<b>Herr Dosser, erinnern Sie sich an Ihren schweren Arbeitsunfall am 10. Mai?</b><BR />Hannes Dosser: Ja, ich erinnere mich an alles. Ich war immer bei Bewusstsein. Ich bin vom rollenden Traktor weggesprungen, über eine drei Meter hohe Mauer in die Tiefe, aber Teile des Traktors haben dann meine Beine getroffen. An einem Bein hatte ich einen offenen Unterschenkelbruch, beim anderen war mir schon am Unfallort klar, dass es nicht mehr zu retten sein wird.<BR /><BR /><b>Das müssen unvorstellbare Schmerzen gewesen sein.</b><BR />Dosser: Ja, aber ich hatte Glück, dass mich die Teile des Traktors nicht an einer anderen Stelle, der Hüfte oder dem Kopf getroffen haben. Ich hatte auch Glück, dass es in der Nähe des Hauses und nicht irgendwo weit draußen in einer Wiese passiert ist. Ich wollte einen Notruf senden, aber mein Handy ist bei dem Unfall kaputt gegangen.<BR /><BR /><b>Sie waren wochenlang im Krankenhaus. Wie haben Sie die Zeit erlebt?</b><BR />Dosser: Ich war vom 10. bis 30. Mai im Bozner Krankenhaus. Ein Bein wurde amputiert, der offene Unterschenkelbruch am anderen stabilisiert. Ich habe mich im Bozner Krankenhaus sehr wohlgefühlt. Alle machen dort eine sehr gute Arbeit. Wir können auf unsere Strukturen stolz sein. <BR /><BR /><b>Inzwischen machen Sie schon Reha.</b><BR />Dosser: Ja, seit 1. Juni bin ich in der Melittaklinik in Bozen. Ich darf mein Bein noch nicht belasten, aber ich trainiere bereits und mache Muskelaufbau. Auch die Melittaklinik ist eine tolle Struktur. Ich fühle mich wirklich wohl. Man muss nicht ins Ausland fahren, um eine gute Behandlung zu haben. Hier können mich meine Frau und meine Kinder regelmäßig besuchen. Das tut der Heilung gut und gibt uns allen Kraft. <BR /><BR /><b>Dass Sie diesen Unfall mit seinen schwerwiegenden Folgen so gut wegstecken, ist schon erstaunlich.</b><BR />Dosser: Ich habe einen sehr starken Willen. Es verzagt mich nicht, dass ich ein Bein verloren habe. Ich habe mich schon am Unfallort von ihm verabschiedet. Ich muss aus der neuen Situation das Beste machen. Alle tun ihr Möglichstes, aber man muss auch selbst wollen. Meine Einstellung ist, dass jeder sein Packerl bekommt, aber nur so groß, dass man es auch tragen kann. Man muss sich allerdings entscheiden, ob man es tragen will. Für mich ist es eine Herausforderung, die ich meistern will. Wichtig ist, dass ich eine gute Reha habe, auch wenn das Zeit braucht.<BR /><BR /><b>Wie schaffen Sie es, immer positiv zu bleiben?</b><BR />Dosser: Man muss auch die kleinen Errungenschaften schätzen, dass die OP am offenen Unterschenkelbruch gut verlaufen ist, dass die Pflaster wegkamen, dass die Nähte entfernt wurden, dass der Stumpf gut heilt, dass bald die Vorbereitungen für die Beinprothese getroffen werden ...<BR /><BR /><b>Sie sind Bauer. Wie geht es mit Ihrer Landwirtschaft weiter?</b><BR />Dosser: Ich brauche mich um nichts zu kümmern. Ich habe große Unterstützung von sehr vielen Bauern von überall her, aber auch von der Familie, den Nachbarn und Freunden. Verschiedene Ortsgruppen des Bauernbundes organisieren die Arbeit in meinen Apfelwiesen, aber ich bekomme auch sonst unglaublich viel Hilfe. Ich mache mir keine großen Gedanken. Ich habe das Vertrauen, dass alles gut geht und bin sehr dankbar für diesen außergewöhnlichen Zusammenhalt unter uns Bauern. So kann ich meine ganze Energie in die Genesung stecken.<BR /><BR /><b>Wie sehen Sie Ihre Zukunft als Bauer mit nur einem Bein?</b><BR />Dosser: Ich muss schauen, was möglich ist. Die Entwicklung der Prothesen ist sehr weit fortgeschritten. Ich bin zuversichtlich, dass Vieles machbar ist. Was nicht machbar ist, müssen andere machen.