Das Land brauche mindestens fünf bis zehn Jahre lang Hilfe beim Wiederaufbau, sagte Ministerpräsident Jean-Max Bellerive am Montag (Ortszeit) bei der Geberkonferenz im kanadischen Montreal. Das Volk sei ausgeblutet, gemartert und am Boden zerstört. „Die Menschen von Haiti brauchen mehr und mehr und mehr Hilfe, um den Wiederaufbau zu schaffen.“An der Konferenz nahmen unter anderem US-Außenministerin Hillary Clinton und ihr französischer Kollege Bernard Kouchner teil sowie Vertreter von weiteren zwölf Staaten. Bei dem Treffen sollten der akute Bedarf im Katastrophengebiet geklärt und erste Weichen für den Wiederaufbau gestellt werden. Finanzielle Zusagen standen zunächst nicht auf der Tagesordnung. Auch Haiti selbst wies Forderungen von Hilfsorganisationen beispielsweise nach einem Schuldenerlass vorerst zurück. „Angesichts der tatsächlichen Not, die herrscht, ist unser Schuldenproblem klein“, sagte der Regierungschef. „Was wir brauchen sind langfristige Zusagen.“Die Teilnehmerstaaten beschlossen eine internationale Konferenz zur Finanzierung des Wiederaufbaus für März an. Sie soll am Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York stattfinden. „Wir versuchen das, in einer sinnvollen Reihenfolge zu tun“, sagte Clinton. „Gelegentlich gibt es Geberkonferenzen, ohne dass man eine Idee davon hat, was man mit dem Geld anfangen will.“Die haitianische Regierung erwägt unterdessen, das Zentrum der beim Erdbeben zerstörten Hauptstadt Port-au-Prince für eine Zeit lang abzuriegeln. Während dieser Zeit soll der Abriss und der Wiederaufbau bewerkstelligt werden. „Wir müssen die Menschen dazu bewegen, in ihre Heimatprovinzen zu gehen, indem wir dort die Lebensbedingungen verbessern“, sagte Jean Baleme Mathurin, Wirtschaftsberater des haitianischen Regierungschefs. Nach seinen Worten haben bereits 400.000 der etwa 3 Millionen Einwohner die Stadt verlassen.Die haitianische Regierung sei dankbar für die große internationale Hilfe, die ins Land gekommen sei, sagte Mathurin. Jetzt komme es darauf an, den Menschen die Möglichkeit zu geben sich am Wiederaufbau aktiv zu beteiligen. „Wir haben jetzt die Möglichkeit Bedingungen zu schaffen, damit die Menschen in Würde in ihrem eigenen Land leben können“, sagte der Wirtschaftsprofessor. „Das Land kann jedem die Möglichkeit zum Leben geben, wenn wir es schaffen, Schulen, Krankenhäuser und andere soziale Einrichtungen auf dem Lande zur Verfügung zu stellen.“ Dadurch könne der Einwanderungsdruck auf Port-au-Prince vermindert werden, das ursprünglich nur für 300.000 Einwohner geplant worden sei.Dass es nicht nur die Armen getroffen hat, zeigt der Fall des haitianischen Präsidenten René Préval: Er wird wie Tausende seiner Landsleute demnächst in einem Zelt leben müssen. Auch sein Haus wurde bei dem verheerenden Erdbeben zerstört. Préval werde in ein Zelt im Garten des eingestürzten Nationalpalastes ziehen, sagte Tourismusminister Patrick Delatour, der auch für den Wiederaufbau verantwortlich ist.Rund 10.000 Familienzelte stehen als Notunterkünfte in Haiti schon bereit, wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) mitteilte. Weitere 30.000 Zelte würde in Kürze erwartet. Aber dies wird nach Angaben nicht ausreichen, um alle Obdachlosen unterzubringen. Die Organisation schätzt, dass rund 100.000 Zelte gebraucht werden. Nach Schätzungen der UN wurden bei dem Beben rund eine Million Menschen obdachlos. Préval appellierte am Montag, Flugzeuge, die Zelte brächten, sollte eine vorrangige Landeerlaubnis bekommen.Brasilianische Soldaten haben unterdessen damit begonnen, am Stadtrand von Port-au-Prince eine riesige Zeltstadt aufzubauen. Sie planierten rund fünf Hektar Land nördlich der Stadt. Es soll die erste von rund einem halben Dutzend Zeltstädten werden, die vor der Regen- und Hurrikansaison im Sommer fertig sein müssen.apa/dpa/reuters/apn