Handy und Jugend werden immer mehr zum Reizthema zahlreicher Diskussionen. Die Geräte bringen zwar zahlreiche Vorteile mit sich, doch der übermäßige Konsum kann zum Verlust menschlicher Gefühlserregungen führen. <BR /><BR />„Das Problem ist nicht die Technologie selbst, sondern der ständige Zugang zu neuen Reizen“, sagt die Psychologin und Psychotherapeutin Alessia Corazza von der Anlaufstelle für Suchtverhalten youngHANDS. Das Smartphone ist zur dritten Hand geworden – beim Warten, Essen, Lernen oder sogar während Gesprächen. Negative Gefühle wie Enttäuschung, Angst, Traurigkeit oder Stress werden so mit dem nächsten Video einfach weggewischt. Gleichzeitig schwächt dies Fähigkeiten wie Geduld, Frustrationstoleranz, Konzentration oder Selbststeuerung. <BR /><BR /> „Hinter dem problematischen Verhalten stehen meist menschliche Bedürfnisse wie Anerkennung, Zugehörigkeit oder Ablenkung von belastenden Gefühlen.“ Entscheidend sei hierbei die Fähigkeit zur „aufgeschobenen Belohnung“, also das Verzichten auf kurzfristige Reize zugunsten langfristiger Ziele, die erst später belohnt würden. Sie sei eine bedeutende Grundlage für schulischen Erfolg, psychische Gesundheit und stabile Beziehungen, so Corazza.<h3> Gezielt Momente der Langeweile kreieren</h3>Um dem Problem gegenzusteuern, empfiehlt die Expertin, gezielt Momente der Langeweile zu kreieren. Erst wenn man nicht ständig abgelenkt ist, entwickeln sich Kreativität und neue Interessen zu analogen Aktivitäten, die den Griff zum Smartphone vergessen lassen. Die Schule spielt hierbei eine entscheidende Rolle: Österreich führt ab 2027 neue Schulfächer wie „Medien und Demokratie“ sowie „Informatik und Künstliche Intelligenz“ ein – ein Vorbild, an dem sich auch Südtirol orientieren könnte. <BR /><BR />Länder wie Dänemark oder Frankreich setzen zudem auf ein Pflichtfach namens „Empathie“. Kinder lernen dort, Emotionen zu erkennen und mit ihnen umzugehen. Digitale Kommunikation erschwert Empathie, da die Emotionen des Gegenübers aus dem Blick geraten. Die Anlaufstelle youngHANDS setzt deshalb auf die Stärkung echter Beziehungen. Dabei kann eine regelmäßige Aktivität wie Sommerarbeit, ein Verein oder Ehrenamt helfen. Eltern sollten außerdem mit gutem Beispiel vorangehen. Gemeinsam besprochene Regeln zur Handynutzung können schon ein guter Anfang sein. Viel wichtiger sei es aber, gemeinsame Momente zu schaffen und die Kinder nicht alleine zu lassen.<BR /><BR /> Ein Mindestalter für soziale Medien hält Corazza grundsätzlich für sinnvoll. Es geht nicht darum, Smartphones zu verteufeln, sondern die Bedürfnisse hinter der Bildschirmnutzung zu verstehen. Nur so können Jugendliche die Fähigkeit entwickeln, selbst zu entscheiden, wann und wie sie die Technologien nutzen.