhin laufenden Operation sind insgesamt mehr als 100 Einsatzkräfte beteiligt.