Dienstag, 20. Juli 2021

Haftbefehl gegen Michael Wendler: Sänger bleibt Gerichtstermin fern

Zuletzt war Michael Wendler eher durch Verschwörungserzählungen denn als Sänger aufgefallen. Nun hat ein Amtsgericht Haftbefehl erlassen, weil er zu einem Prozess nicht erschienen ist. Ob das auch in seiner neuen Wahlheimat USA Folgen hat, ist offen.

Nun hat ein Amtsgericht Haftbefehl gegen Michael Wendler erlassen, weil er zu einem Prozess nicht erschienen ist.
Nun hat ein Amtsgericht Haftbefehl gegen Michael Wendler erlassen, weil er zu einem Prozess nicht erschienen ist. - Foto: © Michael Schilling / Michael Schilling
Weil der umstrittene Schlagersänger Michael Wendler nicht als Angeklagter in einem Prozess erschienen ist, will ihn ein Amtsgericht nun per Haftbefehl zur Verhandlung bringen lassen. Das Gericht in Dinslaken am Niederrhein erließ am heutigen Dienstag einen sogenannten Sitzungshaftbefehl, der gilt, bis Wendler („Egal“, „Sie liebt den DJ“) seiner Ladung vor Gericht nachkommt.

Er sei ordnungsgemäß zu den mehrfach verschobenen Gerichtsterminen geladen worden und fehle nun unentschuldigt, so das Gericht nach Angaben eines Sprechers. Die deutschen Behörden würden nun versuchen, Wendler in Haft zu nehmen. Ob ein solcher Haftbefehl aber in den USA, wo Wendler lebt, überhaupt vollstreckt werde, sei unklar, sagte der Sprecher.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 49-Jährigen vor, Beihilfe zum Vereiteln der Zwangsvollstreckung geleistet zu haben. Deswegen war ein Strafbefehl erlassen worden, gegen den Wendler allerdings Einspruch einlegte. Daher startete am heutigen Dienstag der Prozess.

Wendler sollen, so der Vorwurf im Strafbefehl, Autorenanteile an mehr als 150 Musiktiteln überschrieben worden sein, um das Vermögen des ursprünglichen Rechteinhabers vor der Vollstreckung zu bewahren. In selber Absicht soll ihm ebenfalls vom ursprünglichen Rechteinhaber die Wortmarke „Michael Wendler“ übertragen worden sein.

Der Strafbefehl beläuft sich nach Angaben des Gerichts auf 6 Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. Als Bewährungsauflage seien 100.000 Euro an die Staatskasse vorgesehen. Sein Anwalt äußerte sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen. Bis zu einer Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.

Staatsanwaltschaft fordert Untersuchungshaft


Am Vorabend des Prozesses hatte Wendlers Verteidiger laut Gericht beantragt, seinen Mandaten von der Pflicht, persönlich nach Dinslaken zu kommen, zu entbinden. Dem kam das Gericht allerdings nicht nach. Die Staatsanwaltschaft beantragte daraufhin einen Haftbefehl. Sie zeigte sich überzeugt, dass er in die USA geflohen sei, um dem Prozess zu entgehen; er solle daher in Untersuchungshaft.

Soweit ging die Richterin am heutigen Dienstag nicht: Es sei nicht ersichtlich, dass Wendlers Aufenthalt in den USA eine Flucht vor der Justiz sei. Sein Erscheinen vor Gericht in dem Prozess sei aber angemessen. Daher soll er solange in Haft, bis er vor Gericht erscheine.

apa