Was war aber der Auslöser, dass Diop die Stadt verlassen will, obwohl er sich, nach eigener Aussage, hier sehr wohl gefühlt hat? <BR /><BR />„Meine Familie ist seit Februar in Grenoble, ich bin bisher hin- und hergependelt, jetzt ist aber Schluss. Meine älteste Tochter ist 16 Jahre alt und besucht eine Oberschule in Bozen, deshalb bin ich noch hier geblieben“, so Diop.<BR /><BR />„Es hat mehrere unliebsame Episoden gegeben, aber ausschlaggebend war mein Sohn, der die Grundschule besucht und mir eines Tages mitteilte, er wolle nicht mehr dorthin gehen, weil er mit einem Schulkameraden nicht zurecht komme. Mein Sohn war eingeschüchtert und ängstlich, und der Grund seines Unwohlseins war nur auf seine Hautfarbe zurückzuführen, die eben diesem Mitschüler missfiel. Da traf ich den Entschluss, wir werden uns, so leid es mir auch tut, nach einem anderen Ort umsehen müssen, wo wir, vor allem meine Kinder, geschützt sind und uns sicher fühlen können.“ Es sei ihm wichtig, dass seine Kinder mit Freude zur Schule gehen – ohne Angstgefühle. <BR /><BR />Aber warum gerade Frankreich? „Das hat einen einfachen Grund. Ich bin in Senegal aufgewachsen, wo ich von Kindesbeinen an Französisch gelernt und gesprochen habe. Es ist meine Muttersprache, ich beherrsche sie besser als jede andere und finde mich deshalb im französischen Raum leichter zurecht.“ <BR /><BR />Papadam Diop , der bisher in der Bozner Iveco-Gruppe gearbeitet hatte, kündigte seinen Job und es wurde ihm zuerst von seinem Arbeitgeber, der auch in Frankreich mit Zweigstellen vertreten ist, in Aussicht gestellt, dort wieder beschäftigt zu werden. „Das hat sich allerdings zerschlagen, doch ich bin zuversichtlich, einen geeigneten Arbeitsplatz zu finden.“<BR /><BR />Diop betont auch, dass er nie, wie fälschlicherweise in einigen Medien kolportiert wurde, gesagt habe, dass Bozen zu rassistisch sei. „Ich kann nur wiederholen: Hier habe ich mich wohl gefühlt und die Bevölkerung ist mir durchwegs freundlich begegnet. Durch mein Verhalten wird bei meinen Mitbürgern aber vielleicht das Bewusstsein für das Thema gestärkt. Mit meinem Schritt möchte ich die Sensibilität für das Thema erhöhen.“<BR /><BR /><b>Plogging</b><BR /><BR />Wie ist Diop aber zum Plogging gekommen? Das Wort besteht aus 2 Bestandteilen, nämlich aus „plocka upp“ (Schwedisch für aufheben) und aus Jogging. Beim Plogging werden also beim Laufen Abfälle gesammelt, um der Vermüllung der Landschaft Einhalt zu gebieten. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="774056_image" /></div> <BR /><BR />„Ich bin von Haus aus Sportler und beim Joggen habe ich immer wieder festgestellt, dass mir jede Menge Müll begegnet. So habe ich mich an den Bürgermeister gewandt und der war hocherfreut, als ich ihm das Plogging vorschlug. So hat alles angefangen und wir haben auch zusammen mit der Gemeinde Aktionen veranstaltet. Da haben manchmal auch an die 200 Personen mitgemacht.“ Diop verabschiedete sich nun von Bozen zusammen mit zahlreichen Freunden und Bekannten mit seiner „letzten“ Plogging-Aktion, die am Samstag vom Uniplatz ihren Ausgang nahm. <BR /><BR />Bei der Verabschiedung war auch Stadträtin Chiara Rabini zugegen, die meinte, man müsse die Entscheidung von Papapdam Diop respektieren, auch wenn sie schmerzhaft sei, aber „vielleicht ist es ein Anlass, dass die Mitmenschen wachgerüttelt werden. Diop will das Beste für seine Familie, deshalb hat er Bozen den Rücken gekehrt. In der Gemeinde haben wir auch darüber debattiert, die Opposition sprach von einem Akt der Diskriminierung, wir hingegen sehen die Sachlage ein bisschen nüchterner.“<BR /><BR />Der Meraner Künstler Claudio Calabrese lernte Diop vor einiger Zeit kennen und überbrachte ihm zum Abschied ein Portrait, wo er versuchte, seine Persönlichkeit auszudrücken: „Diop ist hier integriert, er arbeitet mit großem Einsatz und das hat mich angespornt, dieses Bildnis zu schaffen.“