Der etwa 30 Jahre alte Mann wurde durch Schüsse in den Kopf getötet, wie ein AFP-Fotograf berichtete. Hunderte Menschen hatten zuvor einen Supermarkt in der haitianischen Hauptstadt gestürmt. Die Zusammenstöße mit der Polizei dauerten an, während bewaffnete Verstärkung für die Sicherheitskräfte anrückte.In den vergangenen Tagen war es immer wieder zu Plünderungen in dem Erdbebengebiet gekommen, auch weil die Hilfslieferungen für die hunderttausenden Opfer nur langsam anliefen. Bei dem Erdbeben am Dienstag kamen nach jüngsten Schätzungen der haitianischen Regierung bis zu 50.000 Menschen ums Leben. Rund 250.000 wurden demnach verletzt, etwa 1,5 Millionen Menschen sind obdachlos.Hunderttausende warten auf HilfeHunderttausende Menschen in Haiti haben am Wochenende zunehmend verzweifelt auf die nur langsam anlaufende Hilfe im Erdbebengebiet gewartet.Unter chaotischen Umständen verteilten die UNO und internationale Hilfsorganisationen Lebensmittel, Trinkwasser und andere Hilfsgüter. Nach wie vor gab es erhebliche logistische Engpässe am Flughafen von Port-au-Prince, wo die USA inzwischen die Kontrolle übernommen haben.Die Verteilung der Hilfslieferungen verbessere sich, „aber sie bleibt sehr kompliziert und sehr langsam“, sagte die Sprecherin des UN-Büros für die Koordination humanitärer Angelegenheiten (OCHA), Elisabeth Byrs. Sie hatte das Erdbeben zuvor als eine „Katastrophe historischen Ausmaßes“ bezeichnet, die schlimmste in der Geschichte der UNO.US-Hubschrauber erhöhten zwar die Frequenz der Hilfslieferungen, viele hungernde Menschen plünderten jedoch erneut Geschäfte in der Hauptstadt Port-au-Prince. Das Welternährungsprogramm (WFP) richtete Ausgabestellen für Lebensmittel ein, an denen sich lange Schlangen bildeten. Die Organisationen des Internationalen Roten Kreuzes flogen nach Angaben eines Sprechers 15 Flugzeugladungen Hilfsgüter ein, die von 19 Hubschraubern stetig abgeworfen werden.Nach tagelangen Anstrengungen erreichte ein erster Konvoi die Stadt Leogane, rund 17 Kilometer westlich der Hauptstadt. Dort sah ein AFP-Reporter ganze Straßenzüge von zerstörten Häusern. „Hier ist das Epizentrum des Bebens und viele, viele tausend sind tot“, sagte ein WFP-Sprecher. Auch die Orte Carrefour am Rande der Hauptstadt und Jacmel im Süden des Landes sind laut UNO zur Hälfte zerstört.Haitis Ministerpräsident Jean-Max Bellerive sagte AFP am Samstag, bisher seien 25.000 Todesopfer geborgen und beerdigt worden. Temperaturen um die 30 Grad beschleunigten die Verwesung der in den Straßen liegenden Leichen und erhöhten die Seuchengefahr.Fünf Tage nach der Erdbebenkatastrophe haben die Rettungskräfte am Sonntag eine 62-jährige Frau lebend aus den Trümmern eines Hotels geborgen. Zuschauer brachen nach ihrer Bergung in Beifall und Jubel aus.Am Samstag wurden bereits drei Menschen lebend gefunden. Für die Befreiung einer 29-Jährigen brauchten amerikanische Retter 30 Stunden, bis sie die Studentin aus den Schuttmassen eines Universitätsgebäudes befreien konnten. Die junge Frau war 97 Stunden unter den Trümmern begraben. Hoffnung auf weitere Überlebende gab es laut Rotem Kreuz mehr als 72 Stunden nach dem Erdstoß kaum noch.UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon bestätigte indessen, dass die gesamte Spitze der UN-Mission in Haiti (MINUSTAH) ums Leben kam, darunter Missionschef Hedi Annabi. Ban wurde am Sonntag in Haiti erwartet. Am Montag wollte der UN-Sicherheitsrat in New York über die Lage beraten.OCHA-Sprecherin Byrs gab sich am Sonntag zuversichtlich, dass noch mehr Überlebende gefunden werden könnten. Bis zum Vortag seien mehr als 70 Verschüttete geborgen worden, weitere könnten noch in Hohlräumen ausharren.apa/afp/apn