In der Nacht auf den 29. Juli 2023 haben Thomas Kolhaupt, seine Freundin und seine Eltern zum letzten Mal in ihrem Haus in der „Mühle“ unterhalb des Bad Bergfalls geschlafen. Nur wenige Stunden später ließen riesige Regenmengen und lang anhaltender Hagelschlag den Furkelbach anschwellen und über die Ufer treten. Große Mengen Gestein, Geröll und Schlamm räumten alles weg, was sich ihnen in den Weg stellte – und vermurten das Haus der Familie vom Keller über die Garagen bis ins Erdgeschoss. Nicht zum ersten Mal. „Beim Unwetter 2022 konnte sich meine Freundin nur knapp vor den Wasser- und Schlammmassen retten“, erzählt Thomas Kolhaupt. Zuvor war das Haus bereits 1995 bis zum 1. Obergeschoss vermurt worden.<BR /><BR /><embed id="dtext86-64164894_quote" /><BR /><BR />Für die Familie war im Sommer des Vorjahres deshalb klar: Hier können und wollen wir nicht mehr bleiben. Auch seine Mutter, die hier aufgewachsen ist, will nicht mehr zurück, erzählt ihr 44-jähriger Sohn. Nach 3 Umzügen im Dorf ist die Familie nun – unentgeltlich und voraussichtlich bis Jahresende – in einem Haus in Geiselsberg untergebracht. Dort sind die Vier zwar sicher, aber trotzdem sei die Situation nicht einfach. „Wir leben alle zusammen, teilen praktisch alles miteinander und haben keinerlei Perspektive“, bringt es Thomas Kolhaupt auf den Punkt.<h3> Hoffen auf einen Neuanfang</h3>Bereits einmal sei ihnen in Aussicht gestellt worden, dass sie ausgesiedelt werden, weshalb ein Vorprojekt für einen Neubau in Auftrag gegeben wurde. „Danach wurde alles wieder rückgängig gemacht, weil es nicht sicher war, dass uns die Notstandshilfe zusteht“, erzählt er. Auf das Grundstück, das die Gemeinde zur Verfügung stellen würde, aber auch den Notstandsbeitrag vom Land, der einkommensabhängig zwischen 200.000 und 280.000 Euro beträgt, sei die Familie aber angewiesen. „Ich habe meinem Onkel, der im selben Haus lebte wie wir, die Wohnung abgekauft und vor 3 Jahren die letzten Schulden bezahlt. Außerdem muss ich nicht nur für mich, sondern auch für meine Eltern neu bauen, ohne Landeshilfe geht das nicht. Da bleiben noch genug Schulden übrig“, sagt Kolhaupt. <BR /><BR />Er wird nächste Woche selbst in Bozen bei den Vertretern der verschiedenen involvierten Ämter vorsprechen, ebenso Bürgermeister Georg Reden. Ein Grundstück für einen möglichen Neubau habe die Gemeinde bereits in Geiselsberg ausfindig gemacht, erklärt Reden. Der Baugrund oberhalb der Kirche geht der Familie auch gut, sagt Kolhaupt.<BR /><BR />Mittlerweile sei der Standort ihres bisherigen Zuhauses zur roten Zone erklärt worden. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass man dort nicht mehr leben könne. „In Südtirol stehen 2500 Gebäude in der roten Zone. Dort kann man laut den Bestimmungen leben, aber nicht neu bauen“, erklärt Reden. Es liegt also nun an den Ämtern, zu prüfen, ob es sich um eine Notsituation handelt und über die Zukunft der Familie zu entscheiden.