Sonntag, 05. November 2017

Hannah Arendt statt Mussolini: Schriftzug beleuchtet

Am Gerichtsplatz in Bozen wurde am Sonntagabend im Rahmen einer schlichten Feier und im Beisein von 300 Personen die Lichtinstallation am Mussolini-Relief erstmals erleuchtet.

Am Sonntag wurde der Schriftzug zum ersten Mal beleuchtet. - Foto: DLife/lo
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Am Sonntag wurde der Schriftzug zum ersten Mal beleuchtet. - Foto: DLife/lo

„In der ersten Novemberwoche wird weltweit der Verstorbenen gedacht, besonders auch der Opfer von Kriegen und Gewalt: Vor diesem Hintergrund haben wir den heutigen 5. November ausgewählt, um die nun fertiggestellte Lichtinstallation am Piffrader-Relief auf dem Finanzgebäude am Bozner Gerichtsplatz zu enthüllen und erstmals zu beleuchten“, sagte Landeshauptmann Arno Kompatscher nach der feierlichen Veranstaltung, zu der rund 300 Personen gekommen waren. „Mit der schlichten Feier ohne offizielle Ansprachen sollte das Leiden und die Opfer in Erinnerung gerufen werden, das totalitärer Regime in vielen Ländern verursacht haben.“ 

Das Relief am Finanzgebäude in Bozen war als „Haus des Faschismus“ nach den Plänen der Architekten Paolo Rossi und Luis Plattner errichtet und 1942 fertiggestellt worden. An der Stirnseite befindet sich das monumentale Relief des Klausener Künstlers Hans Piffraders, das den Leitspruch der italienischen Faschisten „Credere, obbedire, combattere“ („Glauben, gehorchen, kämpfen“) wiedergibt.

Holzknecht und Bernardi setzten sich mit Arendt durch

Auf der Grundlage eines vom Land Südtirol 2011 ausgelobten Ideenwettbewerbs wurde das Relief nun neu gestaltet. Unter knapp 500 Vorschlägen entschied sich die Jury für das Projekt der beiden Künstler Arnold Holzknecht und Michele Bernardi. Sie wollen mit ihrem Projekt und der Lichtschrift mit dem Zitat von Hannah Arendt das faschistische Relief umdeuten.

Diese Neugestaltung und Umdeutung des Denkmals wurde am Sonntag gefeiert. Jugendliche der drei Sprachgruppen rezitierten bei der Feier am Gerichtsplatz Passagen aus „Schöne Welt, böse Leut“ von Claus Gatterer, aus „Unvergessen“ von Franz Thaler, aus „Se questo è un uomo“ von Primo Levi sowie das Hannah-Arendt-Zitat, das nun vor dem Relief leuchtet.

Nach einer Schweigeminute wurde vor dem Hintergrund der Klänge des Haydn-Orchesters der Schriftzug illuminiert. Am Gerichtsplatz steht nun zudem eine Stele mit Informationen zu Denkmal und Geschichte. 

Foto: DLife/lo

Foto: DLife/lo

Nach der Einrichtung des Museums am Siegesdenkmal sei mit der Lichtinstallation am monumentalen Mussolini-Relief des Südtiroler Bildhauers Hans Piffrader ein weiterer Meilenstein für eine gemeinsame und verbindende Aufarbeitung der Geschichte Südtirols gesetzt worden.

„Das Relief ist damit von einem faschistischen Denkmal zu einem Mahnmal geworden, das an die Folgen bestimmter Ideologien erinnert und die Werte der Menschlichkeit, der Freiheit und der Demokratie hochhält“, so Landeshauptmann Kompatscher. 

Die Erinnerungsfeier am Sonntagabend habe den Anwesenden zudem die Entwicklung vor Augen geführt, die sich in diesem Land vollzogen habe.

stol/lpa

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