Sonntag, 13. Dezember 2020

Harter Lockdown in Deutschland offenbar ab Mittwoch

Wegen der weiter steigenden Corona-Infektionszahlen müssen sich die Menschen in Deutschland noch vor Weihnachten auf einen harten Lockdown einstellen. Die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten wollen an diesem Sonntagvormittag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einer Videokonferenz zusammenkommen und werden mit großer Wahrscheinlichkeit deutliche Verschärfungen der geltenden Regeln beschließen.

Spätestens ab Mittwoch soll in Deutschland ein harter Lockdown gelten.
Spätestens ab Mittwoch soll in Deutschland ein harter Lockdown gelten. - Foto: © shutterstock
Laut dem Magazin „Business Insider“ soll der Lockdown spätestens ab dem 16. Dezember gelten. Darauf hätten sich die Chefs der Staatskanzleien mit dem Kanzleramt am Samstagabend verständigt. Weiter hieß es, das deutsche Kanzleramt wolle lieber schon den 15. Dezember als Starttermin. Eine endgültige Entscheidung solle am Sonntagmorgen bei einer Schaltkonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten fallen.

Daneben sollen private Treffen nach dem Bericht weiterhin auf 2 Haushalte und maximal 5 Personen beschränkt werden – Kinder unter 14 Jahren nicht eingerechnet. Vom 24. bis 26. Dezember werde die Obergrenze auf maximal 10 Personen erhöht. Dann sollen auch mehr als 2 Haushalte erlaubt sein, wenn es sich um direkte Verwandte handele.

Kein Präsenzunterricht bis 10. Januar

Der umstrittenste noch offene Punkt ist dem Bericht zufolge das Thema Schulen und Kitas. Grundsätzlich einig sei man sich, dass es bis 10. Januar keinen Präsenzunterricht geben soll. Wie das konkret umgesetzt werde, hänge von den Regelungen der einzelnen Länder ab. Bei den Kitas plädiere das Kanzleramt für eine Schließung, die Länder wollten sie offen halten.

Angesichts der hohen Corona-Zahlen waren die Rufe nach einem
schnellen Lockdown in den vergangenen Tagen deutlich lauter
geworden. „Wir brauchen einen kompletten Lockdown“, sagte Bayerns
Ministerpräsident Markus Söder der „Welt am Sonntag“. „Die Zahlen
sind so schlimm wie nie. Wir dürfen uns nicht mehr in
Einzelmaßnahmen verheddern“, betonte der CSU-Vorsitzende. Alle
Länder hätten die Verantwortung, „das große Ganze zu sehen, statt
endloses klein klein“, sagte Söder der „Bild am Sonntag“.

Forderung nach Unterstützung

Forderungen gibt es angesichts des Lockdowns auch nach weiteren Hilfen für die betroffenen Unternehmen und Einzelhändler. So forderte die Immobilienwirtschaft Hilfsprogramme für die deutschen Städte. „Durch den anstehenden Lockdown verschwinden Handel und Hotel zunehmend aus den Innenstädten, ohne für die Hotspots der Pandemie verantwortlich zu sein“, sagte Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses, der Deutschen Presse-Agentur. Umsatzverluste allein im Handel von bis zu einer Milliarde Euro pro Tag im Hauptgeschäft des Jahres könnten die Unternehmen nicht mehr stemmen. Firmen- und Arbeitsplatzverluste bei Mietern und Vermietern seien die Folge. „Unsere Städte verlieren ihr Gesicht und ihre Funktion.“ Für jeden Tag Umsatzausfall müssten dieselben Entschädigungsregeln gelten wie für die Gastronomie.

Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund fordert bei einer Verschärfung der Corona-Auflagen Hilfen für den Handel. Ein harter Lockdown sei nun unvermeidbar, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Wir brauchen nun allerdings für die betroffenen Geschäfte, denen das Weihnachtsgeschäft weg bricht, auch eine klare finanzielle Unterstützung durch den Bund und Länder. Wenn dies nicht gelingt, werden wir unsere Innenstädte im kommenden Jahr nicht mehr wiedererkennen.“
Laut Handelsverband Deutschland (HDE) gefährden der anstehende
Lockdown und das bereits vorher schleppend laufende
Weihnachtsgeschäft bis zu 250.000 Arbeitsplätze im
Innenstadt-Handel.

In Deutschland wurden am Sonntag 20.200 neue Corona-Infektionen gemeldet.

dpa