<BR /><BR />Die tatsächliche Zahl der Betroffenen könnte jedoch deutlich höher liegen. Darauf weist Laura Costa, die neue Präsidentin der Trienter Steuerberaterkammer, hin. Viele Kanzleien würden aus Angst vor Imageschäden darauf verzichten, ihre Situation öffentlich zu machen.<BR /><BR />Der Ursprung des Angriffs geht auf den 23. März zurück. An diesem Tag meldete das in Genua ansässige Cloud-Unternehmen „Netalia Srl“ den Behörden einen Cyberangriff. Später soll sich die russische Hackergruppe „Qilin“, die auf sogenannte Ransomware spezialisiert ist, zu der Tat bekannt haben, berichtet die italienische Tageszeitung „l'Adige“. Dabei handelt es sich um Schadsoftware, die in IT-Systeme eingeschleust wird, um Daten zu verschlüsseln und unzugänglich zu machen. Ziel ist es, ein Lösegeld – meist in Bitcoin – für die Freigabe der Daten zu erpressen.<BR /><BR />Der Angriff traf nicht nur kleinere Kunden, sondern auch größere Einrichtungen. So war unter anderem die Stadt Genua betroffen, wo mehrere Systeme ausfielen. Beispielsweise war es zeitweise nicht möglich, online Bußgelder der Stadtpolizei zu bezahlen. Während dieses Problem vergleichsweise rasch behoben werden konnte, gestaltet sich die Lage für externe Kunden deutlich schwieriger.<BR /><BR />Indirekt betroffen sind zahlreiche weitere Unternehmen und Kanzleien in ganz Italien, die die Dienste des Cloud-Anbieters nutzten. Besonders gravierend ist die Situation im Trentino: Dort arbeitete ein IT-Unternehmen aus dem Nonstal mit Netalia zusammen und bot dessen Dienstleistungen wiederum lokalen Kanzleien und größeren Betrieben an. Dadurch entstand ein regelrechter Dominoeffekt, der sich über das gesamte Land ausbreitete.<BR /><BR />Die Folgen sind erheblich. Umfangreiche Archive sind derzeit nicht zugänglich, und es ist unklar, ob alle Daten noch vorhanden sind. „Das Problem ist noch nicht gelöst“, erklärt Costa. Sie rät den betroffenen Kanzleien, rechtlichen Beistand in Anspruch zu nehmen. Gleichzeitig sei es schwierig, alle Betroffenen zu erreichen, da viele aus Gründen der Diskretion zurückhaltend bleiben.<BR /><BR />Immerhin scheint das Datenarchiv des laufenden Jahres inzwischen wieder verfügbar zu sein. Historische Daten hingegen bleiben weiterhin blockiert. Für viele Kanzleien bedeutet das massive Einschränkungen im Alltag, etwa bei der Erstellung von Steuererklärungen. „Viele Unternehmen versuchen derzeit, ihre Daten manuell neu einzugeben“, so Costa. „Das ist jedoch nicht immer möglich, vor allem dann nicht, wenn nur digitale Kopien existierten.“<BR /><BR />Die Steuerberaterkammer will das Thema in ihrer nächsten Versammlung in dieser Woche aufgreifen. Zudem wurde beschlossen, den Nationalrat einzuschalten, um das weitere Vorgehen zu klären. Hintergrund sind sowohl die besondere Art als auch die anhaltende Dauer des Angriffs.