Zunehmende Gewaltbereitschaft betrifft bei weitem nicht nur Jugendliche, weiß Quästor Paolo Sartori. „Mittlerweile reagiert fast jeder, der auch beim Verüben von weniger schweren Delikten erwischt wird, mit Gewalt“, so Sartori. Das Personal von Geschäften, öffentlichen Lokalen und Sicherheitsdiensten falle dieser Gewalt immer öfter zum Opfer. Und in einigen Fällen „sind auch Messer im Spiel“, ergänzt der Quästor.<h3> Phänomen nicht nur unter Jugendlichen</h3>Die Zahl der Gewaltvorfälle bereite dem Quästor weniger Sorgen als die „breite Palette an Situationen, die als Vorwand für Gewaltanwendung genutzt werden“. Dass das Phänomen unter Jugendlichen ausgeprägter sei als unter anderen Bevölkerungsgruppen, kann der Quästor nicht bestätigen. „Es hatte Fälle gegebenen, in denen sich Gruppen von Jugendlichen trafen, um aufeinander loszugehen, das Ganze zu filmen und ins Netz zu stellen“, erklärt Sartori, „aber mit Jugendbanden hat das nichts zu tun. Ich habe in Südamerika gearbeitet, wo es fast täglich zu Schießereien zwischen Jugendbanden, die organisiert waren, um Straftaten zu begehen.“ <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1119399_image" /></div> <BR /><BR />Schließlich mache sich nicht nur in allen Gesellschaftsbereichen Südtirols eine erhöhte Gewaltbereitschaft bemerkbar – „ich rede mit den Kollegen in anderen Regionen und auch jenseits der Alpen: Dort wird dasselbe Phänomen beobachtet“. <h3> Mehrheit ist gegen Gewalt</h3>Laut dem Koordinator der Fachstelle Gewalt im Forum Prävention, Lukas Schwienbacher, gilt es stets an Folgendes zu denken: „Die Mehrheit der Jugendlichen lehnt Gewalt strikt ab“, stellt er klar. „Allerdings existiert eine kleine, aber auffällige Gruppe, die Gewalttaten ausübt und den Eindruck erweckt, als wäre ein solches Verhalten insgesamt im Steigen.“ Allerdings brauche es Zahlen, um eine derartige Entwicklung effektiv zu bestätigen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-68190757_quote" /><BR /><BR />Schwienbacher zufolge lässt sich allerdings beobachten, dass gewaltvolle Auseinandersetzungen meist in den Nachtstunden zustande kommen. „Häufig in der Stadt und bei Veranstaltungen“, ergänzt er. „Der Konsum von Alkohol oder anderen Substanzen, aber auch Schlafmangel befeuert dieses gewaltvolle Verhalten – kleinen Streitigkeiten können schnell eskalieren.“<BR /><BR />Dass ein Jugendlicher ein derartiges Benehmen an den Tag legt hängt u.a. damit zusammen, wie er aufgewachsen ist. Faktoren sind etwa die Familie, das soziale Umfeld sowie persönliche Eigenschaften. „Es ist wichtig bereits in sehr jungen Jahren, Präventionsmaßnahmen zu ergreifen“, unterstreicht Schwienbacher. „Bereits als Kind sollte es erlernt sein, dass Gewalt keine Lösung ist.“