Nach Thönis Angaben kam Vittorio Emanuele, der Sohn des letzten italienischen Königs Umberto II., gemeinsam mit seiner Ehefrau Marina Doria nach einem Riesenslalom in St. Moritz in das Hotel der Familie Thöni in Trafoi. <BR /><BR />„Nach meinen ersten Siegen standen draußen immer Schlangen, die Journalisten ließen mir keine Ruhe. Einmal kam sogar Prinz Vittorio Emanuele von Savoyen mit seiner Frau. Sie begrüßten das gesamte Personal und schenkten uns eine Tischuhr“, erzählte Thöni. Die Episode findet sich auch in seiner Biografie Una scia di bianco, die er jüngst im Mailänder Verlag Rizzoli veröffentlicht hat.<h3> Verbot galt ohne Ausnahmen</h3>Die Anekdote ist juristisch nicht unproblematisch. In den 1970er-Jahren war männlichen Nachkommen des Hauses Savoyen die Einreise und der Aufenthalt in Italien untersagt. Grundlage war die XIII. Übergangs- und Schlussbestimmung der italienischen Verfassung, die das Exil der früheren Königsfamilie bis zu ihrer Aufhebung im Jahr 2002 festschrieb. Das Verbot galt ohne Ausnahmen.<BR /><BR />Dennoch sollen Mitglieder der Familie wiederholt unerlaubt italienisches Staatsgebiet betreten haben. Das bestätigte nun Vittorio Emanueles Sohn Emanuele Filiberto von Savoyen gegenüber dem Corriere della Sera. „Wenn Gustav diese Anekdote erzählt und niederschreibt, dann ist es mit Sicherheit wahr. Es ist eine großartige Geschichte“, sagte er. Sein Vater sei ein großer Sportfan gewesen, und der Wunsch, einen Champion wie Thöni zu treffen, sei stärker gewesen als das Exil. Grenzen dürften keine Rolle spielen, wenn der Sport wichtig sei. Es sei richtig gewesen, dafür eine Ausnahme zu machen.<h3> „Es gab zahlreiche Grenzübertritte“</h3>Emanuele Filiberto räumte ein, dass es zahlreiche solcher Grenzübertritte gegeben habe. Aufenthalte habe es unter anderem im Aostatal, in Turin und auf Sardinien gegeben. Man sei essen gegangen und habe private Ausflüge unternommen. Grenzkontrollen seien dabei kein Hindernis gewesen. Sicherheitskräfte hätten die Familie erkannt und gegrüßt. Auch Treffen mit Politikern habe es gegeben, versicherte der 53-jährige Emanuele Filiberto. Namen dieser Politiker machte er nicht. <BR /><BR />Zudem berichtete der Savoyen-Prinz von mehreren Überflügen italienischen Territoriums, unter anderem über Turin und Racconigi, gemeinsam mit seinem Großvater Umberto II. Aus seiner Sicht seien die Verstöße legitim gewesen, da die Königsfamilie zuvor in ihren Rechten verletzt worden sei - eine Einschätzung, die auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte bestätigt habe.<BR /><BR />Erst 2002 wurde das Einreiseverbot per Verfassungsänderung aufgehoben. Am 15. März 2003 kehrten die Savoyer offiziell nach Italien zurück. Vittorio Emanuele und sein Sohn Emanuele Filiberto, die den Großteil ihres Exils in der Schweiz verbracht hatten, verzichteten auf den Thronanspruch. Vittorio Emanuele starb am 3. Februar 2024 im Alter von 86 Jahren in Genf.