Freitag, 08. April 2016

Handy-Idioten am Steuer gibt es auch in Südtirol zuhauf

"Bescheuert! SMS am Steuer". Unter dem Titel veröffentlichte die "Bild"-Zeitung Blitzerfotos von Handy-Sündern - oder wie sie sie nennt: Handy-Idioten. Doch diese gibt es nicht nur in Deutschland, wo die Strafen weitaus geringer sind. Die Südtiroler stehen in dieser Hinsicht der Idiotie in nichts nach, wie STOL erfahren hat.

Ein Beispiel aus der "Bild"-Zeitung: Freihändig mit Kippe und Handy (60 Euro Bußgeld, 1 Punkt) durch die 30er Zone. Bei 39 km/h (Bußgeld 15 Euro) löst der Blitzer aus. - Foto: Straßenverkehrsamt
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Ein Beispiel aus der "Bild"-Zeitung: Freihändig mit Kippe und Handy (60 Euro Bußgeld, 1 Punkt) durch die 30er Zone. Bei 39 km/h (Bußgeld 15 Euro) löst der Blitzer aus. - Foto: Straßenverkehrsamt

Der Blick aufs Display, das Schreiben einer Nachricht, das Annehmen eines Gesprächs, das Checken von E-Mails oder das Lesen von News: Die Gründe, warum man das Mobiltelefon zur Hand nimmt, sind vielfältig. Und so geschieht es auch mitten im Straßenverkehr - mit einer Hand am Steuer oder an der Lenkstange, obwohl die Gefahr erheblich, die Strafen saftig sind. 

1300 Strafen an Handy-Sünder pro Jahr in Bozen

Allein in Bozen sind 2014 und 2015 über 1300 Strafen pro Jahr an Handy-Sünder ausgestellt worden, teilt die Stadtpolizei auf Nachfrage von STOL mit. Mit über 300 Strafen bis März diesen Jahres setzt sich das Phänomen auch heuer ungebremst fort. 

"Es ist wirklich erstaunlich, dass die Leute die Gefahr vor allem durch die Ablenkung nicht erkennen oder scheinbar billigend in Kauf nehmen", ist man bei der Bozner Stadtpolizei verwundert.

Von 161 Euro bis zum Führerscheinentzug

Dabei sind die Strafen in Italien happig - und gelten für Fahrzeuglenker ebenso, wie für Fahrradfahrer: Die Geldbuße beträgt 161 Euro - inklusive Abzug von 5 Führerscheinpunkten für die motorisierten Sünder (Führerscheinneulinge verlieren gar doppelt soviel, also 10 Punkte). Zum Vergleich: In Österreich blättert man für dieses Vergehen nur 50 Euro hin, in Deutschland sind es 60 Euro.

STIMMEN SIE AB: Mit dem Handy am Steuer - Wie finden Sie das?

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Und noch abschreckender sollte es für Wiederholungstäter sein. Denn wer zwei Mal binnen zwei Jahren als Handy-Sünder ertappt wird, ist den Führerschein los – in einem Zeitrahmen von einem Monat bis zu drei Monaten.

Dabei ist es egal, ob man SMS schreibt, telefoniert oder Facebook-Meldungen durchsieht. "Natürlich lässt sich schwer nachweisen, was der Betreffende gerade mit dem Handy getan hat, doch das Hantieren allein reicht schon", so die Stadtpolizei.

Gilt nur bei einem Fahrzeug in Bewegung

Besonders anfällig fürs Handy-Hantieren sind Fahrzeuglenker, wenn es schleppend vorangeht. So wird auch das Warten an einer Ampel gerne durch Spielereien am Smartphone verkürzt. Und dies allein wäre auch noch keine Straftat.

"Denn ein Vergehen gibt es erst, wenn das Fahrzeug in Bewegung ist, sprich sich mindestens 20 Zentimeter bewegt", erklärt die Stadtpolizei. Wer also am Straßenrand anhält und bei laufendem Motor eine Nachricht schreibt oder einen Anruf tätigt, ist kein Handy-Sünder. Doch wenn die Ampel auf grün stellt - und man losfährt ohne das Handy abzulegen, ist es passiert. 

Whats-App (60 Euro, 1 Punkt) statt Lenken: Dieser Fahrer fährt mit 37 km/h (15 Euro) durch die 30er-Zone ohne Blick auf den Verkehr. Foto: Straßenverkehrsamt

Durch Freisprechanlagen in den modernen Autos habe sich das Problem mit dem Telefonieren beim Fahren etwas gebessert, weiß man auch bei der Stadtpolizei. Doch die Möglichkeiten der Beschäftigung mit einem Smartphone hätten zugenommen. 

Allen Strafen zum Trotz wird die Anzahl der Handy-Idioten also nicht geringer. Ob da der Appell an die Vernunft und die Bitte, man möge an das (Über-)Leben der anderen Verkehrsteilnehmer denken und Unfälle vermeiden, überhaupt noch etwas bringt, bleibt fraglich.

stol/ker

stol