Ciro Grillo, der 24-jährige Sohn des Komikers und Mitbegründers der Anti-Establishment-Partei „Fünf Sterne“, Beppe Grillo, wurde am Montag gemeinsam mit drei Freunden wegen der Gruppenvergewaltigung zweier junger Frauen im Juli 2019 auf Sardinien für schuldig befunden. <BR /><BR />Ciro Grillo und zwei seiner Freunde, Edoardo Capitta und Vittorio Lauria, wurden zu jeweils acht Jahren Haft verurteilt. Der vierte Angeklagte, Francesco Corsiglia, erhielt eine Haftstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten. <h3> Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich für alle Angeklagten neun Jahre Haft gefordert</h3>Das Gericht hat bei allen vier Angeklagten allgemeine mildernde Umstände anerkannt und eine vorläufige Entschädigungszahlung (Provvisionale) an die Nebenklägerinnen festgelegt. So müssen Ciro Grillo, Vittorio Lauria und Edoardo Capitta jeweils 10.000 Euro und Francesco Corsiglia 5.000 Euro Entschädigung zahlen. <BR /><BR />Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich für alle Angeklagten neun Jahre Haft gefordert. Keiner von ihnen war zur Urteilsverkündung anwesend. Auch die Hauptzeugin, eine italienisch-norwegische Studentin, die zur Tatzeit 19 Jahre alt war, erschien nicht vor Gericht. <BR /><BR />Corsiglia wurde zwar wegen gemeinschaftlicher Vergewaltigung verurteilt, jedoch vom Vorwurf freigesprochen, die Freundin der Studentin sexuell belästigt zu haben. Die Verurteilten können Berufung einreichen. <h3> „Dieses Urteil gibt ihrem Leid einen Sinn“</h3>Die italienisch-norwegische Studentin wurde von der Staranwältin und Senatorin der Lega, Giulia Bongiorno, verteidigt. „Meine Mandantin weinte vor Erleichterung - dieses Urteil gibt ihrem Leid einen Sinn. Sie hat geweint und sich bei mir bedankt. Trotz der erdrückenden Beweislage gewöhnt man sich nie an das Warten auf ein Urteil“, so die Anwältin.<BR /><BR /> Das Urteil wurde von Frauenverbänden begrüßt. „Die heutige Entscheidung bestätigt, dass sexuelle Gewalt nicht als bloßer Scherz abgetan werden kann, sondern ein äußerst schwerwiegendes Verbrechen ist, das die Freiheit und Würde von Frauen angreift“, erklärte Elisa Ercoli.<h3> „Keine gesellschaftlichen mildernden Umstände, die sexuelle Gewalt rechtfertigen könnten“</h3>Teresa Manente, Leiterin der Rechtsabteilung von „Differenza Donna“, fügte hinzu: „Das Urteil des Gerichts bekräftigt einen grundlegenden Grundsatz: Es gibt keine gesellschaftlichen mildernden Umstände, die sexuelle Gewalt rechtfertigen könnten. <BR /><BR />Sexuelle Gewalt ist ein Verbrechen, das sowohl im nationalen als auch im internationalen Recht als Verletzung der Menschenrechte anerkannt ist. Frauen, die den Mut haben, Anzeige zu erstatten, müssen in Institutionen, Gerichten und Medien Gehör und Gerechtigkeit finden - und dürfen nicht auf weitere Hürden oder stereotype Vorurteile stoßen.“<BR /><BR />Beppe Grillo hatte 2021 in einer Stellungnahme den Sohn verteidigt. „Es gibt ein Video und man sieht, dass Sex einvernehmlich war: Man sieht eine Gruppe, die lacht, 19-jährige Jungs, die Spaß haben, die in Unterhosen sind - das sind vier Idioten, keine vier Vergewaltiger“, hatte Grillo Senior betont und sich damit viel Kritik zugezogen.