Im Interview erzählt sie von den Herausforderungen in der Pflegearbeit.<BR /><BR /><b>Frau Maier, Sie haben wohl den krisensichersten Job der Welt...</b><BR />Edith Maier: Ja, das kann man wohl so sagen (lacht). Die Krisensicherheit ist ein Aspekt. Pflegeberufe sind anspruchsvolle Berufe, körperlich wie seelisch, aber es kommt so viel zurück. Was meine Aufgabe betrifft, so sehe ich mich auch als Verbindung Verbindung zwischen den Pflegeeinrichtungen, die Zusammenarbeit mit den anderen Diensten wie Reinigung, Küche, Wäscherei, Haustechnik ist essenziell. Denn im Zentrum aller Arbeit muss der Heimbewohner sein.<BR /><BR /><b>Sie sagten Pflegeberufe, seien auch körperlich ein harter Job. Wie viele Schritte legt eine Pflegekraft schätzungsweise pro Tag zurück? 10.000 Schritte?</b><BR />Maier: Das wird wohl nicht reichen. Pflegearbeit ist herausfordernd, aber auch sehr abwechslungsreich. Ich kann sehr autonom arbeiten, Disziplin wechseln sprich ich arbeite mit Demenzkranken, entscheide mich später für den intensiven oder einen anderen Bereich. Eine Pflegekraft hat sehr viele Möglichkeiten sich einzubringen. Da gibt es keine Monotonie. Und wir haben viele Fortbildungsmöglichkeiten, um immer up to date zu sein. Auch Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, ist ein stetes Bemühen. <BR /><BR /><b>Wichtigstes Ziel der Pflege?</b><BR />Maier: Wichtig ist die Haltung. Mit Freude und Herz die Arbeit zu machen. Denn alles, was ich tue, hat eine direkte Auswirkung auf den Menschen, den ich betreue und auch auf die Angehörigen. Denn ein Heimbewohner oder Patient ist nicht isoliert zu betrachten sondern innerhalb seiner Familie.<BR /><BR /><b>Was liebt der zu pflegende Mensch am meisten?</b><BR />Maier: Sich angenommen zu fühlen. Daher ist Voraussetzung Nummer 1 im Pflegeberuf: Menschlichkeit, Empathie für andere, aber auch für sich selbst. <BR /><BR /><b>Kann man Empathie lernen?</b><BR />Maier: Die Wissenschaft sagt ja...<BR /><BR /><b>Zurück zu den Stärken, die eine Pflegekraft haben sollte.</b><BR />Maier: Jeder Pflegende muss ein Herz für den anderen und für sich selbst haben. Wir haben auch viele Quereinsteiger, die nach vielen Jahren beispielsweise im Büro sich umschulen lassen und einen großen Erfahrungsschatz mitbringen. Wir haben vier Generationen an Pflegenden unter einem Dach: Die Jungen, die kommen, und andere kurz vor ihrer Pensionierung.<BR /><b><BR />Unterschiede?</b><BR />Maier: Sie haben eine andere Art die Arbeit zu lernen, eine andere Art zu kommunizieren und manche haben auch einen anderen kulturellen Hintergrund.<BR /><BR /><b>Wie schaut es insgesamt mit dem Nachwuchs aus?</b><BR />Maier: Es gibt Nachwuchsprobleme wie in allen anderen Berufssparten auch, die dem demografischen Wandel geschuldet sind. Daher gilt es in den Nachwuchs sprich in die Zukunft zu investieren. Pflegeberufe sind Berufe, die viel zurück geben, wenn man sie mit Herz macht. Es stehen so viele Möglichkeiten offen. Ich kann es aktiver haben, wenn ich in der Special-Care-Unit, der Intensivpflege, arbeite. Da bin ich technisch-klinisch mehr gefordert, aber ich kann mich in zehn Jahren auch anderes entscheiden. Es gibt so viele berufliche Perspektiven.<BR /><BR /><b>Ein Ort, in dem nur alte Menschen beieinander sind, wie die Seniorenwohnheime sind, hat das nicht etwas von einem Warten auf den Tod?</b><BR />Maier: Das ist ein falsches Bild. Denn Heimbewohner können noch sehr fit sein. Sie sind sehr unterschiedlich und bunt gemischt, sorgen auch gegenseitig für einen abwechslungsreichen Alltag. Und wir sorgen dafür, dass die Lebensqualität hoch bleibt.<BR /><BR /><b>Sie sind seit Anfang Jänner Pflegedirektorin und damit zuständig für 250 Mitarbeiter im Pflegebereich. Hat es einen Schlüsselmoment gegeben?</b><BR />Maier: Ja. Das war beim Rundgang durch die Einrichtungen mit Generaldirektor Sepp Haller, der die Heim- und Pflegedienstleitung fragt: Habt ihr es warm? Eine simple, aber sehr wichtige Frage, denn alte Menschen brauchen es warm – und gutes Essen. Da sagte ich mir: Ganz falsch bin ich hier nicht.<BR /><BR /><b>Und ein besonderes Erlebnis in ihrer Berufskarriere?</b><BR />Maier: Das ist noch gar nicht lange her. In der Neuroreha in Sterzing, meiner letzten Station vor dem Wechsel, hatte ich mich noch um einen schweren Pflegefall gekümmert. Als ich hier angefangen habe, sehe ich den Namen unter den Heimbewohnern und will die Person besuchen. Man sagt mir sie sei sehr schwach, sie werde mich nicht erkennen. Da kam ich ins Zimmer, rief ihren Namen und fragte: ,Erkennen Sie mi?‘ Da schlug sie die Augen auf und schüttelte Ja. Offenbar hatte sie meine Stimme wiedererkannt. Das hat mich schon sehr berührt.